Eltern und Kinder

Camping mit Kindern ist Freiheit für alle. Ehrlich.

Zum vierten Mal waren wir zum Camping auf unserem geliebten Zeltplatz in der Nähe des Bodensees. Das erste Mal verirrten wir uns dorthin, als die Maus 2,5 Jahre alt war – und in diesem Sommer beschlossen wir auch, dass wir a) nicht zum letzten Mal kommen würden und b) das nächste Mal zu viert sein wollten. Mittlerweile sind wir also schon Stammgäste und obwohl ich früher eher der Pauschal-Hotel-Urlauber war, bin ich jetzt doch überzeugt von der Camping-Idee, die ich am Anfang noch so gar nicht lustig fand.Camping

Warum eigentlich nicht? Weil es laut ist. Und zu warm. Oder zu kalt. Und zu hell. Oder zu dunkel. Weil man mitten in der Nacht schlaftrunken zum Klo tapsen muss, das zu später Stunde gefühlt 5km entfernt zu sein scheint. Weil man keine Türen und Wände hat. Kein Internet (auf unserem Platz gibt es das mieseste WLAN aller WLANs und das schlechteste Edge des Universums). Und keine Privatsphäre.

Warum dann schon wieder Camping, du Nuss?

Jetzt habe ich so viele negative Punkte aufgezählt und doch waren wir schon wieder dort. Warum eigentlich? Weil es wieder die schönsten Tage im Jahr waren, wie erwartet. Ich jammere zwar immer über den fehlenden Komfort – obwohl wir mittlerweile ganz schön aufgerüstet haben und quasi eher Glamping (danke Franzi!) statt Camping machen – und über den anstrengenden Alltag dort, aber in Wahrheit hat man auf dem Campingplatz das, was so unglaublich viel wichtiger ist als alles andere: Ruhe. Nicht vor den Nachbarn, deren Kleinkind ständig deinen Tisch abreißen will. Nicht vor den anderen Nachbarn, die dich im unpassendsten Moment mit „I bin a bayerisches Cowgirl“ beschallen. Und vielleicht auch nicht vor dem fremden vierjährigen Mädchen, das es sich aus welchem Grund auch immer ständig in deinem Zelt bequem macht. Aber man hat Ruhe vor den eigenen Kindern. Klingt böse? Fies? Gemein? Ja, vielleicht ist das so. Aber wir schieben die beiden Racker ja nicht ab, fahren schick in die Südsee und lassen sie bei Oma und Opa. Wir schleppen sie nur zum Camping, damit sie von morgens bis abends mit neuen Freunden auf dem riesigen Kinder-Campingplatz spielen, toben, rennen und laut sein dürfen. Gibt schlimmeres, oder?

Freiheit für alle

Ich kann immer wieder betonen, wie toll Camping für Kinder ist. Ich selbst war Enkeltochter von Dauercampern und ich liebte es wie nichts anderes, mit meinen Cousinen und meiner Oma nach Glühwürmchen zu suchen und den ganzen Tag den Platz unsicher zu machen. Das ist Freiheit pur in einem Leben voller Grenzen und Zäune, voller Regeln und Verbote. Und deswegen habe ich schicken Cluburlaub gegen ein kleines blaues Zelt eingetauscht. Damit meine Töchter wenigstens zwei Wochen im Jahr einfach tun und lassen können, was sie wollen. Sie sind jetzt in dem Alter, in dem sie wirklich alle Freiheiten des Platzes genießen dürfen und nur noch zum Essen und Schlafen kommen. Natürlich machen wir viele Dinge gemeinsam. Wir gehen schwimmen, machen Ausflüge, spielen Spiele und basteln, lachen und machen Unsinn. Aber in diesem Jahr wollten sie viel weniger von uns als noch im letzten Urlaub. Sie wollten einfach frei sein. Und so waren wir es auch.

