Stehlt euren Kindern nicht die Zeit im Kindergarten

Vor allem im Alter von 5 bis 6 können es die meisten Kinder im Kindergarten gar nicht mehr aushalten: Sie wollen in die Grundschule. Sie wollen lernen, schreiben, lesen und rechnen, wollen sich groß fühlen und ihren Erziehern und dem System Kindergarten entwachsen – und am liebsten jetzt und sofort! Aber ist das wirklich so schön, wie sie es sich vorstellen?

"glücklich im Kindergarten"
Quelle: pixabay.de

Adieu Kindergarten, die Grundschule ruft

Am letzten Wochenende durfte ich mit einer Gruppe von Vorschülern im Kindergarten übernachten. Es ist eines der zahlreichen Abschiedsrituale unserer Einrichtung, die schon die Maus im letzten Jahr miterleben durfte. In zwei Jahren ist dann auch meine Kleine an der Reihe. Im Prinzip ist das eine wunderschöne Sache. Die kleinen Großen versammeln sich um 18 Uhr in ihrem Kindergarten, es werden Spiele gespielt, im Garten zusammen gegessen und gelacht. Später am Abend gingen wir mit ihnen Eis essen und zum Abschluss kuschelten sich alle in ihre Schlafsäcke und schauten einen Film auf der Leinwand in der Turnhalle. Für viele dieser Kinder war es das erste Mal, dass sie woanders als zu Hause übernachteten, und doch klappte es wunderbar und keiner hatte Heimweh. Die Jungs und Mädchen waren aufgeregt, gespannt und durften schon einen kleinen Vorgeschmack aufs „Großsein“ testen. Der Abend war anstrengend, keine Frage. Aber er war sehr schön – und machte mich auch sehr traurig.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Dieser dumme Spruch ist so alt wie lahm – aber er ist so wahr. Ich bin Mama einer Erstklässerlin. Mama eines Mädchens, das sich genauso sehr auf die Schule, das Größerwerden und das Entwachsen aus dem Kindergarten gefreut hat. Und sehr ernüchtert wurde. Die ersten Wochen sind noch aufregend und neu, aber schnell wird den meisten Erstklässlern klar, dass es das jetzt war. Vorbei mit dem Spielen, dem Singen und Toben. Vorbei mit dem Freisein, dem Wildsein, dem Kindsein. Das ausgelassene Kind darf nur noch in den kurzen Pausen zum Vorschein kommen und es lernt zu verstehen, dass nun andere Dinge in den Fokus seines Alltags gerückt sind. Das Leben, wie es noch vor ein paar Wochen war, ist vorbei. Und es kommt nie mehr wieder.

Der Ernst des Lebens – ich kann ihn nicht leiden

Jeder von uns hat von diesem doofen Ernst gehört. In so vielen Augenblicke unseres Erwachsenwerdens wird er einem angedroht. Den neuen Schulkindern zeigt er sich von seiner fiesesten Seite – und nicht alle werden mit ihm warm. Die eben noch Großen und Sicheren sind plötzlich wieder die Kleinen und Ängstlichen. Diejenigen, die in der Sicherheit des Kindergarten-Umfelds an Reife und Selbstbewusstsein gewannen, werden nun ins kalte Wasser eines ganz neuen Abschnitts geworfen und müssen lernen, ohne die Liebe und Geborgenheit des Kindergartens klarzukommen. Wenn die erste Freude verklungen ist und der Druck des schnellschnellschnell Schreibens, Lesens, Rechnens die Oberhand gewinnt, wünschen sich viele Kinder wieder an ihren sicheren Platz im Kinderhaus zurück. Dorthin, wo man auch mal zu Hause bleiben durfte, wenn einem danach war. Dorthin, wo einen jemand in den Arm nahm, wenn man traurig oder alleine oder voll Heimweh war. Dorthin, wo man einfach tun und lassen konnte, was man wollte – und wo man einfach seine Nische fand, wenn man sie suchte.

