Eltern und Kinder

Ein weinendes und ein lachendes JA zum #Kitastreik!

Gestern konnte ich ein langes Gespräch mit der Chefin des Kindergartens führen, in den die Maus seit Jahren geht. Sie und eine Erzieherin im Kleinkind-Bereich erzählten von dem Wechsel in den Anforderungen dieses Berufes, der in den letzten Jahren und Jahrzehnten stattgefunden hat und von dem Problem des Nachwuchses, der bald auf diese Berufsgruppe zukommt.

kindergarten-206883_1280
Quelle: Pixabay.com

Wir wissen alle, worum es geht. Der #Kitastreik erhitzt die Gemüter – oder etwa doch nicht? Auf der Suche nach Fakten und Infos im Netz stieß ich in die letzten Tagen fast ausschließlich auf Hetz-Artikel mancher Medien gegen die „unverschämten“ Forderungen der Erzieher. Auf Berichte, aus denen scheinbar nur eines hervorgehen soll: Dass die Erzieher eigentlich genug verdienen; gar nicht so schlecht verdienen; dass es andere Berufe gibt, die noch schlechter verdienen… Was soll mir das sagen? Genau. Dass es hier ganz klar einen Krieg gibt – der Erzieher gegen das Kind. MEIN Kind.

Früher gab man seine Kinder im Kindergarten ab. Dort saßen sie rum, malten, spielten und die Frolleins passten halbwegs gut auf, dass die Eltern die Kinder in einem Stück auch wieder abholen konnten.
Heute wird das Kind morgens aus der liebevollen Obhut seiner Eltern in die liebevolle Obhut der Erzieher gegeben. Es wird begrüßt, es wird im schon früh morgens deutlich gemacht „Schön, dass du da bist!“. Es wird mit Vertrauen und dem Gefühl des Wichtigseins durch den Tag begleitet. Es gibt Wald- und Wiesentage, es gibt Turn- und Aktionstage, die Sprache wird spielerisch gefördert, Stärken und Schwächen des Kindes werden erkannt, es wird daran gearbeitet und geformt. Wichtige soziale Aspekte werden vermittelt, so dass alle Kinder aus allen Familien denselben Start ins weitere Leben haben dürfen. Naturwissenschaften werden durch Experimente und Ausflüge an die Kleinen herangetragen, erste Fremdsprachen entdeckt, die Freude an Büchern, Märchen und Sagen geweckt. Erste Schreibübungen werden gemacht, dem Kind verdeutlicht „Das kannst du alles schon ganz alleine!“. Es wird auf gesunde und ausgewogene Nahrung geachtet und dem Kind vermittelt, wie es selbst darauf achten und Dinge zubereiten kann. In einem offenen Haus mit über 60 Kindern kennt eine Erzieherin binnen kürzester Zeit nicht nur die Namen aller Kinder, sondern auch die der zugehörigen Eltern. Es werden Elterngespräche geführt, der Kontakt zwischen Kind und Erzieher durch Mamas und Papas erweitert, es wird ausgetauscht und informiert. Persönliche und private Informationen werden hin- und hergereicht, damit das Kind die bestmögliche, individuelle Betreuung erhält.

Ich könnte noch ewig weiterreden. Diese Menschen kümmern sich um unsere Kinder. Sie ermöglichen uns, mit gutem Gewissen in unseren Tag zu starten, Karriereleitern emporzusteigen und doch genau zu wissen, dass unsere Kinder nicht nur gut, sondern bestens aufgehoben sind.

Streik nervt. Aber die Erzieherinnen und Erzieher, die nerven nicht.

Dass der Kindergarten schon wieder geschlossen hat, nervt. Dass die
Erzieherinnen und Erzieher für ihre Arbeit gerne so viel Lohn hätten, dass sie ohne Nebenjobs oder Aufstockung eine Wohnung mieten können, nervt nicht.

