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FREIIIIHEIIIIT! – Gastartikel

Heute habe ich einen ganz besonderen Gastartikel für euch. Mein Mann hat den mutigsten aller Schritte gewagt (<3) und wollte unbedingt den Männern unter euch davon berichten!  Und vielleicht denkt der ein oder andere Mann ja auch darüber nach und ist froh, mal einen Insider-Bericht zu lesen. Aber jetzt: Viel „Spaß“ beim Lesen! 😉

 

Operation: Piephahn. Der Weg zur Freiheit

 

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Quelle: Pixabay.de

 

Mein gesamtes Sexualleben lang habe ich mich für die Verhütung mitverantwortlich gefühlt – wobei man als Mann dabei leider nicht die besten und sichersten Werkzeuge zur Hand hat : Tage zählen, dem seligen Onan nacheifern oder Kondome benutzen und da erschöpft sich schon das Repertoire für den interessierten jungen Beischläfer.
Verschärft wird die Verhütung aus männlicher Sicht außerdem dadurch, dass man der ein oder anderen Frau, der man in seinem Leben begegnet, aus den unterschiedlichsten Gründen diese lebenswichtige Aufgabe nicht wirklich alleine überlassen will. Gegen gerissene Kondome hilft es, sie selbst anzulegen und die richtige Größe zu kaufen. Und trotzdem findet man sich doch häufig am Ende eines Zyklus wieder und wartet auf die befreiende Nachricht…


Der Weg zur Entscheidung

Als ich mit der Grummelmama zusammenkam, nahm sie die Pille. Und ich hatte das Gefühl, ihr vertrauen zu können. Somit war ich erstmal raus und konnte mich ein paar Jahre zurücklehnen und sie machen lassen. Irgendwann wollte sie nach Jahren die Hormonbehandlung absetzen, was kein Problem war. Wir waren alt genug, lang genug zusammen, fast mit dem Studium fertig und wollten sowieso eines Tages Nachwuchs, so dass es uns nicht mehr als Drama vorgekommen wäre, wenn eine Schwangerschaft eintreten würde. Somit war ich wieder mit drin – wenn auch die faktische Folgenlosigkeit das Eingehen des Risikos erleichterte. Nie ging etwas schief. Das erste Wunschkind wurde geboren und für mich war von Anfang an, für die Frau erst im Laufe der Zeit, klar, dass ein weiteres folgen würde. Das Zweite Wunschkind kam und für mich war ein Drittes nicht ausgeschlossen, aber bei der Frau setzte kein erweiterter Kinderwunsch mehr ein. Damit war das Risiko wieder Manifest und die Frage, ob man an Zyklustag 8 ein Kondom benutzt oder nicht, konnte zu Zitterpartien 3 Wochen später führen. Da für mich schon lange klar war, dass ich meine Kinder im maximal 5- Jahresabstand bekommen wollte (irgendwann will man ja auch mal mit Windeln, Fläschchen, etc. durch sein) und ich mir auch in einem worst-case Szenario mit einer anderen Frau keine kleinen Kinder im hohen Alter vorstellen kann, kam für mich endlich die einzige sichere Verhütungsmethode für den Mann in Frage: die Vasektomie.

Schon immer habe ich damit geliebäugelt und schon kurz nach der Geburt von Nr.2 habe ich mir eine Liste der Urologen im Umkreis besorgt, die den Eingriff durchführen. Ich habe allerdings noch gewartet, ob sich neuerdings ein Kinderwunsch ergibt. Der kam nicht. Also war meine Zeit gekommen.

Sich über das Ergebnis eines Eingriffs im Klaren zu sein und dann aber wirklich jemand wildfremden mit Schnittwerkzeugen und Laser am Allerheiligsten rumschnippeln zu lassen, sind allerdings doch 2 Paar Schuhe^^.


Der Ablauf

Meine Wahl fiel auf einen Arzt in 40 km Entfernung, der viel Werbung im Internet macht und dadurch den Eingriff auch häufiger durchführt (nach eigener Aussage ~350 mal im Jahr). Er wendet eine noscalpel Methode an, mit anschließender Verödung der Samenleiterstümpfe mittels Laser. Das ist  nach aktuellem Kenntnisstand die schonendste und sicherste Methodenkombination und durch die Häufigkeit der Eingriffe sollte mein Operateur so gut wie alle denkbaren und undenkbaren Eventualitäten schon einmal gemeistert haben. Die Sprechstundenhilfe hatte mir den Patientenaufklärungsbogen zugeschickt und ich sollte meinen Urologen erst kurz vor dem Eingriff kennenlernen. Alles war klar und zu meiner Zufriedenheit, die technischen und medizinischen Fragen waren Überschaubar, die Risiken – auch im Verhältnis zu anderen denkbaren Methoden für die Frau – geradezu lächerlich. Und trotzdem dauerte es nochmal zwei Monate, bis ich mich traute, einen Termin zu machen. Und bis dahin dauerte es noch einmal über zwei Monate.
Aus Erfahrung telefoniert die Praxis die Männer am Tag vor dem Eingriff nochmal ab, um grob abschätzen zu können, wer wirklich kommt und wer einen Spätrückzieher macht… Ich hatte mich mit meinem nahen Tod abgefunden und wollte vorbeikommen. In der Praxis stellte sich mein Arzt als sehr sympathisch heraus (puh, zum Glück), kurze Untersuchung und letzte Fragen, mitgeteilt, dass ich ihm bei der Arbeit auf die Finger gucken werde, fand er super – und schon saß ich desinfiziert auf dem Gynstuhl. Das Übelste war die Spritze zur Betäubung, die durch den Hodensack in die Leiste hoch gesetzt wurde, wobei einerseits die Nadel, andererseits der Druck durch das doch recht hohe Volumen an Betäubungsmittel schmerzten. Nach 5 min war alles taub, ich bekam ein höheres Kissen, um besser sehen zu können und dann gings los.
Bei der NoScalpel-Methode wird kein Schnitt gemacht, sondern die Haut mit einer Art leicht angeschärfter Aderklemme so gespreizt, dass sie ein kleines Stückchen aufreißt (das ist schonender als zu schneiden, da das Gewebe an der schwächsten Stelle reißt und so seltener große Gefäße verletzt werden). Durch dieses Loch werden nacheinander die Samenleiter herausgezogen, ein Stückchen rausgeschnitten, verödet und abgebunden. Das Loch wird mit einem Stich genäht – und dann kann man gehen.

Mein erster Weg führte mich mit der U-Bahn zur lokalen Casa del Habano, wo ich bei Zigarre und Rum das Ende meiner Fertilität gleichzeitig feierte und betrauerte.

Die ersten zwei Tage hatte ich leichte Schmerzen, so dass ich zum Schlafen Ibuprofen nahm, drei weitere Tage hatte ich keine Schmerzen mehr, aber spürte meine Hoden deutlich. Gelaufen bin ich die erste Zeit wie John Wayne. Danach war alles gut, am Anfang spürt man noch ein bisschen was, und irgendwann vergisst man es.
Die Proben danach, die alle paar Wochen gemacht werden, waren alle negativ und bisher bereue ich meinen Schritt nicht und freue mich unglaublich über die völlig sorgenfreie Zeit. FREIIIIHEIIIIT!!!!!

5 Gedanken zu „FREIIIIHEIIIIT! – Gastartikel

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  3. Da hab ich doch ein wenig schmunzeln müssen ;o)
    Sehr gut geschrieben!
    Ich werde mal gaaaaaanz zufällig die Seite nachher offen lassen *hust*

    Liebe Grüße,
    Sandy

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