Eltern und Kinder

Das Leiden der jungen Mamablogger

Kennt ihr das? Ich hoffe, ihr kennt das! Da ist der perfekte Moment gekommen, man sitzt vor dem PC, Mac oder Laptop, einen duftenden Kaffee in der Lieblingstasse, die Sonne scheint in den Raum und um einen herum ist es einfach nur ruhig und friedlich. Es könnte so schön sein! Kein Augenblick wäre besser geeignet, um den perfekten Blogpost zu schreiben. Und dann sieht man den Cursor blinken. Er blinkt und blinkt und die Finger schweben über den Tasten. Ein Schluck vom Kaffee. Der Cursor blinkt weiter. Langsam wird er ungeduldig. Was wollte ich nochmal schreiben? Da hatte ich doch so gute Ideen zuletzt. Worum drehten sie sich wieder? Noch einen Schluck vom Kaffee. Er wird langsam kühler. Der Cursor blinkt weiter, er scheint schneller zu blinken als eben. Wie war das mit der Erziehungs-Theorie dieser einen Frau? Hatte ich da nicht ein paar Notizen auf einem Zettel gemacht? Wo ist dieser Zettel? Kaffee. Kalt. Egal.

 So wird das nichts. In diesem Moment stehe ich gerne auf, laufe ein bisschen durch die ruhige und friedliche Wohnung, dusche vielleicht, schaue in den natürlich leeren Briefkasten, denn um diese Uhrzeit war der Briefträger noch nie da – und räume ein bisschen auf. Ab und zu werfe ich einen Blick auf Word, wo der Cursor noch immer blinkt. Und die weiße Dokument1-Vorlage, ohne Sinn und Namen, macht mich gelinde gesagt etwas wahnsinnig. Ich hatte doch eine so gute Idee gestern! Gestern, als hier beide Kinder rumturnten, Wäsche auf mich wartete, das Essen gekocht und meine Migräne überstanden werden musste! Es ging um… Ich wollte schreiben über…

So wird das nichts. Also räume ich noch etwas weiter auf. Himmel, was sind die Scheiben schmutzig, wenn die Sonne scheint! Ich hole Tücher und Reiniger und fange an. Es klingelt an der Tür. Der Paket-Kerl bringt Päckchen für die Nachbarn, wie immer. Ich könnte auch mal wieder etwas online bestellen! Gleich mal schauen! Immerhin sehe ich jetzt den Cursor im Dokument1 nicht mehr so vorwurfsvoll blinken. Ich könnte etwas über Online-Bestellungen für Kinder schreiben. Oder über unnötige Shops, die uns Eltern nur das Geld aus der Tasche ziehen wollen. Blöde Idee. Das Telefon klingelt. Es ist meine Mutter. Als ich auflege, sind wieder 20 Minuten vergangen. Ich hole einen zweiten Kaffee, setze mich wieder vor den PC, öffne dieses verfluchte Dokument1 und halte inne. Atme. Schließe die Augen und versuche, die Gedanken von gestern wieder in den Bereich des Hirns zu locken, in dem ich sie mit beiden Händen fassen und festhalten kann! Versuche zu verdrängen, wie der Cursor auf dem weißen Hintergrund blinkt und dabei irre kichert.

So wird das nichts. Ruhe und Frieden? Irgendwie komme ich mir verarscht vor. Ich suche wieder diesen Zettel und stelle dabei fest, dass der Schreibtisch auch mal wieder vom Chaos der letzten Wochen befreit werden könnte. Ich finde wirklich sehr viel. Aber nichts, was mir beim Bloggen hilft. Das Handy klingelt, es ist meine Cousine, die nach einem Rezept fragt. Ich könnte über Verwandte und deren Kinder und deren Beziehungen zu mir und meinen Kindern schreiben! Nein. Blöde Idee. Mein Hirn fühlt sich derweil an, als hätte es sich schon in den Standby-Modus versetzt, was normalerweise der Zeitpunkt ist, an dem ich jegliche Heureka-Idee total vergessen kann. Was schon in der Schule so war. In Mathe. Oder Latein! Schule! Ich könnte über Schule von damals und heute schreiben! Aber was genau? Ich habe ja noch gar kein Schulkind. Blöde Idee.  Vielleicht doch dieses Shop-Angebot annehmen und über Babykleidung schreiben? Nein, will ich nicht. Reiß dich zusammen!

