Blogparaden ·Eltern und Kinder

Blog-Parade: Eltern werden – Paar bleiben

Ich sah vorhin, dass Top-Elternblogs eine Blogparade zum Thema Eltern werden – Paar bleiben laufen hat und da wollte ich unbedingt noch mitmachen und hoffe, ich bin nicht zu spät dran. Ich habe extra noch keine anderen Beiträge dazu gelesen, weil ich unvoreingenommen in das Thema starten wollte. Und hiermit tue ich das.

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Die Maus war ein geplantes Wunschkind. Ich sage das jetzt nicht, weil das irgendwie besser ist, als ein ungeplantes Kind zu erwarten oder so – nein. Ich sage das, weil man als Paar anders in alles starten kann.
Mein Mann und ich waren 9 Jahre ein Paar, bevor unsere kleine Tochter zu Welt kam. Neun Jahre hatten wir nur für uns. Machten, was wir wollten und wann wir es wollten. Hatten Spaß, machten Partys mit unseren Freunden, genossen das Studenten- und Paarleben in vollen Zügen. Wir fuhren in Urlaub. Wir machten lange Zeit die Nacht zum Tag und umgekehrt. Wir hatten genug Zeit, um uns als Paar kennenzulernen, um unsere Beziehung zu festigen alles zu machen, was man als Paar in unserem Alter so macht. Und ich muss sagen, dass ich sehr, sehr froh und dankbar für diese Zeit zu zweit bin. Diese langen Jahre waren vielleicht der Grund dafür, dass ich keine Angst vor dem hatte, was kommen würde oder könnte. Und dann war es irgendwann soweit: Irgendwie waren wir bereit, vom Paar zur kleinen Familie zu werden. Oder besser gesagt, ALS Paar zur kleinen Familie. Und ehrlich gesagt: Ich stellte mir das Elternsein GAR NICHT vor. Ich stellte mir höchstens das Babyhaben oder das Muttersein vor. Ich stellte mir vor, wie ein Baby in diesem Bettchen liegen würde. Ich stellte mir vor, wie ich den Kinderwagen schieben und diese niedlichen, kleinen Klamotten anziehen würde. Ich stellte mir vor, wie mein Mann mit dem kleinen Bündel auf dem Sofa liegen würde, während ich was-auch-immer machte. Ich stellte mir vor, wie das Baby riechen, aussehen, klingen würde…
Und dann kam der Moment, der unser Leben veränderte. Der Moment, in dem unsere kleine Tochter zur Welt kam und wir sie zum ersten Mal in den Armen hielten. Zum ersten Mal merkten wir, so, wir sind jetzt zu dritt, eine echte Familie! Dieser Augenblick im Kreißsaal ist wohl der schönste Moment in meinem ganzen Leben gewesen. Ich will ihn gar nicht beschreiben. Ich lasse das einfach so stehen. Ich stellte mir auch zu diesem Zeitpunkt noch nichts vor. Es war, wie es war. Perfekt.

Als wir dann zu Hause waren und die ersten Wochen und Monaten als Eltern ins Land zogen, änderte sich natürlich sehr viel im Vergleich zu vorher. Wir konnten nicht mehr tun, was wir wollten – und schon gar nicht, WANN wir es wollten. Alles drehte sich um die Kleine. Ich hatte Stillprobleme, Wochenfluss, viel zu viele Kilos auf den Rippen, Heultage… Aber wir entfernten uns als Paar nicht voneinander. Im Gegenteil. Wir rückten viel enger zusammen, als es schon vorher der Fall gewesen war. Nach 9 Jahren zusammen hatte man sich schon einen Alltag angewöhnt, im dem man nicht mehr alles zusammen machte und sich auch oft zurückzog. Mit dem Elternwerden änderte sich das wieder und wir machten wieder so viel gemeinsam. Zu dritt. Ich fand das wunderschön. Und ich merkte, man liebt plötzlich nicht mehr nur den Mann, den man schon so lange kennt, man liebt den Vater dieses kleinen Wesens. UNSERES kleinen Wesens. Ein Mann wird zum Vater und das sieht man als Frau auch mit anderen Augen. Man entdeckt Seiten an jemandem, die man vorher nicht sah. Oder die es vorher nicht gab. Und all das, was andere vielleicht als schwierig oder negativ empfinden, war für mich überhaupt kein Problem. Ich wusste einfach, dass sich weder mein Mann noch ich zurückgesetzt fühlten. Ich wusste, dass er immer hinter mir stand und keine Probleme mit all dem hatte, was gerade passierte. Ich kann das schlecht beschreiben, aber es war einfach alles in bester Ordnung.