Trennungsschmerz und dicke Tränen

Ich will nicht sagen, dass die Grundschule schlimm ist. Ist sie nicht. Sie ist nur neu und anders. Aber sie macht aus kleinen Kindern junge Menschen, die das Stillsitzen und Lernen üben und verinnerlichen müssen. Meine Tochter ist sensibel und hängt sehr an mir. Die ersten Wochen und Monate war bis auf den Druck und das Lernpensum auch alles gut. Aber dann brach sie ein und wird jetzt morgens von großem Trennungschmerz gepackt, der sie zum Weinen und Verzweifeln bringt. Sie will nicht von mir weg. Sie braucht jemanden, der ihr Halt gibt. Doch in der Schule findet sie das nicht. Sie hatte schon immer solche Phasen, in denen ich sie kaum in den Kindergarten oder noch früher in die Kita bringen konnte, ohne dass es ein Drama gab. Doch dort wurde sie mit ihrem Schmerz aufgefangen. Hier ist sie ganz auf sich gestellt und muss gegen ihre kleinen, großen Geister alleine kämpfen. Und mir bricht es das Mutterherz. Zwar weiß ich, dass alles gut ist, wenn sie sich beruhigt hat. Dass sie lacht und lernt und einen guten Tag hat. Aber ein weinendes, sich festklammerndes Kind in die Schule zu „schubsen“ ist nicht das, was man sich morgens wünscht.

Soll ich mein Kind früher einschulen?

Ich höre immer öfter, dass dieses oder jenes Kind schon ein Jahr früher eingeschult werden soll. Weil es ja clever genug ist. Weil es an der Zeit ist. Weil es schon so vernünftig und wissbegierig ist. Das mag auch sein. Aber ich kann allen zweifelnden Eltern nur raten: Lasst es. Schenkt eurem Kind dieses eine Jahr Kindheit. Schenkt ihm noch ein Jahr lachen, rennen, toben, kichern, Leichtigkeit und Freiheit. Gönnt ihm noch ein Jahr lang den Luxus, die Liebe und Geborgenheit des Kindergartens zu genießen. Gönnt ihm die Zeit mit seinen Freunden, ohne Hausaufgaben, Pflichten und Lerndruck. Ein Kind mag clever oder reif oder wissbegierig erscheinen, aber es ist in diesem Alter noch so klein. Es überschätzt sich. Die Eltern überschätzen es. Dieses eine Jahr länger Kindsein kann einem niemand mehr nehmen. In die Schule kommen alle früh genug – und dann gibt es kein Zurück mehr. Macht euch das wirklich, wirklich klar.

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Kinderschuhe kaufen – (k)ein Riesenspaß für Jung und Alt

Etwa viermal im Jahr startet dieses ganz besondere Event für Eltern: Kinderschuhe kaufen mit den lieben Kleinen. Jeder freut sich auf diese 30-unendlich Minuten, in denen man intensiv die Zeit mit seinen Liebsten auskosten und sich von einer ganz anderen Seite kennenlernen kann. Ich selbst kann es immer kaum erwarten, dass endlich der Schuh drückt oder die Jahreszeit wechselt – und je jünger die Kinder, desto öfter kommt man dank Fußwachstum in diesen speziellen Genuß. Es gibt fast nichts, was ich lieber tue.

"Kinderschuhe kunterbunt"Schuhkauf mit Hindernissen

Gewiefte Eltern wissen, dass ich lüge. Die Balken sind so gebogen, dass sie gleich durchkrachen. Denn in Wahrheit gibt es schon ziemlich viel, was ich lieber tue. Mir die Wurzeln ohne Betäubung behandeln lassen. Das Geld zum Fenster rauswerfen. Hundekot aus Stollenschuhen kratzen. Aber es hilft ja alles nichts, die Kinder müssen regelmäßig neu behuft werden. (mehr …)

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Was Kinder gerne essen? Nudeln. Manchmal.

Was Kinder so mögen, essen wollen und als ihre liebsten Lieblingsgerichte auserwählen, dass wissen wir Eltern ganz genau. Nicht. Mit einem Kind macht dieses Wissen ums Nicht-Wissen schon hin und wieder Probleme, aber mit zwei von der Sorte will ich schon häufiger das Koch-Handtuch werfen und mehrere Köche anstellen, damit etwa 2 bis 3 pro Kind ihr Glück versuchen können… Ich bin genervt. Und hasse Nudeln.

