Eltern und Kinder

Helft, wo Hilfe gebraucht wird! Oder haltet eure Klappe!

Ich schrieb schon vor ein paar Wochen über das Thema Flüchtlinge und Migranten und dass meine große Tochter fragte, warum „wir denn keine Flüchtlinge wollen“. Langsam aber sicher ist dieses Thema wirklich ausgeartet. Ich lese jeden Tag im Netz so viele Kommentare, die voller Hass, Ablehnung und von schlimmen Gerüchten geschwängert sind, dass ich wirklich nicht weiß, wohin das alles noch führen soll. Es macht mir gelinde gesagt eine Scheiß-Angst.

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© Pixabay

Keiner von uns leugnet, dass es in Deutschland auch „Armut“ und Not gibt. Aber wir haben ein unglaublich gut funktionierendes soziales Netz.
Und auch wenn viele Menschen der Meinung sind, dass mit dem richtigen Verhalten in Bezug auf Geld niemand zur Tafel müsste (günstiger einkaufen, mehr selbst kochen, weniger unnötige Ausgaben), existieren doch zumindest Tafeln und Hilfsstellen.
Und auch wenn es viele Menschen in Deutschland gibt, die auf der Straße leben, so MÜSSTEN sie es nicht. Viele schaffen es vielleicht nicht, sich um die nötigen Behördengänge zu kümmern oder wollen absichtlich nichts von dem verhassten Staat haben.
Und auch wenn wir in Deutschland Arbeitslosigkeit und Wohnungsknappheit haben, so muss hier niemand um sein tägliches Überleben kämpfen. Nicht ums nackte Überleben.

Ich kann die ganzen Aussagen, dass wir hier genug Elend haben, uns doch auch keiner hilft und wir doch besser unserem eigenen Volk helfen sollten, nicht mehr lesen und hören. Geht jemand von diesen Tiradenschwingern hin und fragt einen Obdachlosen, warum er obdachlos ist und ob er ihm helfen kann? Jeder darf schließlich da helfen, wo er Hilfsbedürftigkeit vermutet. Teilt jemand von den Hatern und Stänkerern sein Mittagessen mit den Kindern von H4-Empfängern, weil das Essen der Tafeln ja ach so menschenunwürdig und ungenießbar ist? Ich glaube nicht.
Und ja, es gibt schwarze Schafe unter den Flüchtlingen und Asylbewerbern, Asylanten und ausländischen Mitbewohnern – oder wie immer ihr sie nennen wollt. Sie stehlen. Sie werden übergriffig. Und ganz sicher finde ich das weder gut noch will ich das entschuldigen. Aber manchmal sollte man sehen, woher diese Menschen kommen. Wie hart sie bisher täglich ihre eigene Haut retten und um die Grundversorgung kämpfen mussten. Welche Ausreden haben die deutschen Kriminellen? Langeweile? Ist das Vergehen von einzelnen Menschen ein Grund, alle zu hassen und keinem mehr helfen zu wollen? Ich denke nicht.

Muss es wirklich soweit kommen, dass das Wort „Flüchtling“ bald zum Unwort des Jahres mutiert? Dass es zu bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen in Foren und Kommentaren im Internet kommt? Ich bin vielleicht naiv und wenig politisch ambitioniert, das gebe ich zu. Aber ich bin der Meinung, dass es einfach nur ein riesengroßer glücklicher Zufall ist, dass wir hier in diesem Land geboren wurden und all das genießen dürfen, was wir einfach „Alltag“ nennen.

Wasser. Strom. Häuser. Decken. Gesundheitsversorgung. Supermärkte. Müllabfuhr. Straßen. Busse. Ämter. Restaurants. Freizeitparks. Familie. Kindergärten. Altenheime. Telefon. Internet. Geschäfte. Gärten. Landwirtschaft. Schuhe. Kinos. Freizeit. Urlaube. Balkonpflanzen. Spielsachen. Kaffeemaschinen. Sofas. Sicherheit. Geborgenheit. Liebe. Spielplätze. Badeschaum. Zuckerwatte.

Ich könnte die Liste unendlich weiterführen und ich weiß auch, dass ich mit diesem Post unter 100000000000 nichts bewegen werde. Aber ich will nicht müde werden, wenigstens zu versuchen, einen einzigen Menschen zum Nachdenken zu bewegen. Jeder soll da helfen, wo er es für nötig befindet. Mir liegt zum Beispiel Afrika sehr am Herzen und dort kümmere ich mich finanziell mit Spenden. Jeder soll schauen, wo er helfen kann und will. Wenn jemand aber keine Lust, kein Geld oder keine Ambitionen hat, etwas zu tun, so sollte er wenigstens die anderen Menschen helfen lassen. Niemand wird hier zu kurz kommen. Niemand wird wegen der Aufnahme von Flüchtlingen auf etwas von meiner Liste verzichten müssen. Und wenn man sich ab und zu mit einem Kaffee aufs Sofa setzt und sich umsieht und sich dann vorstellt, dass man all das morgen vielleicht schon nicht mehr haben könnte, weil Krieg ausgebrochen ist, dann sieht man die Dinge vielleicht, nur vielleicht, ein bisschen anders. Und wenn nicht, dann sollte man wenigstens trotzdem einfach nur dankbar sein für das, was man hat.

Wie sagte meine Oma vor ein paar Tagen so passend? „Wie sollen die Deutschen auch offen und herzlich zu fremden Flüchtlingen sein, wenn sie damals schon zu ihren eigenen Leuten so widerlich waren?“. Und das sagt schon so ziemlich alles aus…

5 Gedanken zu „Helft, wo Hilfe gebraucht wird! Oder haltet eure Klappe!

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