Eltern und Kinder

Freedom’s just another word for nothing left to lose?

Ich weiß gar nicht, ob ich diesen Beitrag hier posten werde. Mal sehen, ob ich halbwegs logische Gedanken aufs virtuelle Papier bringe… Mein Mann und ich gehen super selten aus. Am Freitag war einer dieser Abende. Wir verließen die Wohnung, als gerade gesagt wurde, dass es eine Bombendrohung im Hotel gab, das Spiel aber auf keinen Fall ausfallen würde. Ich wusste noch nicht, was kurze Zeit danach passieren sollte, aber ich fand diese Aussage unheimlich. Oft schon dachte ich bei sportlichen Ereignissen, dass da Geld und The-Show-must-go-on über Sicherheit und Menschen gestellt werden. Aber naja. Als wir Stunden später nach Hause kamen, total ahnungslos, standen alle Menschen auf dem Spielfeld und wir erfuhren, was passiert war.

eye-447428_1920
© by Pixabay

Heute ist Montag und alles geht seinen gewohnten Gang. Die Kinder, die nichts von alldem mitbekommen haben, weil ich einfach nicht wusste, wie ich das einer Drei- und einer Sechsjährigen sagen sollte, sind in Kindergarten und Schule und ich arbeite hier meine Dinge ab. Aber meine Gedanken sind so gar nicht im Alltag. Ich habe Angst. Und mache mir Sorgen. Frankreich fliegt geballte Angriffe. In Paris ist nichts mehr wie vorher. Aber was ich einfach nur schlimm finde ist, dass die Menschen, die seit Wochen zu uns strömen, um genau diesen schrecklichen Anschlägen zu entgehen, jetzt für diese verantwortlich gemacht werden. Mir tut das in der Seele weh. Ich stelle mir vor, dass genau das, was in Paris passierte, Alltag in so vielen Städten und Ländern ist. Die permanente Angst davor, dass eine Rakete alles zerstört. Sich ein Selbstmordattentäter in die Luft sprengt. Dass deine Kinder nicht mehr nach Hause kommen. Was ist nur mit den Menschen los? Und was ist los, dass der Hass immer größer wird anstatt die Menschen nach solchen schwarzen Tagen einfach näher zusammen zu bringen? Ich verstehe all das nicht. Wie soll ich das meinen Kindern erklären, wenn ich es mir selbst nicht erklären kann?

Unser Land, unsere Geschichte, hat Millionen von Menschenleben auf dem Gewissen. Menschen, die wegen ihrer „Rasse“, ihrer Religion oder einfach wegen ihrer Einstellung ausgelöscht wurden. Und heute gehen immer mehr Menschen auf die Straße und wünschen sich den Tod von unschuldigen Moslems, die nichts mit dem psychopathischen Irrsin von IS und Co. zu tun haben?! Jahrzehntelang kämpften wir Deutschen darum, nicht mit den Bestien des dritten Reichs in einen Topf geworfen zu werden. Und heute schaffen es ironischerweise eine Menge Deutsche genau dahin zurück, indem sie andere in einen Topf mit Bestien werfen, in den DIESE nicht gehören…

Heute morgen schaute ich aus dem Fenster, die Sonne schien und alles sah so normal aus – und ich fragte mich, ob es eine gute Idee war, Kinder auf diese beschissene Welt gesetzt zu haben und sie eines Tages allein mit all dem  Mist lassen zu müssen, den wir ihnen gerade einbrocken und eingebrockt haben. Mit unseren Kriegen, mit unseren Ausbeutungen von ärmeren Ländern, mit unseren Waffenlieferungen und den falschen Freundschaften, die die Politik tagtäglich knüpft.

Ich habe große Angst vor all dem, was gerade passiert. Und ich habe große Angst vor Krieg. Doch am meisten habe ich vor den Menschen Angst, die eben keine Angst vor Kriegen haben. Die sie fordern und laut danach rufen. Und das sind heute längst nicht mehr nur die Kämpfer von IS und anderen Terrororganisationen. Die Rufe werden überall lauter.

Gewalt erzeugt Gegengewalt, hat man dir das nicht erklärt?

So singen es die Ärzte in ihrem Schunder-Song. Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn ich die Entscheidungen fällen müsste. Auge um Auge? Die andere Wange hinhalten? Den Kindern sagt man, dass Gewalt keine Lösung von Konflikten ist. In unserem Alltag lernen sie gerade, dass sie die einzige Antwort sein muss. Ich bin müde und ahnungslos und weiß einfach nicht mehr weiter. Ich weiß, ich bin nicht alleine mit meinen Ängsten und Sorgen, aber ich fühle mich gerade so.

Wo soll das enden? Endet es überhaupt? Ich weiß nichts… Ich weiß nur, dass ich will, dass wir die Menschen, die zu uns kommen und Frieden suchen, nicht alleine lassen. Gerade jetzt nicht! Das will ich nicht. Wir müssen sie unter unsere Fittiche nehmen und dem Bösen da draußen gemeinsam zeigen, dass es uns einfach nicht kriegen wird! Und ich hoffe und wünsche mir und vor allem meinen Kindern, dass das nicht nur ein naiver Wunsch ist und bleibt. Das darf es einfach nicht…

2 Gedanken zu „Freedom’s just another word for nothing left to lose?

  1. Danke.
    Danke für deine ehrlichen Worte.
    Nein, du bist mit diesen Gedanken, Ängsten und Sorgen definitiv nicht alleine..
    Mir gehen auch genau diese Gedanken durch den Kopf…
    Unfassbar.

  2. Sehr schön geschrieben. Ich habe auch einen sechsjährigen Sohn. Ich habe die gleichen Ängste und die gleichen Hoffnungen für mich und vor allem auch für ihn.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.