Eltern und Kinder

Der richtige Moment? Vergiss es!

In diesem Jahr werden einige meiner Freundinnen zum ersten Mal Mama. Andere planen es erst und wieder andere sind schon in der Planung für ein zweites Kind. Auch in meinem virtuellen Umfeld, in der Bloggosphäre, läuft gerade so einiges „rund“. Bei vielen läuft die Sache also schon super. Aber immer wieder höre ich die eine Frage, sie so leicht gestellt und so unmöglich zu beantworten ist. Oder so einfach.

Wann ist der richtige Moment für ein Kind/ein zweites Kind?

Peng. Da ist sie. Die Frage aller Fragen. Die Frage, die mir Freundinnen stellen, die gerade alle Hände und Füße mit ihren Einjährigen zu tun haben. Die Frage, die mir Freundinnen stellen, die noch kinderlos, aber voll von Wünschen sind. Und ja, die Frage ist leicht und zeitgleich unmöglich zu beantworten. Denn, ihr denkt es euch – es gibt keinen richtigen Moment. Schon gar nicht für ein erstes Kind.

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Quelle: Pixabay.de

Ein Kind wird IMMER eurer ganzes Leben auf den Kopf stellen. Alles ändern. Alles von hinten nach vorne krempeln und wieder zurück. Ein Kind wird immer alles ändern – und eben immer anders, als man sich das vorstellt. Du wirst weniger schlafen und mehr weinen. Vor Freude, vor Müdigkeit, vor Sorge, vor Ratlosigkeit, vor Liebe. Ein Kind wird dich ganz fordern, vereinnahmen und beanspruchen. Dich, deine Zeit, deine Geduld und dein ganzes Wesen. Von dem Moment an, in dem du den Strich auf dem Test siehst, wirst du die Verantwortung für ein kleines Leben haben. Und diese Verantwortung, die neben so vielen wundervollen Dingen eben auch Sorge und Ängste mit sich bringt, wird nie, nie wieder vergehen. Egal, ob dein Kind einen Monat, ein Jahr, zehn Jahre oder erwachsen ist. Du wirst nie, nie wieder sorglos sein. Und das ist der Grund, warum es keinen richtigen Moment gibt. Denn es gibt immer etwas, was noch getan oder ausgekostet werden muss, bevor man sich bereit fühlt. Doch ich finde ja immer, WENN du ein Baby willst, auch nur darüber nachdenkst, WANN der richtige Zeitpunkt dafür wäre, dann IST der richtige Zeitpunkt eigentlich schon da.

Ganz anders läuft die Sache beim zweiten Kind. Viele Freundinnen fragen mich, wann ich denn wusste, dass ich ein zweites Kind will. Oder gar, WARUM ZUM GEIER ich eigentlich noch ein zweites Kind bekommen habe? Ich lache dann laut. Denn ich erinnere mich noch so gut daran, wie ich dastand, panisch, genervt, fix und fertig. Mit der Baby-Maus. Die ständig krank war, zahnte, schubte und brüllte. Und ich mir GANZ, GANZ sicher war, dass sie auf jeden Fall Einzelkind bleiben würde! Zweieinhalb Jahre war ich mir zu 157,9% sicher, dass ich das kein zweites Mal durchstehen (wollen) würde. Und dann, im Urlaub des Jahres 2011, wusste ich, dass die Maus kein Einzelkind bleiben soll. Diesen magischen Moment habe ich schon verbloggt. Der Moment, in dem ich einen kleinen Jungen auf einer Schaukel in einem Garten sah, alleine, einsam. Das war mein Moment. Doch eigentlich hatte ich schon vorher so viele Momente. Kleine, winzige Momente, die ich gar nicht als solche wahrnahm. Wahrnehmen wollte. So sicher war ich mir ja, dass ich keine Kraft für ein zweites Kind hätte. Momente, in denen ich die winzigen Kleidungsstücke der Maus, aus denen sie herausgewachsen war, nicht verkaufte oder verschenkte, sondern alles sorgfältig in Kisten im Keller verstaute. Augenblicke, in denen ich Babytragen, Wippen und Bettchen nicht inserierte, sondern sie bei den Eltern oder Schwiegereltern unterstellte. Kurze Ahnungen, dass ich mich zwar müde, überfordert und am Rande des Wahnsinns fühlte, aber eins nicht: komplett.

