Die Gelassenheit der Mutter, die ich gerne wäre

Immer wieder ertappe ich mich am Abend dabei, wie ich die letzten Stunden an meinem inneren, mütterlich-kritischen Auge vorbeiziehen lasse und mir sagen muss „Du blöde Nuss, das war ja wieder eine Glanzleistung!“. Dann schleiche ich mich ins gemeinsame Kinderzimmer meiner Töchter, sehe ihnen in ihre wunderschönen, schlafenden Gesichter und höre ihren gleichmäßigen Atem. Das sind die Augenblicke, die jeder von uns kennt. Die Momente, in denen das Mutter- und Vaterherz vor Liebe fast platzt und in denen wir uns schwören, am nächsten Tag für diese wundervollen Wesen alles besser zu machen, bessere Mamas und Papas und bessere Wegbegleiter zu werden…

Gelassenheit_Kindheit_Glücklichsein

Gelassenheit und Coolness – Fremdwörter für mich

… und dann bricht ein neuer Tag an. Ein Tag, an dem das im August 4 Jahre alt werdende Trotzkind sich weder anziehen, noch waschen oder bürsten lassen will und sich schon auf den Boden wirft, bevor man sich pädagogisch wertvoll auf Augenhöhe begeben und die Angelegenheit von Mann zu Mann klären kann.

Ein Tag, an dem die 7 Jahre alte Grundschülerin trödelt und aus dem Fenster starrt, während sie sich dringend beeilen und für die Schule fertigmachen sollte.

Ein Tag, an dem beide Kinder sich ständig um alles zoffen und bestreiten müssen und mit nichts zufrieden sein wollen.

Ein Tag, an dem mal wieder das ganze Badezimmer unter Wasser steht, obwohl ich jedes einzelne Mal vorher ansage, dass NICHT GEPADDELT ODER GESPRITZT ODER MIT DEN BEINEN GEWEDELT wird.

Ein Tag, an dem keine der beiden jungen Damen auf das hören will, was ich sage und einfach vorlaufen, trödeln, laut sind, rennen, zu langsam gehen, wie sie wollen.

Warum schimpfe ich nur so viel?

… und dann vergesse ich wieder die schlafenden, wundervollen Wesen vom Vorabend. Und ich meckere und schimpfe und bin genervt und verbiete und diskutiere. Und ich erwarte so viel. Zu viel. Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich Verbote oder „Befehle“ nur ausspreche, um zu testen, ob sie eingehalten werden. Wisst ihr, was ich meine? Es ist im Grunde doch vollkommen egal, wer beim Spazierengehen wo läuft. Es ist auch total irrelevant, ob das Badezimmer vollgespritzt wird. Im Grunde weiß ich doch, dass das Trotzkind trotzt und nicht weniger bockig wird, je mehr ich dabei auch noch meckere. Im Grunde ist mir total klar, dass das Schulkind nicht schneller und weniger träumerisch wird, wenn ich sie mit Schimpftiraden unter Druck setze. Und schon gar nicht wirkt sich meine permanente und genervt-passiv-aggressive Einmischung in den Schwestern-Streit auf das tatsächlich aktuelle Problem der beiden Mädels positiv aus.

Das weiß ich doch alles. Warum kann ich es dann nicht einfach lassen? Warum kann ich nicht eine dieser Mütter sein, die gelassen ist? Die ruhig bleibt, den lieben Gott einen guten Mann und Fünfe gerade sein lässt? Warum kann ich mir das immer nur vornehmen, es aber nie ausführen?

Und da komme ich wieder zum Anfang. Weil ich eine blöde Nuss bin. Ein Tyrann. Eine gestresste Person, die es schafft, aus Nichtigkeiten Ärger und aus Belanglosigkeiten Diskussionspotential zu erschaffen. Doch in diesen vielen kleinen, alltäglichen Situationen und Momenten denke ich einfach nicht nach. Ich handele einfach nach meiner aktuellen Stimmungslage. Und ich weiß nicht einmal, warum das so ist. Ich beobachte mich manchmal von außen und denke darüber nach, ob eine 36 Jahre alte Frau nicht weniger impulsiv und spontan sein müsste. Weniger emotionsgeleitet und weniger angespannt. Warum bin ich so? Warum mache ich mir und meiner Umwelt diese Art Stress noch zusätzlich? An dieser Stelle muss ich anführen, dass ich meinen Namen, den auch die kleine Seite hier trägt, ja nicht ohne Grund von der Maus aufgedrückt bekam. Grummelmama. Stressmama. Meckermama. All diese Namen hätte ich verdient. HABE ich verdient. Ganz offentlichsichtlich.

