Eltern und Kinder

Die Anderen

Ich dachte ja immer, dass manche Freundschaften irgendwann auseinandergehen, weil die „bösen“ Freunde ohne Kinder irgendwie nichts mehr mit einem unternehmen oder zu tun haben wollen. Weil sie einen für langweilig und unflexibel und zum alten Eisen gehörend halten. Und dann grummelt man so vor sich hin und verflucht „denen“ die Knochen und sucht sich halt Kinder-Freunde, mit denen man gemeinsam gegen „die da“ wettern und grummeln kann. Aber was, wenn gar nicht nur „die“ Schuld daran haben, dass das alles nicht mehr so funktioniert wie vorher? Was, wenn wir selbst Schuld haben, dass man uns irgendwie ausgrenzt und falsch einschätzt?
Ich unterhielt mich am Wochenende mit einer von „denen“. Mit einer, die mir mehr als nur am Herzen liegt und die auch mal Tacheles reden kann und darf. Und „die“ sagte ein paar Dinge, über die ich wirklich mal nachdenken musste.

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© Pixabay

Wir Mütter, vornehmlich die schreibende, bloggende Fraktion, schimpfen tatsächlich ziemlich oft über „die Anderen“. Die so anders sind, dass sie mit großen A geschrieben werden müssen!!!!! (und mit vielen !!!!!)

„Die Anderen“, die kein Recht dazu haben, uns Ratschläge und Tipps zu geben, weil sie sowieso keine Ahnung haben. So ohne Kinder.

„Die Anderen“, die den ganzen Tag nur unnötigen Mist machen, während wir das einzige Wahre verrichten – die Beschäftigung mit der Zukunft der Menschheit.

„Die Anderen“, die einfach nervig sind, wenn sie scheinbar desinteressiert nach unserem langweiligen Leben fragen/niemals nach unserem langweiligen Leben fragen.

„Die Anderen“, die einfach keine Ahnung vom Leben haben.

„Die Anderen“, die ständig unsere Kinder anfassen/nichts mit unseren Kindern zu tun haben wollen.

„Die Anderen“, die uns seit der Geburt der Kinder nicht mehr in ihr Leben integrieren wollen/uns einfach frech in ihr Leben integrieren wollen, obwohl das halt gar nicht mehr so geht! (Doof, wie „die Anderen“ sind, merken die ja auch echt nix!).

„Die Anderen“, die immer nur nach den Kindern fragen, als hätten wir keine anderen Interessen mehr/nie nach unseren Kindern fragen, weil sie kein Interesse an ihnen haben.

Merkt man da was? Irgendwie ist das schon etwas peinlich. Was ist, wenn diese „Anderen“ einfach gar nicht so genau wissen, wie man mit „uns“ richtig umgehen soll? Wenn ich nämlich so darüber nachdenke, kann man es „uns“ oft wirklich nicht recht machen. Die andere Seite ist abgestempelt und macht entweder zu viel, zu wenig oder alles falsch. Und so habe ich da noch nie drüber nachgedacht. Denn mal ehrlich – wenn man sich viele unserer Blogposts durchliest, spricht da schon oft der Frust und der Neid heraus. Klar, nicht aus allem, aber schon aus einigem. Und mit jemandem, der permanent gefrustet und neidisch wirkt, wollte ich auch keine lustigen Abende verbringen – vor allem, wenn man gar nicht mehr weiß, wo heute denn überall die Fettnäpfchen stehen, in die „die Anderen“ ja permanent und sowieso reindonnern MÜSSEN.

Sau doof. Und sau schade. Und sicher nicht auf alle Probleme anwendbar, aber wenn ich mir da ein paar Dinge aus einer „anderen“ Perspektive betrachte, kann ich schon sehen, dass nicht nur ICH das Opfer bin. Dass nicht nur ICH die arme Socke bin, die zu Unrecht als „Muddi“ verurteilt wurde, sondern die sich einfach oft auch genau so benimmt.
„Wir“ gegen „Die“?
Eltern gegen Nicht-Eltern?
Oder sollten wir einfach Freunde sein, die sich in manchen Bereichen super ergänzen und die einsehen und akzeptieren müssen, dass sie das in anderen Bereichen eben nicht mehr tun? Ich finde es traurig, dass man sich da so unnötig affig benimmt. Und ich für meinen Teil bin echt dankbar, mal die Leviten gelesen bekommen zu haben. Ich weiß nicht, wie es euch Muddis und Vaddis da draußen geht, aber ich hole jetzt mal meinen Kopf aus der Muddi-Schublade, ziehe meine unbekinderten Freunde aus der Nicht-Muddi-Schublade raus und stelle diese voll blöde Schubladen-Kommode einfach mit einem dicken „ZU VERSCHENKEN“-Schild vor die Tür. Brauch ich nicht. Will ich nicht. Fertig.

6 Gedanken zu „Die Anderen

  1. Hmja, schön zusammengefasst und sicher in vieler Hinsicht auch richtig, aber teilweise sehe ich diese Gegensätze nicht so: Will man wirklich nicht nach den Kindern gefragt werden? Vielleicht sehe ich das zu sehr durch meine noch-nicht-so-lange-Papi-Brille, aber ich möchte schon, dass sich „die Anderen“ für meinen Sohn interessieren. Das muss ja nicht so ausführlich sein, wie wenn man mit anderen Eltern über Kinder spricht, weil man da ja einfach schnell ins Erzählen und Ratschläge geben etc. hinein gerät, aber, überspitzt gesagt: eine kleine Gegenleistung dafür, dass man sich jede Woche eine neue Frauen-, Männer-, Party-, Sauftourgeschichte anhören muss, darf doch schon sein! Und einen Punkt finde ich auch ganz wichtig: ein kleines bisschen Flexibilität können „wir“ doch erwarten: Dass ich mich eben nicht erst um 22 Uhr mit jemandem treffen und bis 3 Uhr um die Häuser ziehen kann, wenn ich weiß, dass ich am nächsten Morgen pünktlich um 6 Uhr geweckt werde, egal an welchem Wochentag, darauf könnte man sich doch einstellen, und sich ausnahmsweise statt zum Bier eben zum Kaffee oder auf einen Spaziergang verabreden! 😉

    1. Hey 😉 Klar will man nach den Kindern gefragt werden. Oder eben auch nicht. Da gibt es eben solche und solche Mütter und Väter. Es gibt eben Abende, da bin ich so froh, mal meine Ruhe zu haben und dann nervt es mich ohne Ende, gefragt zu werden. Es geht viel eher darum, dass man es einem nicht immer recht machen kann, weil diese Ansprüche, die man an die „Anderen“ hat, sehr wechseln. Also aus meiner Sicht auf jeden Fall. Und ich höre mir super gerne Party-Geschichten an 😀 Und sicher darf am ein kleines bisschen Flexibilität erwarten – aber ich glaube, dass das gar nicht so tragisch ist, wie es einem vorkommt. Ohne Kinder kann man sich so einiges nicht vorstellen. Ging mir vorher auch so. Ist alles nicht so leicht, ich glaube nur, dass es eigentlich leichter sein könnte, als es ist. Manchmal sind wir Eltern nämlich schon kleine Diven…

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