Auch mit der Geburt unserer zweiten Tochter änderte sich das nicht. Wieder schweißte uns das enger zusammen. Und ich muss sagen, ich finde es schade, wenn Paare das Gefühl haben, mit der Geburt ihrer Kinder nur noch Eltern zu sein und das Paar-Sein verloren zu haben. Man ist „Eltern“ für die Kinder. Sicher. Aber man bleibt parallel noch ein Paar. Man ist immer noch das, was man vor der Geburt der Kinder war. Aber ja, man muss sich bemühen. Und daran sollte man immer arbeiten – egal ob mit oder ohne Kinder. Denn Kinder können das Leben und den Alltag auf den Kopf stellen, alles umkrempeln und ändern, aber sie drängen sich ja nicht ZWISCHEN zwei Menschen, sie erweitern sie nur. Was ich nicht so erwartet hätte? Dass einen Kinder noch enger zusammenbringen können, als es schon vorher war. Ich hatte eher Angst vor dem Gegenteil. Wenn überhaupt. Ich glaube, ich zweifelte einfach nie daran, dass uns ein Kind einfach nur „erweitern“ statt „entzweien“ würde. Wenn man plötzlich bemerkt, dass man nun nicht mehr nur Mann und Frau, Freund und Freundin ist, sondern man wirklich ein gemeinsames, kleines Menschlein hat, das ein Stück von beiden ist, dann haut einen das schon ganz schön um. DAS hätte ich nicht so erwartet. Wie sehr es einen umhauen kann. Und ich glaube, dieses „Umhauen“ ist auch das, was das Schönste am Elternwerden war  und genau DAS ist auch etwas, was einem niemand vorher sagen kann.

 

7 Gedanken zu „Blog-Parade: Eltern werden – Paar bleiben

  1. “ Denn Kinder können das Leben und den Alltag auf den Kopf stellen, alles umkrempeln und ändern, aber sie drängen sich ja nicht ZWISCHEN zwei Menschen, sie erweitern sie nur. “ Sehr schön und treffend formuliert! Ihr zählt wohl zu den wenigen Ausnahmen, die keine Probleme haben, sich nach der Geburt mit ihren neuen Rollen zu arrangieren und in diesen neu zusammenzufinden. Wunderschön zu lesen, dass es das auch gibt 🙂 Weiter so!

    1. Vielleicht sind wir Ausnahmen. Ja. Und ich weiß das von ganzem Herzen zu schätzen und bin dafür jeden Tag dankbar. Ich bin nämlich Scheidungskind und weiß, dass das alles auch ganz anders laufen kann. Danke für deinen lieben Kommentar 🙂

  2. Seufz, was für ein schöner Beitrag – ich danke dir.
    Mir fällt auch spontan eine Anmerkung ein zu deiner „These“, dass man parallel zum Elternsein Paar bleiben kann: Vielleicht ist genau das der Knackpunkt, an dem einige Beziehungen doch scheitern?! -Dass sie es eben nicht können. Wenn ich da an meine Großeltern denke, die sich bis zum heutigen Tage noch gegenseitig „Mutti“ und „Vati“ rufen… (und sich auch dementsprechend verhalten).
    Einmal den Elternmodus betreten und nie wieder aus dem Level herausgefunden…
    Nun ja, aber das muss ja nicht alle treffen 😉
    Man spielt halt viele Rollen, Mutter- und Vatersein ist nur eine im Leben.
    LG Anne!!!

    1. Danke schön 🙂 Es war toll, dass ich noch mitmachen konnte, ein tolles Thema!
      Ja, ich glaube schon, dass das viele eben nicht können. Aber diese „Rollen“, die man spielt, muss man eben unterscheiden können. Ich bin immer ich. Und Mutter. Und Frau. Und Freundin. Und so ist es auch als Paar. Und das muss man sich bewahren können. Dann ist alles ganz einfach irgendwie. Aber natürlich muss man das Glück haben, dass das beide können. Und dafür bin ich sehr, sehr, sehr dankbar!

      Liebe Grüße!!!

  3. „Wenn man plötzlich bemerkt, dass man nun nicht mehr nur Mann und Frau, Freund und Freundin ist, sondern man wirklich ein gemeinsames, kleines Menschlein hat, das ein Stück von beiden ist, dann haut einen das schon ganz schön um“
    Wow. Bei diesen Zeilen sind mir die Tränen gekommen. Wie recht du damit hast. Auch wenn ein Kind den Alltag stressiger, unbequemer und anstrengender macht: Es ist ein Teil von beiden Partnern und somit das stärkste Verbindungsband, das es gibt. Nichts schweißt so sehr zusammen wie ein gemeinsames Kind – weder ein selbstgebautes Haus, noch ein Ring, noch sonstige Versprechungen und Schwüre.

  4. Danke für diesen schönen Artikel <3. Mir ging es ähnlich wie Dir: Ich hatte genügend Zeit, um meinen Mann auch ohne Kinder zu "geniessen". Wir haben nichts verpasst und viel erlebt, bevor es ruhig um uns wurde. Und war aber auch schon sehr bald klar, dass wir "irgendwann mal" Kinder haben wollen. Ich habe eine Freundin, deren grosse Liebe eben keine Kinder wollte und sie selber schon. Das war tough und ich habe mit ihr mitgelitten. Sie ist trotzdem bei ihm geblieben, und am Ende haben sie ein Kind gekriegt. Aber zu welchem Preis? Ich denke, es ist schon wichtig, dass beide Partner Kinder wollen, sonst wird es echt schwierig.
    Und: Das Eltern sein habe ich mir wie Du auch nicht vorgestellt, nur wie es sein würde, das Baby im Arm zu halten und es zu lieben. An die Elternschaft denkt man gar nicht ;-). Wie sollte man auch. Es ist grösser als man sich vorstellen kann. Ich bin so froh, habe ich meinen Mann an meiner Seite!

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