Blogparaden

Blogparade: Wozu denn Hebammen?

Ich, wie so viele andere Mütter, Schwangere, werdende oder seiende Väter, verfolgen in den letzten Tagen, Wochen und Monaten gespannt und traurig die Entscheidungen von Politik und Versicherungen zum Thema „freiberufliche Hebammen“ und sehen ihr Berufsfeld schwer bedroht und vollkommen an den Rand der Wichtigkeit gedrängt. Ich weiß gerade gar nicht, ob und wie viele andere Blogparaden zu diesem Thema derzeit kursieren, aber ich dachte mir, je mehr, desto besser – und desto ernster wird dieses Thema vielleicht auch von der Öffentlichkeit genommen.  

Ich möchte alle Teilnehmer bitten, eine Geschichte von sich und ihrer Hebamme zu erzählen, die uns zeigt, wie wichtig diese Frauen für uns in der Schwangerschaft und danach wirklich waren – und warum man sie und ihren Berufsstand dringend unterstützen sollte! Verlinkt mich einfach in eurem Beitrag und schreibt mir doch unter meinem Post hier euren Blog-Link zu eurer Paraden-Geschichte! Ich freue mich, wenn bis zum 15. März viele von euch mitmachen – und werde dann eine Auswertung der besten und schönsten Momente verfassen!

Ich selbst schrieb ja schon über meine Hebamme, hatte sogar ein Interview mit ihr zu ihrem Beruf und diesem Thema – wer möchte, kann es hier nachlesen. Und ich schrieb über das wichtige Thema des Stillens, was bei mir ja leider beide Male gehörig in die Hose ging. Und genau an diesem Still-Thema setzt meine Geschichte an. Nämlich an dem Nachmittag im August 2013, an dem ich bei 40°C Außentemperatur nach Tagen des Nicht-Klappens auf dem Sofa im Wohnzimmer saß…

…mit dem paar Tage alten Mäuschen auf dem Arm. Ich hatte nichts an außer einer kurzen Hose und meinem offenen Still-BH. Draußen war es so heiß, dass die Rollläden seit ihrer Geburt nur noch nach Sonnenuntergang hochgezogen werden konnten, meine dreijährige Tochter den ganzen Tag mit meinen Eltern in Gewässern und Eisläden unterwegs war und der Mann sein Bestes versuchte, mich irgendwie zu beruhigen. Meine Brüste taten höllisch weh, sie waren heiß und fest und gespannt und das Baby und ich weinten abwechselnd – ich vor Schmerzen, die Kleine vor Hunger. Ich hatte gedacht, diesmal würde alles klappen, ich hätte dazugelernt, ich wäre „Profi“, weil ich bereits das zweite Kind geboren hatte. Ich glaubte vor der Geburt, dass dieses Mal alles easy sein würde – und ich hatte auch gar keine Sorge, als mir meine Hebamme, die mich schon bei der Maus durch alle Hochs und Tiefs begleitet hatte, lange vor meiner Entbindung sagte, dass sie ein paar Tage nach meinem Termin leider in Urlaub gehen und ich ihre Kollegin als Ersatz erhalten würde. Ich dachte, alles würde gut, ich würde sie dieses Mal gar nicht mehr brauchen. Ich WOLLTE stillen, ich wollte es schaffen, ich wollte nicht wieder die Mutter sein, die es nicht geschafft hatte, die zu doof zum Stillen war, zu armselig, zu unfähig. Ich WOLLTE nicht zum Fläschchen greifen.

Doch da saß ich wieder. Komplett am Ende. Und wartete auf meine Hebamme, wie jeden Tag. Auf meine Hebamme, die mich in meiner Entscheidung unterstützt hatte, ambulant zu entbinden und direkt nach Hause zu gehen. Die mir wochenlang Mut gemacht hatte, dass wir es diesmal schaffen würden. Die zu jedem Zeitpunkt für mich da war und mir jede noch so doofe Frage in aller Ruhe beantwortete. Die immer einen lieben, aufmunternden Spruch für mich hatte, egal wie es ihr vielleicht selbst gerade ging.

Auf diese Frau wartete ich an diesem heißen Tag. Und als sie kam, sah sie mir direkt in den ersten Sekunden an, wie es mir ging. Meine Eltern waren gerade mit der Maus angekommen und es war etwas Trubel und Chaos ausgebrochen. Ich machte gute Mine zum schmerzhaften Spiel – und sie lächelte und bat mich, ihr ins Kinderzimmer zu folgen. Sie schloss die Tür, sah mich an und sagte mir, dass sie wüsste, was los wäre. Und dann drückte sie mich. Und ich fing an zu weinen und alles kam aus mir raus und ich erzählte ihr, was in mir vorging – und sie verstand. Sie kannte mich und wusste, warum das alles doppelt so schlimm für mich war wie bei anderen Müttern. Warum ich nicht mehr konnte. Was meine Ängste und Sorgen waren.

Und ich weiß noch so genau, als wäre es gestern gewesen, dass sie mir in diesem Moment einen Vortrag über alles hielt, was in mir brodelte. Und sie nahm mir meine Ängste, meine Sorgen, machte mir klar, dass ICH eine gute Mutter wäre und dass ICH darauf pfeifen sollte, was andere von mir denken könnten. Sie fasste alles zusammen, um was es mir damals ging und versprach mir, dass alles gut werden würde. Und dann erarbeiteten wir zusammen, wie es weitergehen sollte. In diesem Moment ging es mir besser und ab diesem Besuch hatte ich wieder Mut und mein Kloß verschwand, der mir tagelange Übelkeit verursacht hatte. Sie hatte es geschafft, die Prioriäten wieder in die richtige Reihenfolge zu bringen.

Das ist mein Hebammen-Moment, der mir mein Seelen-Leben rettete damals. Und den ich nie vergessen werde. Und niemand auf der Welt, weder der Mann, noch meine Mutter oder meine beste Freundin hätten das in diesem Moment geschafft, was diese Frau damals schaffte. Weil sie mich kannte, weil sie sich Zeit nehmen konnte und einfach da war. DAS sind die Momente, in denen wir sie brauchen. DAS sind die Momente, neben der Entbindung und den Stunden danach, in denen diese kleinen und doch weltbewegenden Dinge nicht von einem Kinder- oder Frauenarzt oder einem Verwandten übernommen werden können. Die Grundversorgung ist sicher auch in Kliniken und Praxen gewährleistet – aber um das, was in uns Frauen und Männern vorgeht, wenn etwas nicht nach Plan läuft oder alles zu viel wird, können sich nur die Hebammen kümmern. Das ist zumindest meine persönliche Meinung.

Wer möchte, kann bitte diese Petition von Bianca Kasting unterstützen – oder weitere posten und in den Fokus der Öffentlichkeit bringen. Danke 🙂

 

2 Gedanken zu „Blogparade: Wozu denn Hebammen?

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