Zähne zusammenbeißen und genießen

Natürlich ist Camping nicht für jeden etwas. Man nimmt den Alltag des Aufräumens (wenigstens die Basics) und Kochens, des Spülens und des Klamottenirrsins mit. Und das auf engem und unluxuriösem Raum. Das ist leider so. Aber ich habe selten so viel Zeit für mich, für uns, wie in den Tagen auf dem Zeltplatz. Ich habe eineinhalb Bücher gelesen! In 11 Tagen! Der Mann und ich saßen einfach rum, langweilten uns ab uns zu sogar – und Eltern wissen, wie selten dieses Gefühl ist – und die Kinder waren immer happy, dreckig und außer Rand und Band. Und was ich jedes Jahr erkenne ist, dass die beiden eine ordentliche Portion Selbstständigkeit bekommen. Sie tun und lassen, was sie wollen. Sie kaufen morgens unsere Brötchen, nutzen den ganzen Platz, kommen und gehen, wie es ihnen passt. Alles, was man als Stadtkind mit einer übervorsichtigen Mutter im normalen Alltag leider nicht hat. Und was doch so wichtig ist.

Nach dem Urlaub fehlt so viel

Leider mussten wir drei Tage vor dem eigentlichen Ende unseren Urlaub abbrechen, weil uns das Wetter einen fetten, nassen und kalten Strich durch unsere Zeltrechnung gemacht hat. Wir sind vielleicht Camper aus Leidenschaft, aber bei 6 Grad Nachttemperaturen und Dauerregen wollten wir lieber nach Hause fahren. Und seitdem hat uns der Nach-Urlaubs-Blues befallen. Wir langweilen uns. Wir schauen seufzend aus dem Fenster in den Regen. Wir gucken uns Bilder aus unseren schönen, sonnigen Urlaubstagen an. Ja, wir haben endlich wieder Netflix, Türen und Wände, wir schlafen wieder in unseren gemütlichen Betten und lassen unsere Wäsche und das dreckige Geschirr von Automaten reinigen. Aber so toll, wie wir uns das noch auf dem Campingplatz vorgestellt haben, ist das alles gar nicht. Freiheit und 24/7 frische Luft und Natur sind irgendwie besser. Und wenn mir vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, dass ich so einen Satz mal von mir gebe, dann hätte ich wahrscheinlich Tränen gelacht. Und mein Mann, der schon immer Zeltheld war, auch.

***

Wie und wo war euer Urlaub? Seid ihr auch Camper? Oder mögt ihr lieber Hotels oder Ferienhäuser? Erzählt doch mal ein bisschen, das finde ich sehr spannend!

 

 

4 Gedanken zu „Camping mit Kindern ist Freiheit für alle. Ehrlich.

  1. Auch Camper 😀 Früher waren wir jedes Jahr wieder auf unserem Platz, ich mit meinen drei Geschwistern den Platz unsicher machen… genau das, was du beschrieben hast 🙂 Ein herrliches Gefühl von Freiheit, das bis heute nachglüht 😀
    Wir waren Ende Juli auch endlich mit unserer Kleinen (Großen!! 5einhalb) in Dänemark auf einem wunderbaren Campingplatz und ich musste gerade sehr schmunzeln bei deinen Zeilen… Genau so wie du es beschrieben hast, hat sich unsere Süße auch verhalten und es war ihr permanent anzusehen, wie stolz und glücklich es sie macht, dass sie alleine umherziehen durfte. „Sogar mit Fahrrad!“ (Sagt sie jetzt immer 😉 ) Und dass, obwohl dort Autos fuhren… Wo in Berlin sollte das mal möglich sein? Und auch ich habe ein Buch komplett durchgelesen und ein anderes begonnen 😀 😀 Unsere Urlaubsform für die nächsten Jahre steht nun fest: Camping 😀 Ich ahnte und hoffte es schon länger, nur mein Freund wusste es noch nicht…er war noch Neuling 😀 (der Ärmste, weiß gar nicht, was er bisher verpasst hat…;-) )
    Viele liebe Grüße!

  2. PS: zwei Wochen pro Jahr im Sommer waren dann auch immer noch meine 2 Cousinen mit dabei 😉 Also 6 Kinder mit Oma und Opa 😀 Ich denke sehr gerne daran zurück.

  3. Mensch, das macht mir ja Hoffnung 🙂 ich – auch kein Ultra des Camping – habe mich überreden lassen im nächsten Jahr unseren Urlaub auf einem Campingplatz zu verbringen… Ich bin gespannt. (Die Kids sind dann 2 1/2 und bisschen mehr als 1 Jahr alt). 🙂

    1. Ui, dann wünsche ich euch ganz viel Spaß und Entspannung und Freude beim Campen!! Vielleicht kannst du danach ja hier nochmal kommentieren und erzählen, wie es war! Würde mich freuen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.