Eltern und Kinder ·Erziehung ·Gesellschaft und Politik

Glaube oder Wissen – und welchen Weg ich mit meinen Kinder gehe

Glaube. Ein kleines großes Wort. Mein großes Kind betete bisher, wenn es sich etwas sehr, sehr wünschte. Zu Gott. Und zu Allah. Vorsichtshalber. Bisher hat es immer geklappt und die Maus war entzückt. Ich finde das ganz reizend und toll und freue mich zu sehen, wie sowas auch laufen kann, wenn man sich nicht einmischt. Aber leider bleibt das ja nicht so und früher oder später wird sich jemand einmischen – und das kann unschön werden.

Glaube
by pixabay.com

Katholisch oder wie oder was?

Unsere Kinder sind katholisch getauft worden. Oder „christlich getauft in der katholischen Kirche“. Ich selbst bin evangelisch, wurde von Klasse 5-13 in einer katholischen Privatschule (auch von Schwestern) unterrichtet (klingt jetzt so hochtrabend, war es aber gar nicht!), glaube aber in dem Sinn nicht an Gott. Oder doch? Nein. Oder? Es ist schwierig. Denn ich bin nicht ein Ungläubiger à la „Ich glaube nur, was ich sehen und anfassen kann oder was naturwissenschaftlich belegt ist“. Gar nicht. Ich glaube an vieles. Oder wie ich es lieber ausdrücke, ich bin mir vielem ganz sicher. Denn das ist es irgendwie, was mich am meisten stört, dieses eine kleine und doch so wichtige Wörtchen. GLAUBE. Wenn mich also jemand fragen würde, woran ich denn glaube, dann würde ich anworten „Ich bin mir ganz sicher, dass eine Art Jenseits oder Himmel oder ‚woanders‘ existiert, in dem man die Menschen, die man liebt, eines Tages wiedersieht“. Aber im gleichen Zug bin ich mir sicher, dass keine höhere Macht existiert. Dafür gibt es mir einfach zu viel Bullshit auf der Welt, der sich nicht immer mit lustigen Bibelstellen schönreden lassen kann. Auf der anderen Seite ist es schon so, dass ich oft von „Schicksal“ rede. Ist das dann nicht auch eine Art „höhere Macht“?

Ich glaube an die junge Frau Maria – oder so

Ich weiß nur, dass ich nichts weiß. Und dass ich mir nicht sicher bin. Und dass ich als Kind glaubte, wie man eben glauben soll und wie man es einem beigebracht wird – aber eines Tages merkte, dass mir da viel zu viele Ungereimtheiten herumschwirrten. Ich begann, nachzufragen – und das wurde auf meiner katholischen Privatschule so gar nicht gerne gesehen. Das störrische evangelische Mädchen fragt katholische Religionslehrer, ob es denn nicht seltsam sei, dass die Kinder von Adam und Eva Kinder bekommen hätten. Ob es denn überhaupt sein kann, dass es einen Gott gibt, wenn überall auf der Welt Kinder leiden und sterben. Ob Maria wirklich eine Jungfrau gewesen sein kann – oder ob es ein Übersetzungsfehler war, in der „junge Frau“ zu „Jungfrau“ wurde. Meine Fragen wurden immer aufdringlicher und die Antworten immer unbefriedigender. Ich lernte, dass man die Bibel und diese Glaubensfragen eben nicht hinterFRAGEN durfte. Zumindest nicht als 14 Jahre altes Mädchen. Vielleicht als Theologe. Das störte mich irgendwann gewaltig. Zur Konfirmation ging ich, weil man das eben so tat – aber schon da nicht mehr aus Überzeugung.

Ich bin heuchlerisch und das ist auch gut so – Religion als Traditioon

Irgendwann war ich soweit, dass ich mich einfach selbst fragte, was mir all das denn überhaupt bringt. Und OB es mir eigentlich etwas in meinem Leben gibt. Die Antwort war „Nein.“ Ich mochte es nicht mehr, dass die Menschen sich in meinen Augen erniedrigten, um einer für mich seltsamen Gottheit zu gefallen. Dass wegen einer vielleicht erfundenen Sache täglich so viele Menschen sterben mussten. Also ging ich nur noch in die Kirche, wenn ich eingeladen wurde, zu Taufen oder Hochzeiten. Nicht zu Weihnachten, nicht zu Ostern. Gar nie. Merkwürdig fanden dann alle, dass ich kirchlich heiratete und taufen ließ. Aber nicht wegen Gott. Oder der Kirche. Ich heiratete in DER katholischen Kirche (ja, als evangelisches Gewächs), in der ich meinen Einschulungsgottesdienst fürs Gymnasium hatte, all die Jahre über normale Gottesdienste erlebte und in der meine Schule auch das Abitur feierte. Ich fühlte mich diesem Ort einfach nah und zugehörig. Es passte. Und wie unser Pfarrer sagte „Niemand kann Hochzeit so gut wie die katholische Kirche“. Heuchlerisch von mir, ich weiß. Aber es hat mir trotz des „Unglaubens“ sehr viel bedeutet. Und meinen Kindern wollte ich mit der Taufe einfach einen Weg ebnen. Meine Taufe, auch wenn es „nur“ die evangelische Kirche war, ermöglichte es mir damals, auf meine Schule zu gehen, was mir viel bedeutete. Klar könnte man sich auch später noch für diesen Weg entscheiden. Aber wir machten es so. Auch für den Großteil der Familie…

