Eltern und Kinder

Ein Tag wie jeder andere. Und doch nicht.

Ich bin ja eigentlich nicht so die sentimenale Emobloggerin. Aber heute müsst ihr mir bitte verzeihen, dass ich doch ein bisschen melancholisch werde. Mein erstes Kind wurde vor 6 Jahren und 5 Monaten kurz vor Frühlingsbeginn geboren. Alles war neu, spannend, beängstigend und ziemlich chaotisch. Ihr erstes Lächeln, die ersten Bewegungen, Worte, Schritte, Löffel… Alles ist so unglaublich weit weg und doch so präsent, als wäre es gerade gestern gewesen.

IMG_Schuhe signAls ich sie heute früh zum Kindergarten begleitete, so wie jeden Tag in den letzten dreieinhalb Jahren, war alles wie immer. Und doch nicht. Ihr Platz im Kinderhaus war leergeräumt. Das Namensschild und ihr Bild waren weg. Schon gestern brachte sie eine Riesentüte mit unglaublich vielen Dingen nach Hause, die sich im Laufe der Jahre dort angesammelt hatte. Ihre Gummistiefel. Ihre Regensachen. Handtücher. Viele kleine und große Kunstwerke. Sonnencreme. Wechselkleidung. All die Dinge, die sie jeden Tag dort brauchte. Heute morgen sah ihr Platz aus, als wäre sie nie hier gewesen. Steril und aufgeräumt. Bereit für ein neues Kind. So tapfer ich auch sein wollte, der Anblick dieses leeren Platzes, der die Maus selbst gar nicht so störte wie mich, ließ es nicht zu, meine Tränen zurückzuhalten. Ich konnte gerade noch warten, bis wir uns verabschiedet hatten. So wie immer. Zum letzten Mal. Ein letztes Mal winken an der Zwischentüre. Herzzeichen mit den Fingern machen. Einen letzten Luftkuss durch die Scheibe.

Ich kann sowas ganz schlecht. Ich hänge verdammt verdammt verdammt stark an allem Vertrauten. Sie zu sehen, wie sie diese Woche alles zum letzten Mal machte, zu erleben, wie sie voll Vorfreude auf die Grundschule schaut, aber auch traurig über das ist, was sie verlieren wird, macht mich unglaublich sentimental. Mein kleines Mädchen, das ich gerade erst dort eingewöhnte, geht heute zum allerletzten Mal als Kindergartenkind nach Hause. Zum allerletzten Mal darf sie nur spielen. Nur Kind sein. Nur Spaß haben. Ich trauere ihrer Kindergartenzeit so sehr nach. Weil ich weiß, was jetzt kommt, was jetzt beginnt und was ab jetzt für lange, lange Jahre ihr Alltag sein wird. Sind wir mal ehrlich. Die meisten von uns sind einfach nur froh gewesen, als sie die Schulzeit endlich hinter sich gebracht hatten. Und jetzt soll ich mein Kind in diese Zeit schupsen? In die Zeit des Lernens, des Arbeitens, des Stillsitzens, des Vergleichens, des möglichen Scheiterns? Ich will das gar nicht. Ich will, dass sie spielt und tobt und bastelt und rutscht und schaukelt und sich keine schlimmeren Gedanken machen muss als den, dass XY heute nicht ihre Freundin war. Oder dass es beim Waldtag regnet. Ich will nicht, dass es jetzt wirklich anfängt.

Und gleich werde ich sie abholen. So wie jeden Freitag in den letzten dreieinhalb Jahren. Und doch nicht. Der Abschied heute wird für immer sein. Von ihren Erzieherinnen, Erziehern, ihren Räumen, ihrem Garten, ihren Freunden, die noch nicht zur Schule gehen, von ihrem Alltag. Von dem, was sie kennt. Und dann werden nicht nur ihr Bild, ihr Namensschild und ihre Sachen weg sein. Dann wird auch sie weg sein. Und es wird sein, als wäre sie nie hier gewesen.

Ich bin unendlich froh, dass ab Herbst das Mäuschen ihren Platz dort einnehmen wird. Denn so wird der Abschied – zumindest für mich – nicht ganz so endgültig und hart. Es wird ein kleines Füßchen in der Kindergartentür bleiben, das den Weg, sei es nur für kleine Besuche, offenhält für die Maus. Das erleichtert alles ein Stück. Und zusammen werden wir auch den nächsten Schritt packen. So wie wir alles zusammen gepackt haben von dem Moment an, als die Hebamme mir das kleine, schrumpelige Menschlein in den Arm legte und ich wußte, dass sich jetzt für immer alles ändern wird. Und dieses Ändern hört nie auf. Und das ist eigentlich auch genau das, was alles so wunderschön macht.

