Eltern und Kinder ·Erziehung

Das weinende Mama-Herz und der Abschied vom Kindergarten

Ich bin schon seit letzten Herbst irgendwie traurig. Und mit dem ersten Tag des neuen Jahres kam dann zu dieser Traurigkeit auch noch eine latente Übelkeit dazu, wie wenn man auf etwas wartet, das zu erledigen kein Spaß werden wird. Und heute wollte ich diese Gefühle mal in Worte fassen. Auch auf die Gefahr hin, dass ich den 1000sten Artikel in dieser Art verfasse oder mich lächerlich mache.

Kindergarten
by pixabay.com

 

Gefühle und Abschied

Meine Große kommt dieses Jahr in die 4. Klasse. Das ist heftig, wo doch gefühlt die Einschulung kaum ein paar Wochen her ist. Bisher war das aber alles irgendwie okay, denn ich hatte ja noch die Kleine. Mein Baby. Das kleine Mäuschen, das noch den unbeschwerten Kindergartenalltag genießen und erleben durfte – und ich mit ihr. Aber seit letztem Herbst hat sich das geändert. Alles, was im Kindergarten gefeiert wurde und wird, geschah und geschieht nun zum letzten Mal für sie. Für mich. Und schon während ich diese Zeilen tippe, laufen Tränen über meine Wangen.

Letzte Male, die ich nicht genießen kann

Gerade habe ich die Ferientermine für 2018 eingetragen und das Gefühl von Angst und Verlust, das ich bisher nicht richtig benennen konnte, wurde immer schlimmer. Und jetzt weiß ich es. Ich habe das Gefühl, dass mir das letzte Stück Kindheit meiner Kinder durch die Fingern rinnt und ich kann nichts tun, um das aufzuhalten. Nichts machen, um die Zeit anzuhalten. Ich will laut rufen, dass ich noch nicht soweit bin, dass ich das nicht will, dass ich ein paar Jahre zurückgehen möchte. Aber egal, wie laut ich rufen und brüllen würde, es würde nicht helfen. Fasching, Ostern, Pfingsten – und dann kommen die Sommerferien. DIE Sommerferien, aus denen meine Kleine, mein Baby, mein kleines Mäuschen nicht als Kindergarten-, sondern als Schulkind zurückkehren wird.

Das Mamaherz kann nicht klar denken

Ich weiß, dass meine Kinder doch erst 5 und 8 Jahre alt sind. Dass sie noch eine ganze Weile meine (nicht mehr ganz so) kleinen Mädchen sein werden und dass es Unsinn ist zu fühlen, dass nach dem Sommer alles vorbei ist. Aber ich kann nichts gegen dieses Gefühl machen. So gern ich würde. Als die Große eingeschult wurde, war alles neu für uns als Familie. Ich wusste nicht, was Schule heute bedeutet, wie es werden, was ich fühlen würde. Aber heute weiß ich, dass die Unbeschwertheit, die Sorglosigkeit, die Träumereien und Spielereien vorbei sind. Ich weiß, wie sich meine kleine große Tochter im ersten Schuljahr verändert hat und dass 2,5 Schuljahre wie im Flug vergangen sind. Und dann sehe ich mein kleines Mäuschen an, das zur Einschulung gerade erst 6 Jahre alt werden wird und so sehr sie sich mit ihren Vorschul-Freunden darauf freut und auf diesen Tag im September mit ihnen hinfiebert – mir bricht es das Herz.

Vom Zurückstellen und Schulreif-Sein

„Warum lässt du sie nicht zurückstellen?“ fragen mich auf meine Traurigkeit hin einige Freundinnen. Noch ein Jahr im Kindergarten wäre doch nicht schlimm. Und nein, das wäre nicht schlimm, im Gegenteil – wie ich hier ja schon vor längerer Zeit von Herzen bloggte. Aber für wen würde ich das tun? Für meine Tochter, die vom Schulamt als „sowas von schulreif“ bezeichnet wurde und die ja mit ihrem August-Geburtstag kein Kann-Kind ist (leider…)? Oder würde ich das nur aus purem Egoismus tun, weil ich nicht loslassen kann? Und würde es ein Jahr später auch nur eine Spur leichter für mich sein? Nein. Sie zurückstellen zu lassen, obwohl alles, aber auch ALLES dagegen spricht und ich beim Schulamt kein einziges Argument für meinen Antrag hätte außer meiner weinenden Mama-Seele, wäre einfach nur komplett unnötig und daneben. Hätte ich nur den geringsten Zweifel daran, dass es für SIE nicht das einzig Sinnvolle ist, hätte ich schon den STOPP-Knopf gedrückt. Aber es ist okay. Für sie. Nicht für mich. Aber auch das ist Mama-Sein.