Kommunion im Hause Grummel

Im April geht nun die Maus zur Kommunion. Noch mit viel Liebe und Überzeugung. So wie ich in ihrem Alter. Und ich werde sie unterstützen und ihren Weg so lange begleiten, wie sie ihn geht und wie es mir möglich ist. Denn eins habe ich in meinen stolzen 38 Jahren auf dieser teils doch sehr intoleranten Welt gelernt: Glaube ist etwas, was wächst. Was persönlich ist. Was sich verändert. Und vor allem ist es etwas, was ich respektieren, tolerieren und akzeptieren möchte – solange es keinem anderen Menschen schadet. Mir ist es gleich, welchen Weg meine Kinder gehen. Ob sie wie ich eines Tages kritische Fragen stellen und ihr eigenes Ding finden. Und bis dahin beantworte ich Fragen nach „War das und das wirklich so und so?“ immer mit „Was glaubst du denn?“. Denn DAS ist es, was Glauben ausmacht. Nicht mehr, aber auch kein Stück weniger.

***

Was ich NICHT möchte ist aber, dass meinen Töchtern jemand vorschreibt, was sie zu glauben haben. Wie sie sich fühlen sollen dabei – oder wie sie ihren Glauben leben müssen. Denn DAS ist dann ein Punkt, an dem das, was ICH über diese ganze Glaubenssache denke, stark ins Wanken gerät. Nämlich diese eine Sache, die diesem einen Menschen helfen soll, besser durch bestimmte Momente im Leben zu kommen. Und da hat sich meiner Meinung nach niemand einzumischen.

 

2 Gedanken zu „Glaube oder Wissen – und welchen Weg ich mit meinen Kinder gehe

  1. Schöner Text! Ich kenne Menschen, die sehr religiös erzogen wurden und dann durchs Theologie-Studium nach und nach von der Kirche und teils auch dem Glauben an sich abrückten. Kritisches hinterfragen überstehen m.E. die wenigsten Religionen (oder überhaupt nicht, aber da kommt es sicher auch immer auf die Art des Hinterfragens und der Suche des Einzelnen an).

    Ich bin als 10-Jährige auch zur Kommunion gegangen, weil ich gespürt habe, dass meine Mama das gerne hätte. Und natürlich auch wegen dem schicken Kleid und den Geschenken. 😛 Schon wenige Jahre später hätte ich mich anders entschieden. Kommunion finde ich echt ziemlich früh für Kinder, als dass sie es allein entscheiden könnten. Unsere Kinder sind auch aus demselben Grund nicht getauft: Wenn sie später mal einen Zugang zur Religion finden sollten, sollen sie es selbst entscheiden.

    Ich selbst habe heute gar keinen Zugang zum christlichen Glauben oder der christlichen Gemeinschaft. Mir existiert da auch einfach immer zu viel Doppelmoral (gerade bei den Katholiken). Ich finde es aber schön, dass das Hübchen in der evangelischen Kita auch ein bisschen was vermittelt kriegt. Das gehört für mich auch zur Bildung dazu. Und die Kindergottesdienste sind eh immer mehr Chaos als alles andere. 😉

    1. Hey! Dank dir 🙂 Doppelmoral ist ein wichtiges Wort bei diesem Thema. Das ist, was mich auch sehr stört und immer schon gestört hat, schon bevor ich das in Worte fassen konnte. Ich sehe die ganze Sache mittlerweile wirklich als eine Art gesellschaftliche Tradition, die man pflegt, weil sie schön ist. Ich picke mir da quasi die Rosinen raus. Denn solange man auf öffentlichen Schulen doch noch den Religionsunterricht hat, kann man da sowieso keinen richtigen Bogen herum machen… Bildung und Religion (eher: die ReligionEN) gehört für mich auch zusammen. Da würde ich in Schulen das Fach Religion streichen und „Weltreligionen“ oder „Religionswissenschaften“ dafür anbieten… Aber mich fragt ja keiner!

      Liebe Grüße!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.