13 Gedanken zu „Ein Tag wie jeder andere. Und doch nicht.

  1. Wunderschön, zum heulen, und immer gegenwärtig! Alles ändert sich! Aber eigentlich auch nicht!
    Toll….. Jetzt muss ich ins Bad und alles neu machen…
    Solange wir den Zwergen alles erträglich machen und mit ihnen trotzdem eine schöne Zeit bereiten, dann werden Sie die dämliche Schulzeit auch überstehen!
    Alles wird gut!

    1. Sorry, wollte nicht, dass deine Schminke verläuft. Deswegen hatte ich ja wasserfeste Mascara drauf 😀 Bin ja Profi! Alles wird gut! Ja! <3

  2. Heule gerade eine Runde mit :'(
    Habe eben die Große auch das allerletzte Mal von der KiTa abgeholt. Alle Sachen waren schon zusammengepackt. Der neue Name klebte sogar schon am Garderobenfach.
    Beim Abscgied von den Erzieherinnen konnte ich die Tränchen nich gerade so wegknipern.
    Denn bei uns gibts keinen Fuss in der Tür, stattdessen wir die ganz Kleine am Montag bei ihrem Bruder in einer anderen Einrichtung in die Gruppe kommen.
    Hui.
    *SeufzHachSchnief*

    1. Oh nein, sogar schon ein neuer Name? Das ist ja noch schlimmer! Irgendwie ist das alles schon hart. Aber erklär das mal wem, der keine Kinder hat, der denkt, man hat echt einen an der Klatsche 😀 Euch alles gute!!!!!

  3. Ich habe heute die Anmeldung für meinen Sohn abgegeben und einige weinende Mamis gesehen. Das tat mir wirklich in der Seele weh.
    Ganz schlimm war es für jene, die schon große Kinder und mit der Familienplanung abgeschlossen haben.

    Aber sie haben sich dann auch wieder gefreut, dass ein neues Kapitel beginnt.
    So wie du, offenbar, auch.

    Ich wünsche der Kleinen schöne Ferien und viel Spaß dann in der Schule! 🙂

    1. Ja, ich bin froh, dass es weitergeht. Aber ich bin auch echt froh, dass ich durch die Kleine nochmal drei Jahre Kindergarten geschenkt bekomme jetzt. Aber irgendwann ist halt Schluß. Und irgendwie ist das ja auch ok :/

  4. Oh Mann. Ich werd sogar schon ein Tränchen wegdrücken müssen, wenn die Große in die Kindergartengruppe wechselt in vier Wochen!!!! Gut, dass ich dann noch drei Jahre „Gnadenfrist“ habe …

    1. Das kommt mir auch noch vor die Tränendrüse. In zwei Wochen wechselt das Mäuschen von der Kita in den Kindergarten. Wieder Wechsel. Wieder Tränen. Einfach zu viel für mich 😀

  5. Ich heule mit, Du weißt ja warum. Hier genau das Gleiche. Gestern zum letzten Mal vom
    Kiga abgeholt, Dienstag ist er 6 geworden und beim Abschluss-Gottesdienst als er mit der Schultüte vorne stand und über das ganze Gesicht strahlte, musste ich Rotz und Wasser heulen, das war eine der emotionalsten Wochen für mich.
    Fühl Dich ganz doll gedrückt von mir. Hach die unsichtbare Nabelschnur ist halt einfach noch sehr stark <3
    Herzliche Grüße
    Tanja

    1. Die unsichtbare Nabelschnur… Oh Mann, ja, die ist echt noch sehr stark. Bin gespannt, wie lange noch… Könnte schon wieder heulen. Zum Glück haben wir jetzt erstmal ein paar Wochen Ferien als Heul-Puffer! 😀

  6. Ist das schön geschrieben.. Ich glaube, in drei Jahren würde ich diesen Text gerne noch mal lesen, denn ich bin mir sicher, dann geht es mir ganz genau wie dir.

    Sehr schön geschrieben! Fühl dich gedrückt!
    Ganz bald wird die Grundschule das Vertraute und Normale sein und sicher wird sich deine kleine große Maus dort gut einfinden!

    Liebe Grüße
    Jil

    1. Danke schön <3 Und du hast sicher Recht. Bald wird alles wieder normal und Alltag und sicher. Und darauf freue ich mich schon. So sehr.

  7. Pingback: Ein Tag wie jeder andere. Und doch nicht. - Müttermagazin

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.