***

Es tut gut, diese Dinge zu Papier zu bringen. Die Worte aus meinem Kopf zu kriegen, sie „laut“ auszusprechen. Für euch klingt das alles vielleicht profan, übertrieben oder vielleicht denkt ihr auch, aha, geht das nicht irgendwie jedem so? Aber mir tut es ganz tief im Herzen unglaublich weh. Das Gefühl, keine kleinen Kinder mehr zu haben, keine sorgenfreien Mädchen mehr sehen zu dürfen, nie mehr an heißen Sommertagen zu schwänzen und in den Tag zu leben mit Freibad und Eis. Ein Stück Mama-Sein geht hier vorbei. Und auch wenn ich das nicht möchte, die Zeit doch genießen und mich nicht von diesen Gedanken fertigmachen lassen wollte, sitze ich jetzt hier, weine laut und versuche, dieses Artikel mit einem wertvollen, erkenntnisreichen Satz zu beenden. Aber das ist es wohl, was mir so unglaublich schwerfällt. Dinge enden zu lassen…

 

 

6 Gedanken zu „Das weinende Mama-Herz und der Abschied vom Kindergarten

  1. 1:1 kann ich Deinen Beitrag teilen, liebe Katja. Auch bei uns wird im Sommer die Kindergartenzeit vorbei sein. Und die beiden Herzensfreunde meiner Tochter kommen auf andere Schulen, vermutlich. Ich bin dafür nicht bereit.
    Und doch, auch dieser Schritt wird uns auch vieles Schönes bringen. Bestimmt.
    Liebe Grüße
    Svenja

    1. Vielen Dank, liebe Svenja. Ja sicher wird es auch viel Schönes bringen. Das erste Jahr für meine Kleine wird auch ihre große Schwester auf derselben Schule sein, bevor sie dann in die 5. Klasse kommt (woran ich auch noch nicht denken darf…). Ich denke, bereit sein für das Neue ist generell das schwerste für die meisten Eltern… Alles Gute euch auch!!!

  2. Oh ja. (( ))
    Ich kann mir in Ansätzen vorstellen, wie du dich fühlst.
    Was weinte ich darüber, als ich mein drei Tage altes, drittes Baby im Arm hielt darüber, dass sie auch bald groß wird. Die Zeit rennt und es ist nicht fair, dass man viele schöne erste Male schon erlebt hat und manche so prompt enden.
    Aber die Kinder entwickeln sich, sie erleben, entdecken und wachsen, nicht nur körperlich.
    Das sollte man sich anschauen, wenn einem wieder elend zumute ist, weil die Babys plötzlich groß sind. <3
    Tränen sind ok.
    Sie zurückstellen lassen aus diesem Grund finde ich nicht ok. Der Vorschlag allein ist für mich unvorstellbar.
    Halte die schönen Baby- und Kleinkindmomente fest. <3
    Liebe Grüße
    Sarah

    1. Hallo Sarah!
      Danke für deine Worte <3 Und nein, zurückstellen geht gar nicht. Das ist Unsinn und das weiß ich auch. Würde ich nur für mich tun und kommt und kam auch keine Sekunde in Frage. Und du hast ja auch so recht, man hat so viel schönes, auf das mal blicken (nicht nur zurück!) kann, aber manchmal überwiegt dieses schwere Gefühl. Ich schaffe es sicher, diese Gefühlslage umzudrehen und das beste daraus zu machen. Drüber schreiben hilft auch schon immer... Liebe Grüße und danke!

  3. Ich stehe erst in einem Jahr da, wo du jetzt stehst, denke aber auch sehr oft daran, wie schnell die Zeit vergeht und was alles unwiederbringlich vorbei ist.

    Wie schwer mir das Abstillen beim zweiten Kind gefallen ist (und wie leicht dagegen dem Kind), wie schwer der Abschied von rausgewachsenen Anzieh- und Lieblingsspielsachen, von den lustigen Wörtern, wenn die Kinder sie plötzlich „Boote“ sagen und nicht mehr „Bööte“.

    Und gleichzeitig ist da auch immer eine Freude am Wachsen und größer werden sehen. Ich sage mir: Es gehört dazu. Abschiede gehören dazu.

    Ich lege Fotoalben an, schreibe Anekdoten rein, schneide Videos, halte es so fest und gucke mir das Ganze mit den Kindern an. Freue mich mit ihnen darüber, wie süß und pausbäckig sie mal waren.

    Und ich glaube, wenn man zurück sieht und da so viel Glück ist, und man das Beste gemacht hat, aus diesen Kinderjahren, zu was für wundervollen Menschen das geführt hat, dann ist es OK. Nicht leicht, aber OK. Für mich.

    Ich hoffe für dich auch, bald.

    1. Abschiede gehören dazu. Ja, da hast du Recht. Was wäre eine Kinderheit ohne? Ohne Abschied vom ersten Strampler, vom Babywagen, vom Brei, vom Stillen… Aber beim letzten Kind ist das eben auch ein Abschied für immer für mich als Mama. Und ganz oft kann ich das Positive sehen. Aber im Augenblick fällt mir das schwer und das Ansehen von alten Videos und Bildern tut mir weh. Und ich komme mir doof vor, weil ich da so ein Drama draus mache, obwohl es keines ist… Aber ich möchte auch das Beste draus machen, aus der Zeit, die ich mit den Mädels habe. Immer. Vielen Dank für deine Antwort <3

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