So wird das nichts. Der zweite Kaffee ist mittlerweile auch kalt und ich sitze youtubend vor dem Rechner. Wie süß, zwei singende Schafe, die auf einem Hochhaus sitzen. Ich könnte über blöde Online-Videos mit Schafen aus der Hölle schreiben, die einen vom Arbeiten abhalten sollen! Das Dokument1 hat immer noch keine Aufgabe gefunden. Vielleicht finde ich eine Anregung bei Twitter oder Facebook. Wie schön, die beste Freundin ist on, ein kleines Schwätzchen schadet sicher nicht. Ich könnte über beste Freunde und Beziehungen schreiben, die sich im Laufe der Jahre verändern. Mit Kindern natürlich. Gab es aber schon. Blöde Idee. Ich schaue auf die Uhr und schrecke hoch! Ich muss das Mäuschen aus der Kita holen! Schnell werfe ich mir die Jacke über und renne los. Hole die Kleine. Hole die Große. Der Mann kommt aus dem Labor.

Die Wohnung sieht mittlerweile wieder aus wie bei diesen komischen Hempels unterm dreckigen Sofa. Im Nebenzimmer dudelt schon wieder dieses Hörspiel. Das Mäuschen brüllt auf dem Teppich, weil es nicht an die Stereoanlage darf. Der Mann schreibt einen Einkaufszettel und redet darüber, was wir heute zum Essen brauchen. Und da fällt es mir ein! DAS war es, worüber ich schreiben wollte! Mutter- und Autorschaft im Wandel der Zeit! Perfekt! Ich suche einen Zettel, setze den Stift an und… Der Rest ist Geschichte. Die Maus ist vom Mal-Stuhl gefallen und hat dabei alles vom Tisch gerissen, während das Mäuschen mit einem gemopsten und offenen Filzmaler durch die Wohnung hechtet, ich hinterher.

Morgen dann. Morgen blogge ich! Das Thema war ja super!

6 Gedanken zu „Das Leiden der jungen Mamablogger

  1. Oh ja, das kenne ich. So geht mir das oft. Die paar freien Minuten, die mir zum Arbeiten bleiben verbringe ich oft entweder damit nachzudenken, was ich als erstes machen soll, oder mir fällt einfach nichts ein.
    Aber irgendwie klappt es dann doch immer…

    Liebe Grüße
    Suse

  2. Ahahahahahahahahaha! So oder so ähnlich läuft es hier auch häufig ab. Zum Mäusemelken manchmal. Ernsthaft!
    Ich versuche mir mittlerweile einen Artikel mit der WP-App anzulegen. Das Thema als Überschrift, speichern und… später dran arbeiten. Haha, dieses später dauert manchmal ewig und dann ist die Idee auch wieder futsch. Tja…

    Liebe Grüße,
    die Alltagsheldin

    1. Huhu! Ja, das ist auch eine gute Idee… Aber dazu komm ich dann sicher auch nicht 😀 Aber ab und an packen wir ja auch was, ne? 😉
      Liebste Grüße!

  3. Echt schön geschrieben!
    Und das kann ich gut nachvollziehen. Ich nutze dann auch gerne die Notizfunktion auf meinem Handy, wenn ich grad nicht am PC sitze und einen tollen Einfall habe. Ich habe nämlich auch das Talent, schnell wieder zu vergessen, was ich eigentlich schreiben wollte (ähnliches Thema hatte ich auch gerade gepostet: http://verflixteralltag.blogspot.de/2014/03/auf-was-ich-als-mutter-nicht-verzichten.html
    LG Wiebke

  4. Hihi, das kommt mir auch bekannt vor. Am Besten schreibe ich, wenn die Terrornudel im Hintergrund schreit und ständig angerannt kommt und der Papa gerade mal wieder totalversagt im Aufpassen 😛 Ja, schnell, noch ein Satz, uaaah, nebenbei tippen, … aber wehe ich hab mal Zeit. Och nö, keine Ahnung, wo war nochmal die Inspiration…

    Liebe Grüße, Janina <3

    1. Ja, genauso ist das wohl… Wobei, DA kann ich gar nicht schreiben, da bekomme ich nur Ideen! Schreiben kann ich nur in Ruhe. Aber halt auch nur, wenn mich die Muse geküsst hat 😉

      Liebste Grüße!

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