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#Glückskind – Einen Blick aufs eigene Leben wagen

Vor einigen Tagen verfasste Kerstin von Chaoshoch2 einen Artikel, der mir ans Herz ging. Mir etwas bedeutete. Sie selbst sagte darüber, dass die Idee nicht sehr revolutionär sei – und doch ist sie so wichtig und wird viel zu selten umgesetzt. Sie schrieb darüber, was für ein #Glückskind sie eigentlich ist. Mit wieviel Freude und Glück ihr Leben erfüllt ist. Und genau das möchte ich heute auch tun. Es wird nämlich viel zu viel gejammert.

Glückskind
by pixabay.com

#Glückskind

Ich bin auch ein Glückskind. Und da brauche ich zunächst gar nicht in meine Familie oder in meinen Freundeskreis zu schauen. Ich habe ein Dach über dem Kopf, schlafe nachts im Warmen in einem kuscheligen Bett, habe jederzeit genug zu Essen und mir und meinen Lieben steht jederzeit eine medizinische Versorgung zur Verfügung. Ich weiß jetzt und in diesem Moment genau, wo die Menschen sind, die ich liebe. Ich lebe in einem Land ohne Krieg. Und all dieser riesengroßen Kleinigkeit bin ich mir immer und immer bewusst. Immer schon. Als Teenager legte ich mich im Winter nachts manchmal so lange auf die Decke, bis mir richtig kalt war und dachte an all die Menschen, denen es jede Nacht so geht und die nicht das Glück haben, danach unter die warme Decke schlüpfen zu können. Seltsam? Vielleicht. Aber ich wollte mir solche Dinge immer wieder verdeutlichen.

Ich habe alles

In meinem warmen Bett liegt ein Mann neben mir, mit dem ich dieses Jahr 18 Jahre meines Lebens zusammen bin; im März 9 Jahre davon verheiratet. Ein Mann, den ich unendlich liebe. Mit dem ich zwei wundervolle Töchter habe, die gesund und frech, lustig und chaotisch sind und die mit unserer Liebe durch ein bisher sorgenloses und freies Leben gehen dürfen, in dem wir ihnen alles in unserer Macht stehende ermöglichen.  Ich habe wundervolle Eltern, die jederzeit für mich da sind. Bedingungslos. Eine liebevolle Familie und die besten Freundinnen, die ich mir nur wünschen kann. Freunde fürs Leben. Fürs Herz, für die stillen und weniger stillen Momente, fürs laute Lachen und fürs leise Weinen. Nicht selbstverständlich.

Glück ist überall – man muss nur hinsehen

Sicher könnten wir mehr Geld verdienen. Wir könnten eine größere Wohnung haben. Menschen rechts und links neben mir haben große Häuser, fliegen ständig in Urlaub, haben mehr Geld und Beziehungen, als wir je haben werden. Aber auf diese Menschen bin ich nicht neidisch. Ich vergleiche mich nicht mit ihnen. Ich jammere und bedauere mich nicht, weil ich weniger habe als sie. Ich denke an die Menschen, die nichts haben. Menschen, die im Krieg leben. In ihrem Land, aber auch innerhalb ihrer Ehen oder Familien. An Menschen, die in Armut und Krankheit leben, auf Müllkippen und in Slums. Aber auch an den Mann, der unter der Unterführung in der Stadt schläft und in der Nacht friert. Ich denke an Menschen, die verbittert und lebensmüde sind, die ihre Zeit damit verschwenden zu neiden und zu hassen. Und dann sehe ich mein Leben und bin so unendlich dankbar.

Versteht mich aber nicht falsch!

Sicher ist das nicht immer die Lösung für alle Sorgen. Das weiß ich. Und jeder von uns hat auch das Recht, seine eigenen Probleme belastend zu finden, auch wenn es anderen noch schlechter geht. Das meine ich auch gar nicht. Überhaupt nicht. Ich meine eher das Wahrnehmen von Selbstverständlichkeiten, die eigentlich keine sind. Es wird IMMER jemanden geben, der mehr hat als man selbst. Sich immer nur nach oben zu orientieren macht auf Dauer aber nur traurig und verbittert. Aber sicher tut kein gebrochenes Herz oder Bein weniger weh, weil andere nie geliebt haben oder ohne Beine zur Welt kamen. Das sind zwei verschiedene Dinge und ich hoffe, ihr versteht mich richtig.

***

Auch in meinem Leben ist nicht alles rosarot. Es ist auch nicht immer alles geradeaus und perfekt gelaufen. Ich habe meine Probleme und Sorgen, meine Krankheiten und Ängste. Jeder von uns hat das. Egal ob reich oder arm, erfolgreich oder nicht. Aber es ist MEIN Leben. Das (wahrscheinlich) einzige Leben, das ich habe. Und sollte ich keine größere Wohnung mehr bekommen oder mehr Geld und Erfolg, dann ist das okay. Denn ich bin schon ein Glückskind. Ich muss mir nur die Chance geben, das auch immer wieder zu erkennen.

2 Gedanken zu „#Glückskind – Einen Blick aufs eigene Leben wagen

  1. So ein schöner Text. <3

    Und ich überlege wirklich, mir mehr oder weniger regelmäßig schreibend mein eigenes Glück vor Augen zu führen. Das löst zwar nicht alle Probleme, aber es macht sie leichter auszuhalten.

    Danke!

    1. Ja! Deswegen war ich auch direkt in deinen Text so verliebt. Man jammert und beschwert sich so oft und sieht oft nur die schlimmen Dinge im Leben und auf der Welt. Kann man machen. Bringt einen aber doch so gar nicht weiter! Und ich möchte nicht erst sehen, was man alles hatte, wenn man es verloren hat (TOI TOI TOI!!!).

      Dank dir <3

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