Experiment: Aus Grummelmama wird Relaxmama

Ich möchte ein Experiment wagen. Ich möchte in den nächsten Tagen loslassen und reflektieren, bevor ich verbiete oder befehle. Bevor ich zu streng und unnötig gestesst bin. Ich möchte die Gelassenheit der Mutter, die ich gerne wäre, aus- und anprobieren und sehen, ob sie mir passt. Mir steht. Und ob ich vielleicht in kleinen Schritten mit mir selbst an meiner Seite, die ich mich von außen beobachte, einen besseren, weniger genervten Weg durch den Tag mit meinen zwei wundervollen Wesen finde. Vielleicht ist es jetzt in meinem hohen und weisen Alter an der Zeit, meine pubertären Verhaltensweisen endlich abzulegen und mich etwas reifer zu benehmen. Denn bald kommt der Tag, an dem mir Maus und Mäuschen an Reife und Gelassenheit weit überlegen sein werden – und ICH will nicht der Part sein, der sich im Supermarkt auf den Boden wirft oder beim Bäcker heulend ausrastet, während meine Kinder peinlich berührt neben mir stehen und so tun, als ginge sie das alles nichts an und fremde Menschen mit Sätzen wie „Sie ist nur müde…“ abspeisen müssen. So weit wollen wir es doch lieber nicht kommen lassen…

Drückt mir die Daumen. Ich werde berichten.

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Interview: Wenn man sich gegen das Eltern-Sein entscheidet

Auf Eltern-Blogs kommen ja generell nur die Menschen zu Wort, die eben genau das sind: Eltern. Wir sind Mütter und Väter mit Söhnen und Töchtern – die eben über das schreiben, was sie als Mütter und Väter von Söhnen und Töchtern so bewegt. Ich will heute aber mal eine Nicht-Mutter zu Wort kommen lassen. Eine Frau, die weder einen Sohn noch eine Tochter hat; oder haben will. Sie ist keine Mutter, aber sie ist beste Freundin, Kollegin oder Cousine von Müttern und Vätern – und Patentante meiner kleinen Tochter. Sie gibt sich übrigens selbst den Titel „Nullipara“, was ich großartig und sehr kreativ finde 😉 Also: Kinder oder nicht? Und warum Freundschaften zwischen Nicht-Eltern und Eltern sehr wohl klappen können!

Street_without_childrenGRUMMELMAMA: Du gehst auf die 40 zu und hast keine Kinder. Warum nicht?

PETRA: Erst ergab es sich nicht und jetzt will ich nicht mehr. Von 2003 bis 2008 hatte ich einen Freund, mit dem ich mir Kinder hätte vorstellen können, aber da war ich erst am Anfang meines richtigen Arbeitslebens und er wollte unbedingt auf Weltreise. Wir trennten uns, er fuhr los und kam nie wieder. Danach wurde es bei mir männertechnisch etwas wild, bis ich 2013 meinen jetzigen Freund kennengelernte. Zu ihm sagte ich von Anfang an „Wir müssen uns schnell klar werden, ob wir Kinder wollen oder nicht. Fünf Jahre warten, bis man loslegt, geht mit mir nicht mehr.“ Da hatte ich schon Paare im Bekanntenkreis, bei denen es auf natürlichem Wege nicht klappte, und das erste Kind mit 40+ wollte ich auf keinen Fall. (mehr …)

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Unsere Kinder, unsere Entscheidung – Ein Plädoyer gegen das Einmischen

Wisst ihr, worauf die Betonung in „Unsere Kinder“ liegt? Auf „Unsere“, zumindest in den meisten Fällen. Warum ich das extra erwähne? Weil viele und leider immer mehr Menschen das zur Zeit vergessen. Und ich meine jetzt nicht in meinem direkten Umfeld, ich meine auch in eurem Umfeld, in dem von Medien und Autoren, von Pädagogen und Verwandten. Es ärgert mich maßlos, was ich in den letzten Monaten und Jahren so alles las und hörte.

IMG_1264Ihr glaubt, alles besser zu wissen

Ihr glaubt, dass wir unseren Kindern zu wenig zutrauen, weil wir sie mit 5,6 oder 7 nicht alleine zum Einkaufen oder auf den Spielplatz lassen?

