Blogparaden ·Eltern und Kinder

Blogparade: #wirsindanders – Panikattacken und andere Macken

Nicht über Panikattacken, wohl aber über ihre Sehbehinderung schrieb die wirklich tolle Mami anders  einen ehrlichen Artikel. Einen Artikel über das Anders-Sein. Sie erzählte von ihrem Alltag, der ihr wegen ihres Handicaps nicht immer leicht fällt und der auf andere vielleicht eben auch genauso wirkt, wie er ist. Anders. Hier könnt ihr den Text nachlesen, der mich sehr ansprach und der zu meinem Glück auch noch zu einer Blogparade aufrief!

#wirsindanders – jawohl!

 #wirsindanders mit Panikattacken
by mamianders.de

Ich bin mir fast sicher, dass es kaum Mütter oder Väter gibt, die sich als „normal“ bezeichnen würden, wenn sie ehrlich zu sich und anderen sind. Leider gibt es viele Dinge, über die man nicht spricht, die man nicht zugibt, die man selbst vielleicht gar nicht wahrhaben will. Zu dieser Sorte Mensch gehöre ich nicht, denn ich bin eine einzige große Baustelle – und weiß das auch. Ich bloggte schon darüber, ich spreche darüber und ich sage anderen, denen es ähnlich geht wie mir oft „Ja, kenne ich!“, weil ich weiß, dass über solche Sachen sprechen oft der erste Schritt zur Besserung ist. Darüber sprechen hilft immer. Finde ich.

Panikattacken und generalisierte Angststörung

Wie bei vielen psychischen Problemen hört man auch bei dieser Art „Ich hab auch oft Panik“ oder „Davor hat ja wohl jeder Angst“. Klar. Andere Menschen machen sich auch Sorgen und haben Angst vor gewissen Situationen. Aber Panikattacken-Leute wie ich sind da schon noch ein Stück problematischer. Ich will hier auch gar nicht mehr über die Sache an sich schreiben. Wen das interessiert, darf das gerne hier nachlesen. Hier will ich einfach beschreiben, wie anders man sich als Macken-Mama oft im Alltag mit seinen Kindern fühlt. Und wie schwer einem manche Dinge fallen, die für andere selbstverständlich sind.

  • Ich habe IMMER Angst, dass meine Kinder sterben könnten. Tod ist immer die für mein Hirn logische Konsequenz aus allem. Fieber, Husten, Klettergerüst-Unfälle, Hüpfburgen-Gehüpfe, alleine zur Schule laufen, Radfahren…. Aus ALLEM!
  • Ich habe Zeiten, in denen ich einfach nicht rausgehen mag, weil ich mich nicht gut fühle und weiß, dass ich mich nicht auf meine Kinder konzentrieren kann, weil ich mich zu sehr auf mich selbst konzentieren muss.
  • Mir fällt es unglaublich schwer zu telefonieren. Manchmal kann ich es gar nicht. Dann muss jemand Termine bei Ärzten oder Ämtern für mich ausmachen. Telefonieren ist mein Endgegner, weil ich die Mimik meines Gegenübers nicht sehen und somit nicht einschätzen kann.
  • Ich kann nie entspannt bei meinen Kindern sein, wenn wir draußen sind. Auf dem Spielplatz, im Schwimmbad, auf Kindergeburtstagen, im Garten, egal wo, ich bin immer in totaler Alarmbereitschaft. Gemütlich mit anderen Müttern danebensitzen und quatschen? Kann ich nicht.
  • Zusammen mit den Kindern aus meiner sicheren Umgebung weg zu müssen, macht mich unglaublich ängstlich und unsicher. Urlaubsfahrten oder Übernacht-Besuche sind für mich Horrorvorstellungen. Daher machen wir das leider sehr selten. Kranke Kinder zu haben und nicht in meiner Sicherheits-Blase zu sein, ist selbst mit einer mittlweile 4-Jährigen und einer fast 8-Jährigen noch verdammt schwer für mich.
  • Zusätzlich sind Autofahrten für mich sehr, sehr anstrengend. Übrigens auch für den Fahrer, denn selbst weitere Strecken fahren ist für mich nicht oft möglich und ich habe mir sagen lassen, dass es durchaus bessere Beifahrer gibt als mich. Ein ständiges „Wir werden alle sterben“-Gemurmel vom Beifahrersitz scheint nicht beruhigend auf den Fahrer zu sein…