Ich glaube, das ist das Zauberwort. Komplett. Nach dem Mäuschen, das fast auf den Tag genau ein Jahr nach meinem magischen Moment im Urlaub zur Welt kam, kam auch das Gefühl des Komplett-Seins zur Welt. Ich hielt sie im Kreisssaal im Arm und wusste, das war es jetzt. Sie, ihre große Schwester, mein Mann und ich. Das sollte es sein. Dieses Gefühl hatte ich beim ersten Baby nicht. Da war das Gefühl des „NIE WIEDER!“ wegen der Schmerzen der Geburt, der anstrengenden ersten Wochen und Monate, der Ängste und Sorgen. Aber da war nicht dieses Gefühl des Zufriedenseins. Des Wissens um die fertige Familie. Und ja, ich hatte unglaubliche Angst, als ich im August 2011 beschloss, das Abenteuer Zweikindfamilie zu wagen. Und unglaubliche, riesengroße, panische Angst. Und als ich den Test in der Hand hielt, hatte ich noch mehr Angst. Aber das zweite Kind stellt nicht mehr das ganze Leben auf den Kopf. Du kennst schon alles. Du bist schon Mama, du hast dein Leben schon mit einem kleinen Menschlein sychronisiert. Du hast schon viel erlebt, auch wenn du dir das gar nicht vorstellen kannst. Du hast schon Routine, auch wenn du das nicht glaubst. Und – und das ist die wichtigste Sache, die ich mit auf den Weg geben kann – du hast genug Liebe für noch ein Kind, auch wenn du jetzt noch das Gegenteil empfindest.

Kinder sind sehr anstrengend. Und sie sind wundervoll. Wenn meine beiden Mädels heute zusammen spielen, dann bin ich so froh, dass dieser Junge damals alleine auf der Schaukel saß. Ich kann jedem nur raten: Hört auf euer Gefühl. Wenn euch das sagt „Ich bin komplett“ oder „Ich will kein Kind“ – dann ist das die Antwort. Aber wenn ihr immer wieder mit dem Gedanken spielt, euch Momente und Augenblicke vorstellt, euch dabei ertappt, wie ihr jeder Mama mit Bauch oder Baby seufzend nachschaut, dann horcht nochmal tief in euch hinein. Die anstrengenden Zahn-Schub-Krankheitsjahre gehen vorbei. Schneller, als man gucken kann. Wenn DAS der Grund für die Angst ist – und NUR das – dann ist sie unbegründet. Und ich glaube, es ist schlimmer, eines Tages zu merken, dass die tickende Uhr stehengeblieben ist, das Gefühl des „Etwas-fehlt“ aber nicht…

In diesem Sinne freue ich mich unglaublich für alle werdenden Mamas, freue mich auf eure Babys, eure Erlebnisse, eure Erzählungen und Berichte. Und bedanke mich schon im Voraus für das Knuddeln-und-am-Köpfchen-schnuppern-dürfen. Und ich schicke eine Portion Erleuchtung und Mut raus an alle Grübelnden. Achtet auf eure Momente. <3

12 Gedanken zu „Der richtige Moment? Vergiss es!

  1. Ich wusste direkt nach der Geburt meines ersten Kindes, dass wir ab seinem 2. Geburtstag am Geschwisterkind „arbeiten“ würden. Nun ist es genau so gekommen und das Geschwisterkind ist unterwegs. Woher ich den Zeitraum so genau wusste: keine Ahnung. Aber ich bin sehr zufrieden mit dieser Entscheidung.

    1. Direkt nach der Geburt – das find ich supercool. Ein paar Freundinnen von mir ging es auch so. Die meisten sagen aber nach der Geburt erstmal NIEEEEEE WIEDER! 😀 Alles Gute euch!!

  2. Schön geschrieben! Ich erwarte gerade Nummer 2. nachdem unsere Nr. 1 ein absolutes Schrei und wenig Schlafbaby war und teilweise Mut knapp zwei ist,habe ich auch diese panische Angst. Aber wie du sagst,ich fühlte mich noch nicht komplett. Und es wird ja besser. Jeden Tag ein bisschen mehr! Alles Gute,Nina

    1. Ach, das zweite Baby wird sicher locker und gechillt werden! Ganz sicher! 😉 Schön, dass du dich trotz allem entschlossen hast, noch eins zu kriegen. Dann ist der Wunsch schon sehr groß gewesen, find ich schön <3

  3. Ich hatte einen ähnlichen Moment. Es war der einsame kleine Junge, der allein im Vorgarten auf dem Boden saß und Steinchen über den Zaun warf. Er brach mir fast das Herz, so traurig wie er aussah. Da wusste ich, mein Sohn wird nicht allein bleiben. Jetzt sind wir seit 4 Monaten zu viert, und ja – es IST anstrengend. Aber es ist auch wunderschön. Und ich habe jetzt auch endlich das Gefühl komplett zu sein. Alles richtig gemacht!