Ihr glaubt, dass wir Helikoptereltern sind, weil wir sie (noch) nicht loslassen oder ins kalte Wasser werfen wollen?

Ihr glaubt, dass wir sie verhätscheln und in Watte packen und zu Weicheiern und Mama-Söhnchen und -Töchtern erziehen?

Ihr glaubt, dass wir viel zu viel Trara um alles machen und sie zu oft in den Mittelpunkt rücken?

Ihr glaubt, dass wir zu empfindlich sind und in unserer Sorge übertreiben?

Ihr glaubt, dass wir zu viele Entscheidungen von den Befindlichkeiten unserer Kinder abhängig machen?

Ihr glaubt, UNSERE Kinder besser zu kennen als wir? (mehr …)

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Sag mal, wie ist es, Mutter zu sein?

Viele Freundinnen haben mich in den letzten Jahren gefragt, wie es eigentlich ist, Kinder zu haben. Diese kleine und doch so unglaublich große Frage ist es, die uns Frauen, Mädels, aber auch Männer und Jungs wahrscheinlich schon sehr lange interessiert. Bis zu dem Tag, an dem wir unser erstes kleines Wunder in den Armen halten können.

IMG_1036Wie ist es Kinder, zu haben?

Die Frage lässt sich schwer beantworten. Was soll man sagen? Schön? Anstrengend? Ermüdend? Aufregend? Spannend? Wundervoll? Mit einem Wort ist es ganz sicher nicht getan. Aber auch mit Sätzen ist es nicht leicht, eine Antwort zu formulieren… Ich versuche es gerne mit Gefühlen. Mit Vergleichen aus dem Emotions-Schatz, auf den man selbst als Noch-Nicht-Mama-Papa zurückgreifen kann.

Wisst ihr noch wie es war, wenn ihr zwischen Mama und Papa im Elternbett gelegen habt? Wisst ihr noch, wie es war, ihren Duft einzuatmen, die Nase tief ins Kissen zu drücken und zu wissen, ihr seid zu Hause? Wie ihr mit dem Gefühl des perfekten Momentes einfach wusstet, dass alles gut wird und ihr nie alleine sein müsst?

Wisst ihr noch, wie es war, wenn ihr einen wunderschönen Tag mit der besten Freundin oder dem besten Freund verbracht habt und ihr Arm in Arm, lachend und scherzend, nach Hause gelaufen seid? Und ihr einfach wusstet, dass ihr für immer beste Freunde sein würdet, komme was wolle? (mehr …)

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Wie zwei streitende Schwestern zu Freundinnen wurden

Einer meiner beliebtesten Artikel ist wohl Ich liebe meine Kinder – aber ich kann sie grad nicht leiden. Von kaum einem anderen Text habt ihr euch so angesprochen gefühlt wie von diesem! Und weil mich immer mal wieder ein verzweifelter Hilferuf oder eigene, kleine Geschichten dazu erreichen, wollte ich heute einfach mal ein Update dazu geben. Wie sieht es heute aus im Hause Grummel? Wie sieht der Alltag aus mit Maus und Mäuschen?

Die Maus wird nächste Woche unglaublicherweise schon 7 Jahre alt. Die Zeit rennt vor mir her und macht mir mein eigenes Alter immer stärker deutlich. Der alte Artikel ist ziemlich genau ein Jahr her. Und meine Kinder dementsprechend ein Jahr älter. Ein Jahr weiser. Ein Jahr reifer. Jaja, nicht übertreiben, ich weiß! Aber vieles hat sich geändert. Dass beide gerade eine recht alberne Phase haben, habt ihr die Tage ja hier auf dem Blog lesen dürfen. Aber das ist ja nichts, was jetzt wirklich tragisch wäre. Im gemeinsamen Spiel haben die Mädchen wirklich gut zusammengefunden. So richtig vereint hat sie glaube ich diese eine langweilige restliche Ferienwoche, die durch Schmuddelwetter und Nachweihnachtsstress sehr öde und wohnungslastig verlief. Und als ich so da saß mit Kaffee und Zeitung (ja gut, es war keine Zeitung, es war mein Handy), fiel mir auf, dass die Kinder spielen. Zusammen. In ihrem Zimmer. Einfach so gemeinsam. Ohne zu streiten, ohne zu schreien, ohne Geheule. Und in diesen Ferien passierte, was sonst eher schwierig war: Sie wuchsen zusammen und spielten auf Augenhöhe. (mehr …)

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