"Essen für Kinder"Vorweg kann ich sagen – meine Kinder mögen Gemüse. Das ist ja schon was, denkt ihr euch jetzt. Aber sooo einfach ist es dann doch nicht. Die mögen zwar Gemüse – aber wann jetzt wer welches mag, das ist dann schon wieder eine ganz andere Sache. Vielleicht gibt es da auch ein System. Ich habe das aber leider noch nicht verstanden. Oder auch nur ansatzweise entdecken können. Ich weiß nur, dass es mittlerweile zu einem aufregenden und nervenaufreibenden Spiel geworden ist, hier für vier Menschen zu kochen. Vier. Menschen. Von denen eigentlich nur einer – nämlich meine genügsame Wenigkeit – alles isst, was er vor die Nase gesetzt bekommt. Gut, dieser eine Mensch kocht natürlich auch das Essen, aber auch wenn mir fremde Menschen Essen vor die Nase stellen, esse ich es einfach. Auch, weil ich es super finde, dass mal jemand anders für mich gekocht hat! (mehr …)

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Sorgen und Irrsinn – vom Coolkid zur Panik-Mama

Kinder bringen neben Sonne und Freude auch Sorgen und Ängste mit in dein Leben. Kinder verändern alles. Peng. Diese paar Worte sind so abgenutzt und floskelhaft, dass sie kaum noch jemand hören kann oder will. Aber WIE sehr sie dein Leben verändern, wird dir oft erst klar, wenn du dich heute mit dir damals, mit dir VOR Kindern vergleichst. Heute wurden mir wieder ein paar Dinge bewusst, während ich eigentlich nur von A nach B fahren wollte…

"Sorgen und Freude"Wie ich früher war

Früher, mit 18, fuhr ich hin und wieder ohne Sicherheitsgurt. Ich hatte gerade den Führerschein fürs Auto gemacht und fühlte mich unverwundbar, frei und erwachsen. Was sollte schon passieren? Der Gurt drückte und wenn man sich mit Auto schon cool fühlte, fühlte ich mich ohne Gurt noch viel cooler…

Früher, mit 19, war ich voller Mut und Sorglosigkeit. Ich machte heimlich den Motorrad-Führerschein, brauste davor und währenddessen als Sozius mit Freunden auf schnellen Maschinen mit 200kmh über die Autobahn und dachte immer nur „WENN ich mal sterben muss, dann jetzt, hier, mit dem Wind im Gesicht“. Und schlimm genug, dass ich solch dämliche Gedanken hatte – ich teilte sie auch mit meiner panischen Mutter… (mehr …)

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Woanders übernachten – Abenteuer oder Albtraum?

Woanders zu übernachten als im eigenen Bett ist für viele Kinder eine spannende und aufregende, oft aber auch eine nicht zu meisternde Herausforderung. Es gibt Kinder, die quasi mit dem Rucksack auf dem Rücken geborgen wurden und voller Abenteuerlust jede Gelegenheit nutzen wollen, wohingegen andere Kinder schon Bauch- und Heimweh bekommen, wenn sie nur daran denken! Für Eltern ist das oft eine Problematik, der sie hilflos und unsicher gegenüberstehen und nicht recht wissen, wie sie damit umgehen sollen.

Übernachten
pixabay.de

Hilfe, mein Kind schläft nur zu Hause!

Diesen Satz hat sich meine eigene Mutter sicher mehr als nur einmal gedacht. Vielleicht sogar mehrmals laut ausgesprochen – und ganz sicher hätte sie es verbloggt, hätte es damals schon Internet und Blogs gegeben. Denn ich war so ein Kind. Ein Heimschläfer. Ein Angsthäschen. Ein Panikkind. Ich schlief nirgends. Nicht bei meinen Großeltern, nicht bei meinen Tanten und Onkels (obwohl meine gleichaltrigen Cousinen wie Schwestern waren) und schon gar nicht bei Freundinnen. Nur bei meinem Vater schlief ich, wenn ich ihn besuchte. Meine Mutter war alleinerziehend und musste so quasi IMMER zu Hause sein. Ich schaffte es einfach nicht. Ich hatte einen schlimmen, alle anderen Gefühle überdeckenden, quälenden Klumpen in meiner Magengegend, der immer größer wurde, je näher der Zeitpunkt des Ins-Bett-Gehens rückte. Ich habe es oft versucht. Ich WOLLTE es sogar. Aber ich KONNTE es einfach nicht. Das Ende vom Lied war ein untröstliches Kind und eine Mutter, die es regelmäßig mitten in der Nacht abholte. (mehr …)

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