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Gastgrummler (3): Windelteufel

Weil ich hier zu Hause gerade alle Hände und Füße voll mit kranken Kindern, eigenen Allergien und tausend Kleinigkeiten zu tun habe, freue ich mich heute besonders über den Besuch von Marisa von Der Teufel trägt Windeln bei mir. Ich mag ihre Seite echt gerne, sie schreibt mir oft aus dem Herzen und auch bei ihrem Gastgrummel-Beitrag heute musste ich mehrmals laut aufkichern, weil ich mich so oft selbst erkennen konnte! Aber ich will nichts verraten! Besucht sie einfach mal auf ihrer eigenen, sehr schönen Seite – und ansonsten wünsche ich euch viel Spaß mit dem Gastbeitrag von Marisa:

 

Die Mutter, die ich sein wollte

Bevor  oder während man Mutter wird, hat man ja meistens eine Vorstellung davon, wie man so als Mutter ist. Es gibt Mütter, die sehen sich von vornherein als Supermutti und werden es dann auch. Es gibt Mütter, die denken, sie werden eine schlechte Mutter und werden es dann auch. Und es gibt Mütter, die denken, sie werden eine Supermutti und werden es nicht. Dazu gehöre ich. Aber wir wollen mal nicht übertreiben.

Ich bin schon okay. So als Mutter. Aber eben auch nur okay, bestimmt nicht super.

 Mein Bild von mir als Mutter war aber auch völlig unrealistisch. Ich dachte, ich bringe ohne PDA und dabei leicht verschwitzt, aber wunderhübsch aussehend, gesunde, süße, ausgeglichene, glückliche Kinder zur Welt. Wenn sie dann da sind, gebe ich ihnen, was sie brauchen. Ich stille nach Bedarf, trage sie die ganze Zeit durch die Gegend, summe schöne Einschlaflieder und koche ihnen Bio-Pastinaken. Außerdem spiele ich total pädagogisch tolle Sachen mit ihnen. Wir basteln Adventskränze, bemalen Ostereier, machen Abdrücke von unseren Händen mit Fingerfarbe und lesen abends beim Schein der Taschenlampe Geschichten.

 Außerdem gehe ich natürlich nach dem Jahr Elternzeit wieder arbeiten und bin da sehr, sehr erfolgreich. Jaha!“Vereinbarkeit“ ist mein zweiter Vorname! Und natürlich kümmere ich mich auch weiterhin liebevoll um meinen Mann und wir gehen mindestens ein mal die Woche zusammen aus und lachen dann den ganzen Abend und schwärmen von unseren wundervollen Kindern. Und ich bin auch ganz schlank. Das Stillen nutze ich zum Abnehmen und sehe blendend aus.

Heidi Klum fragt mich, wie man nach der Schwangerschaft so schnell wieder fit wird.

Meine Kinder wollen immer nur mich, Papa darf sie bespielen und sie durch die Luft schleudern, aber wenn es ans Eingemachte geht, wenn sie müde sind, krank oder einfach nur Aua haben, dann ist Mama gefragt. Ach ja und dazu backe und koche ich auch noch ganz toll. Wir haben ständig Gäste, denen ich die tollsten Gerichte zaubere, während die Kinder selig schlafen. Wenn mein Kind trotzt, reagiere ich verständnisvoll und ruhig. Ich erkläre meinem Kind warum ich dies so und jenes so mache und warum es wichtig ist, dass er das jetzt besser nicht macht (die Gabel in die Steckdose stecken) und doch lieber das machen soll (die Gabel in die Nudeln stecken). Ach so und bevor ich es vergesse, ich behandle natürlich meine beiden Kinder völlig gleich. Keins wird bevorzugt, neeeein.

 So und jetzt bitte aufwachen. Genug geträumt. Jetzt kommt die knallharte Realität. Denn mit mehreren Sachen habe ich einfach vorher nicht gerechnet.

 1. Manchmal (in meinem Fall immer) müssen Kinder per Kaiserschnitt auf die Welt kommen.

2. Es gibt so was wie Schreikinder WIRKLICH.

3. Basteln ist echt nicht mein Ding.

4. So was wie Vereinbarkeit existiert nicht. Zumindest nicht in meiner aktuellen Welt.

5. Nach einem normalen Tag ziehe ich die Couch den Ausgeh-Highheels vor.

6. Mit Stillen nimmt man nicht ab, wenn man jeden Tag dazu ganz viel Schokolade isst.

7. Manchmal (in meinem Fall immer) ist Papa die bessere Mama.

8. Manchmal kann man mit Kindern einfach nicht reden.

 So und da bin ich nun. Die Mama, die ich bin. Ein paar Sachen habe ich schon umgesetzt, ich habe beide Kinder gestillt und ich habe sie auch (ein bisschen) getragen, aber der Rest? Immer wenn ich mir besonders viel Mühe gebe und denke, ich koche was, was die Kinder auf JEDEN FALL mögen müssen, kommt der Große um die Ecke und sagt „Aber ich mag nichts Grünes in meinem Eierkuchen!!!“ und fängt an, den Spinat aus dem Omelett zu pulen. Dann gibt es halt doch wieder nur Fischstäbchen mit Ketchup und dazu den Kartoffelbrei aus der Tüte. Und basteln? Ich habe dazu einfach nicht die Geduld. Ich kann meinem armen kleinen Sohn nicht zusehen, wie er einen Liter Klebstoff auf einen Adventskranz kippt und dabei lächeln und sagen „Das sieht aber tooooll aus!“

Allein das mit dem Lesen klappt ganz gut.Abends lauschen die beiden andächtig meinen vorgelesenen Geschichten. Allerdings verzichten wir auf die Taschenlampe, weil die Kinder sich entweder darum streiten oder sich damit gegenseitig die Köppe einhauen.

 Und auch sonst ist gegen Abend mehr Drama als Romantik angesagt. Gestern sagt doch der Große zu mir „Nein, ich will noch nicht ins Bett. Und wenn ich nein sage, dann meine ich nein!“ Da war ich dann doch mal leicht sprachlos und wusste nicht, ob ich lachen oder weinen sollte. Ich guckte dann mal fragend „rüber“ zu der perfekten Mutter, die ich sein wollte, und sie zuckte auch nur mit den Schultern. Weiß halt auch nicht alles, die blöde Kuh.

4 Gedanken zu „Gastgrummler (3): Windelteufel

    1. Hallo Anne! Besser spät als nie geantwortet… Der Adventskranz wurde natürlich nicht entsorgt, sondern schmückte 4 Sonntage unseren Frühstückstisch. Das kann ich dann auch nicht. Er war ja so stolz…. Deinen Test muss ich mal machen, bin gespannt.
      Viele liebe Grüße, Marisa

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