Hier geht es ganz klar gegen unsere Kinder. Aber ganz sicher nicht von Seiten der Erzieher – und das darf uns als Eltern auch bitte nicht eingeredet werden.

Sicher krankt in unserem Land nicht nur das. Es ist nicht gut, dass diejenigen, die in Sozial- und Erziehungsdiensten arbeiten und somit quasi ihre Hand auf dem Herz des Landes haben, weniger verdienen als andere. Zu hohe Mieten, zu niedrige Gehälter, zu hohe Ansprüche, zu wenig Verständnis. Bitte alles, aber billig. Egal, was in manchen Medien dieser Tage vermittelt werden soll – die meisten Eltern stehen hinter den Erzieherinnen und Erziehern. Sie tun, was geht. Fordern Gebühren zurück. Nehmen an Demos teil. Nerven Stadt und Bürgermeister durch Briefe und Petitionen. Und ja, sie meckern. Weil es nicht leicht ist, Notbetreuung zu organisieren, die eigenen Chefs bei Laune zu halten oder Urlaubstage zu opfern. Jammern dürfen die Eltern. Aber bitte nie vergessen, um was es hier eigentlich geht: Um unsere Kinder.

4 Gedanken zu „Ein weinendes und ein lachendes JA zum #Kitastreik!

  1. Hallo,

    danke für den differenzierten Artikel: Ich sehe es genauso: Streiks nerven – der Bahnstreik nervt mich, weil ich an manchen Tagen auf den Zug angewiesen bin.
    Der Kitastreik nervt mich, weil ich die Kinderbetreuung dringend benötige, um meinem Beruf nachgehen zu können, der mir meinen Lebensunterhalt sichert.
    Insofern nerven Streiks, da sie mir die Alltagsgestaltung erschweren.
    ABER: Die Forderungen der betroffenen Leute kann ich nachvollziehen und ich unterstütze den Wunsch danach, dass eine Arbeit so entlohnt wird, dass man davon gut leben kann.
    Dass bei der Bahn wie im pädagogischen Bereich seit Jahren einiges im Argen liegt, was die Erfüllung dieses Wunsches angeht, ist ja offensichtlich. Darüber herrscht meistens ja auch Konsens.
    Insofern auch von meiner Seite: Ein zustimmendes, aber auch ein weinendes, weil direkt betroffenes Ja zum Kitastreik.

    Liebe Grüße,
    Lamasus

    1. Liebe Lamasus,

      Ich finde eben auch, dass man Streiks nicht mit „andere verdienen noch weniger“ abtun sollte. Jeder sollte so bezahlt werden, wie es dem Beruf angemessen ist UND dass er davon leben kann. Punkt. Und das gilt für ALLE Berufsgruppen. Spannend, was in Punkto Kita passieren wird. Derzeit streikt dann auch noch die Post. Prost.

  2. Ich habe in den letzten Tag viel gelesen und darunter auch sehr viel herablassendes von Eltern, Politikern und Leuten, denen das ganze Thema am Allerwertesten vorbei geht, aber trotzdem ihren Senf dazugeben müssen.

    Da tut es doch gut mal einen Artikel wie deinen zu lesen. Danke dass du dazu beiträgst unseren Berufsstand etwas aufzuwerten. Ich habe hier mal den Blickwinkel versucht auszulegen der uns Pädagogen so prägt. Denn wir sind mehr als nur Kaffeetrinkende Leute in Cordhosen, die nur alles zerreden wollen. Und solange wir zur höchsten Risikogruppe für Burnouts und sekundäre Traumatisierungen zählen, solange werden wir nicht gehört.

    http://www.mamagogik.de/die-brotlose-kunst-der-sozialen-berufe/

    Danke für deine Stellungnahme und liebe Grüße,

    Sarah

    1. Liebe Sarah,
      stöbere gerade deinen Blog durch. Ganz toll. Und ergreifend. Vielen Dank für deine Worte! Bin gespannt, wohin all das noch führen wird in den nächsten Wochen und Monaten.

      Liebste Grüße

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.