Nicht die Angst ist anstrengend, sondern sie zu verbergen

Das waren jetzt nur ein paar kleine Beispiele aus meinem Panikattacken-und-Macken-Alltag. Die Liste ließe sich noch weiterführen, aber das würde den Rahmen hier definitiv sprengen. Der Witz ist ja, dass ich selbst für mich mit all dem Kram klarkommen würde. Aber da ich nicht möchte, dass meine Kinder ständig deutlich spüren, dass der normale Umgang mit ihnen ein permanenter Kampf für ihre Mutter ist, versuche ich all das zu verstecken. Nicht vor anderen Menschen. Das ist mir egal. Aber vor meinen Töchtern. Ich will nicht, dass sie wissen und wohlmöglich noch glauben, dass sie in ständiger Todesgefahr schweben. Dass ein Sturz von der Schaukel nicht nur ein aufgeschürftes Knie, sondern einen Genickbruch zur Folge haben könnte.  Ich will nicht, dass sie auch Angst davor haben, Dinge zu tun und auszuprobieren, sich zu entwickeln und loszulassen. Ich will nicht, dass sie wie ich Angst vor dem Tod als ständigen Begleiter haben. Und dieses Verstecken und Verstellen ist sehr anstrengend und gelingt nicht immer so, wie ich es mir wünschen würde.

Humor ist das beste Gegenmittel

Mittlerweile sind die Mäuse in einem Alter, in dem sie schon viel verstehen und nachvollziehen können. Sie wissen jetzt, dass ihre Mutter manchmal nicht alle Tassen im schiefhängenden Schrank hat und dass das nicht zu ihrem Nachteil sein soll. Zum Glück und leider haben sie es nicht anders kennengelernt und wundern sich bei mir über nichts mehr. Meine Große erinnert mich öfter mal daran, dass sie das und das doch kann und ich mir keine Sorgen machen muss. Und alles in allem habe ich das auch ganz gut hinbekommen, denn soooo unnormal sind meine Töchter bisher nicht geworden. Und damit die beiden die Chance haben, zu halbwegs alltagskompatiblen Menschen heranwachsen können, arbeite ich weiter daran, dass ich meinen Wahnsinn in kleinen Dosen auf Freunde und Familie verteile, damit jeder etwas davon hat und für meine Töchter nichts mehr übrigbleibt. Und so können die beiden vielleicht eines Tages telefonieren, Bücher lesend auf Spielplätzen sitzen und in Flugzeugen mit Mann und Maus weitentfernte Urlaubsziele bereisen. Und vielleicht schicken sie dann ihrer durchgeknallten Mutter auch mal die ein oder andere Postkarte und danken ihr, dass sie sie mit ihren Panikattacken und Irrheiten nicht komplett in den Wahnsinn getrieben haben, als sie noch klein waren…

Die Blogparade von mamianders.de geht übrigens noch bis zum 30. April! Wer also auch glaubt, dass er, warum auch immer, anders ist, hat noch genug Zeit für einen Text!

 

 

5 Gedanken zu „Blogparade: #wirsindanders – Panikattacken und andere Macken

  1. Liebe Grummelmama,
    da dachte ich schon, ich sei die einzige deren Endgegner das Telefonieren ist. Ich finde mich in deinem Text so sehr wieder und es tut so gut zu lesen, dass man nicht die einzige mit solchen „Problemen“ ist. Ich empfinde das Verbergen der Angst vor meiner Maus auch als sehr anstrengend… Und ich hoffe, dass ich das später mal, wenn sie älter sein wird genauso gut schaukeln werde wie du & einfach nur die durchgeknallte Mama für sie sein werde, ohne all meine Panik und Ängste auf sie projiziert zu haben ;).
    Ich schicke dir ganz liebe Grüße, Klaudia

    1. Liebe Klaudia!
      Verrückt, dass man nicht alleine mit all dem Mist ist! Traurig irgendwie, aber auch gut! Denn so kommt man sich nicht so alleine und komplett seltsam vor. Ich glaube, wir werden das schon ganz gut hinkriegen, weil wir wissen, dass wir durchgeknallt sind. Das hoffe ich zumindest immer! Aber es ist nicht leicht, so durch den Alltag zu gehen, der ja auch schon ohne so extrem zu sein, nicht immer leicht ist. Auf jeden Fall: Von Herzen danke, dass du mir geschrieben hast und mir das Gefühl gibst, nicht allein damit zu sein. Und ja… Das Telefon… Auch krass! Damit komme ich mir nämlich fast noch schräger vor als mit all dem anderen Kram 😀

