Eltern und Kinder

Die Erstgeborenen und ihre Thronfolgerchen – Privileg oder Pech?

Ich schrieb ja meinen letzten Artikel darüber, wie und wann man sich für oder gegen ein weiteres Kind entscheidet. Ich habe mich damals nach langem Überlegen ja für ein zweites Kind entschieden – und bin nun, wie ihr alle wisst, Mutter von zwei Töchtern, die 3 1/2 Jahre auseinander sind. Sie sind Schwestern. Und sie haben die gleichen Eltern. Und doch haben sie ganz unterschiedliche Starts in dieses Leben erlebt.

life-862967_1280
Quelle: Pixabay.de

Die Maus war unser erstes Kind. Sie war das erste Enkelkind unserer Eltern und das erste Urenkelkind meiner Großeltern. Sie war der Mittelpunkt, die kleine Prinzessin, das Engelchen. Sie war 3 1/2 Jahre lang unser ein und alles. Und als ich mich für ein zweites Kind entschied, hatte ich schreckliche Angst vor der Entthronung der Prinzessin. Davor, dass sie denken könnte, sie würde nicht mehr so geliebt werden wie früher. Aber ich tröstete mich auch damit, dass sie ja immerhin dreieinhalb Jahre alleine mit uns verbringen durfte. Ein Privileg, das ihre kleine Schwester nie haben würde.

Einen Tag bevor ich in die Klinik kam, um ihre kleine Schwester zur Welt zu bringen, war ich mit ihr noch auf dem Spielplatz. Sowieso tat ich damals alles mit ihr bewusst zum letzten Mal. Zum letzten Mal alleine im Schwimmbad. Zum letzten Mal alleine im Zoo. Und ich erinnere mich daran, wie ich da saß und sie beobachtete. Sie war so klein und so süß. Wie sie versuchte, an der Kletterwand hochzusteigen und immer abrutschte in ihrem weiß-rosa Kleidchen. Sie war mein kleines Baby…

Am übernächsten Morgen kam ich schon mit ihrer kleinen Schwester nach Hause (ich hatte mich für eine ambulante Geburt entschieden) und alles war anders. Das Mädchen, das zwei Tage zuvor noch mein kleines Baby war, war plötzlich gar kein Baby mehr! Sie war so schwer! So groß! So „erwachsen“! Von dem Moment an, in dem sie ihrer kleinen Schwester den ersten Kuss gab, war sie die große Maus und nicht mehr das Mäuschen. Aber das war okay. Für sie und für mich. Sie war und ist eine tolle große Schwester, die nie Probleme mit der „Entthronung“ hatte und sich schnell gar nicht mehr wirklich daran erinnerte, dass es einmal eine Zeit OHNE ihre kleine Schwester gab.

Bei zwei Kindern ist das eigentlich sehr schön. Das Erstgeborene hat immer die Zeit mit den Eltern, die es alleine verbringen durfte, gut. Selbst wenn es sich nicht mehr daran erinnern kann. Das zweite Kind hat diese Zeit nicht. Muss Mama und Papa von Anfang an mit einem anderen Menschen teilen. Bis vor kurzem tat mir diese Tatsache irgendwie leid, die ich immer damit zu kaschieren versuchte, dass ich mir sagte, sie hätte dafür von Anfang an eine liebevolle große Schwester gehabt. Und wahrscheinlich ist MIR diese Zeit alleine mit der Maus auch viel wichtiger als dem Kind selbst.

Doch vor ein paar Tagen dämmerte es mir… Das Mäuschen ist jetzt haargenau so alt wie ihre Schwester damals, als die große Schwester wurde. In dem Alter wurde ihre große Schwester vom kleinen Baby zum großen Kind. Doch weil wir kein drittes Kind mehr bekommen werden, wird ihr, unserem Mäuschen, unserem „neuen Baby“, das nicht passieren. Sie wird immer unsere Kleine sein. Unser Babychen. Sie wird nie plötzlich schwer und groß sein. Nie plötzlich und ungefragt eine ganz neue Rolle aufgedrückt bekommen. Und auch, wenn sie diese Tatsache eines Tages mächtig verfluchen wird, ist es wohl das, was sie als Privileg davonträgt.

Und was ist mit den mittleren Kindern, fragt ihr euch jetzt sicher? Mit den armen und vielumbloggten Sandwichkindern? Ich weiß es nicht. Aus meiner hier dargestellten Sicht sind sie sicher die Verlierer. Ihnen bleibt scheinbar nichts. Aber – und ich stellte mir das wirklich faszinierend und lehrreich, großartig und spannend vor – sie haben etwas, was alle anderen nie von sich behaupten können: Das Wissen darum, wie es ist, große UND kleine Schwester zu sein. Und das im selben Moment! Und auch, wenn ich nicht aus Erfahrung sprechen kann, glaube ich, dass das ganz sicher die ein oder andere geheime Tür im Leben öffnet, die andere Kinder – wenn überhaupt – nur geschlossen zu Gesicht bekommen.

5 Gedanken zu „Die Erstgeborenen und ihre Thronfolgerchen – Privileg oder Pech?

  1. Hallo Katja,
    ich hab ja auch zwei Mädels, aber unsere sind nur 2 Jahre auseinander, deshalb denke ich dass sich die Große wahrscheinlich nie so richtig an die Zeit erinnern wird, als sie noch alleine war. Ich hatte beim Mausemädchen auch eine ambulante Geburt und bin sehr froh darüber, dass wir gleich nach Hause konnten. Mein Mann ist eins von diesen Sandwich-Kindern, dass kann bestimmt auch gut laufen, bei ihm eher nicht so. Ich bin allein mit meiner Zwillingsschwester aufgewachsen und das hat auch so seine Tücken, aber es ist einfach schön als Kind jemanden zum Spielen zu haben, weshalb ich auch kein Einzelkind wollte. Geschwister sind einfach toll, egal in welcher Kombination 🙂

    1. Weißt du was, das sehe ich eigentlich auch so. Geschwister sind was tolles und ich sehe das jeden Tag bei meinen Mädels. Die streiten und ärgern sich, aber die lieben sich auch über alles. Klar muss das nicht so sein und es ist auch nicht klar, dass sie später die besten Freundinnen sein werden, aber ich finde es mega schön. Und diese ganzen Gedanken machen sich doch auch nur die Mamas. Nicht die Kinder selbst 😀

      Liebe Grüße!

  2. Lustig, ich hab 3 Kinder in 4 Jahren bekommen & war auch jedes Mal schockiert, wie „riesig“ so ein Kind auf einmal neben dem Neugeborenen Geschwisterchen wirkte. Und das, obwohl meine Große zum Zeitpunkt der „Entthronung“ erst 1,5 und meine Mittlere erst 2 war, als der kleine Bruder kam. Und jetzt ist dieses Söhnchen grad 3 geworden und wir müssen höllisch aufpassen, dass bei ihm der Baby-Button nicht haften bleibt….:-)

    1. Ja, da kommen mit dem neuen Baby gleich 100kg und 2m auf die größeren Geschwister mit dazu 😀 Verrückt sowas… Ich hoffe und denke ja, dass der Baby-Button mit spätestens 30 abfällt. Hoffen wir es für die Kinder! 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.