    1. Ich war selbst Einzelkind – bis ich 14 war und mein Vater und meine Stiefmutter mir endlich Brüder gönnten 😀
      Ich fand das nicht schön. Immer ruhte alle Aufmerksamkeit auf mir. Das mag schön klingen, ist aber auch anstrengend. Außerdem langweilte ich mich sehr oft und fühlte mich einsam. Alles richtig gemacht! Genau! <3

  4. Ich sitze gerade hier und möchte weinen. Ich befinde mich gerade in der Phase „nie wieder“, obwohl unsere Kleine (knapp 2) zwar sehr aktiv und anhänglich, aber kein Schreibaby war. Aufgrund von Selbständigkeit musste ich allerdings nach 4 Monaten schon wieder teilweise arbeiten gehen (seit Ewigkeiten nun schon wieder voll) und habe immer immer noch zu wenig Energie. In der Beziehung ist es nicht immer einfach und in der Verwandtschaft hängt eine Mama komplett durch mit 2 Kleinkindern.

    Auf der anderen Seite ist da manchmal dieses Gefühl…..wenn ich sehe wie unsere Kleine in der Kita an anderen Kindern hängt, sie sich freut wenn wir Besuch mit Kindern haben. Aber ist das der einzige Grund, sich für ein Zweites zu entscheiden? Ob ich mich komplett fühle oder nicht, kann ich nicht beantworten.
    Ich bin nun auch schon 40 Jahre alt, was die Entscheidung noch viel viel schwerer macht.

    Es ist nicht einfach, Momentan sieht es eher danach aus, als wenn sie Einzelkind bleibt, ich habe glaube ich zu viel Angst 🙁

    Ein berührender Artikel, vielen vielen Dank!

    Grüße,
    Lilly

    1. Liebe Lilly,

      natürlich ist dieses nicht komplett Gefühl der Idealfall. Zumindest, wenn man ihn dann auch noch umsetzen kann… Das klappt leider manchmal aus den unterschiedlichsten Gründen nicht. Ich denke, ein zweites Kind zu bekommen, nicht, weil man ein zweites Kind will, sondern weil man kein Einzelkind will, ist im Grunde genommen nur ein anderer Ausdruck für dieses Gefühl. Nur anders benannt. Also das macht es für mich nicht schlechter, nur pragmatischer ausgedrückt. Doch wenn die Umstände nicht passen oder das Alter oder die Partnerschaft, dann ist sicher auch die Entscheidung gegen ein Gefühl okay. Doch Angst… Nur die Angst, wenn sie irrational ist, sollte kein Grund dagegen sein. Rationale Ängste sind etwas anderes. Nicht genug Geld, nicht genug Zeit, nicht genug Energie. Doch das muss zum Glück und leider jeder selbst entscheiden. Ich finde nur, dass man sich sicher sein sollte, dass man die Entscheidung nicht bereut. Denn irgendwann ist es eben zu spät. Aber ich kann dir sagen: Du tust deinem Kind sicher nichts schlimmes an, wenn es Einzelkind bleibt!! Überhaupt nicht!!

      Liebste Grüße und alles, alles Gute für euch! <3

  5. Ach Grummelmama… ich wünschte, es wäre so einfach. Ich wünsche mir nunmehr seit über sieben Jahren ein Kind und aufgrund einer (sehr frühen) Konisation im Alter von nur 23 Jahren weiß ich zudem, dass ich nicht ewig warten kann. Aber was, wenn der passende Partner dazu fehlt? Es gab vor drei Jahren (meiner Ansicht nach) einen guten Moment… ich war finanziell gut abgesichert, wollte gern vor einem geplanten Studienbeginn Mama werden und dann am Ende der Elternzeit mit dem Studium beginnen. Aber der damalige Partner wollte leider nicht dasselbe.

    Nun bin ich 28, beende im Sommer diesen Jahres mein Studium, habe erneut eine ungünstige Diagnose vom Frauenarzt erhalten, die eventuell in einer erneuten Konisation enden wird. Und dann?!? 🙁

    Sorry für diesen Depri-Post, aber ich wollte damit nur deutlich machen, dass leider manchmal auch die Partnerwahl den „richtigen Moment“ verfliegen lässt.

    Grüß Maus und Mäuschen (unbekannterweise) von mir!

    Nordische Feengrüße…

    1. Ach du… Natürlich ist die Basis für meinen Post ein richtiger Partner und die medizinische Voraussetzung gewesen… Leider ist das nicht immer gegeben, das ist mir klar. Und es tut mir super leid, dass das bei dir bisher nicht eingetroffen ist. Eine weitere Konisation? 🙁 Ich drück Daumen, dass das nicht nötig sein wird!!! Jedenfalls hast du jedes Recht für Jammerposts. Jederzeit. Auch gerne privat 😉 #

      Feenkuss,
      Katja

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