      Liebste irre Grüße,
      Katja

  2. Liebe Katja,
    auch ich sehe meine Kinder schonmal gedanklich tot unterm Auto liegen. Kopfkino sollte abgeschafft werden. Was kann man dagegen machen? Seine Gedanken in eine andere Richtung lenken! Ich bin wahrscheinlich auch ein schlechter Beifahrer. „Fahr langsamer, fahr langsamer!“ Als ich Jugendliche war wollte ich zuerst keinen Führerschein machen, aber es ist dann ganz was anderes wenn man selbst hinter dem Steuer sitzt. Da hieß es dann nämlich „Langsamer! Langsamer!“ von meinem Fahrlehrer 😀 – Daher versuche ich als Beifahrerin garnicht so sehr auf den Verkehr zu schauen und mich daran zu erinnern, wie viele lange Autofahrten wir schon ohne Unfall überstanden haben. Wieviele Straßen meine Kinder schon super überquert haben und wieviele male ich das Fieberthermometer mit 40,.. in den Händen hielt und drei Tage später wieder alles normal war. Vertrauen ist gut, Kontrolle macht panisch, Panik überträgt sich auf diejenigen, die sich konzentrieren müssen. Beim Telefonieren hast du doch auch den Vorteil, dass man nur deine Stimme hört. Fläz dich einfach mal hin zum telefonieren in eine super bequeme Haltung, Hosenknopf auf und los…. Liebe Grüße, Ella

  3. Hallo Katja 🙂

    Wahnsinn ich dachte auch ich sein allein mit meinen Telefonzellengrossen Paketen die ich so mit mir rumschleppe.

    -> Angst davor das meiner Maus war passiert? Ständig und meistens auch in Situationen wo andere denken „hääää?“ Ich habe eine ausgeprägte Phantasie und das macht es echt schlimmer. Es tut echt gut zu lesen, das andere das auch haben. Auch wenn ich hoffte, das es besser wird wenn sie älter wird. ZB ist für mich zur Zeit absolute horrorvorstellug sie mit dem Laufrad an der Straße auf dem Bürgersteig fahren zu lassen. Vor meinem inneren Auge sehe ich wie ein Auto rücksichtslos ausparkt und sie ummäht oder sie auf die Straße rollt weil sie grade nicht aufpasst oder oder oder und ich kann dann warum auch immer nicht schnell genug sein. Wie machen das andere frage ich mich dann immer wieder, wenn mir solche Situationen Angst machen? Die lassen ihr Kind mit 19 Monaten schon 2 Meter vorausfahren. Für mich einfach unvorstellbar. Obwohl ich gemerkt habe, man wächst mit 🙂 also lasse ich sie erstmal da fahren wo keine Autos fahren und schau mal.

    -> geh mir weg mit telefonieren … Wech schieb es so lang auf wie nur möglich und wenn ich mich dann zwinge, habe ich währenddessen das Gefühl nicht ich selbst zu sein. Ich spreche dann auch ganz anderes. Ich werd nie das verdutze Gesicht meines Mannes vergessen als er Mich das erste mal telefonieren hörte. Er fragte danach nur „was war das?“ *lach*

    Bei mir kommt noch Nachtangst obendrauf *seufz* hat sich aber schon extrem gebessert. Auch durch meine Maus 🙂 denn auch ich möchte ihr das nicht zeigen, nicht so. Klar darf sie auch mal wissen das ich Angst habe, auch das ich mal Angst um sie habe. Aber von dieser Panik die mich ab und an überfällt nicht. Angst ist okay, gehört dazu, ist gesund im gewissen Maße. So habe ich nach und nach „gelernt“ das es doch nicht so schlimm ist im dunkeln.

    Ja auf dem Spielplatz denk ich mir auch oft, das man mir für verrückt hält, wenn ich meiner 2jährigen die Metalltreppe der Rutsche hinterhergehe um einfach für den Fall der Fälle da zu sein.

    Ich will nicht das sie das gleiche durch machen muss. Ich möchte, genau wie du, das sie unbeschwerter ans und ins Leben geht. Ja sie hält mich bestimmt jetzt schon oft für verrückt 😉 und ich finde zu jedem Menschen gehören Macken – positive wie negative (ist ja immer Ansichtssache). Und so wie wir unsere Kinder bedingungslos lieben, so lieben sie auch uns bedingungslos. Mit unseren Macken und Ängsten.

    Liebe solidarische Grüße
    Kathy

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