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Horror Hausaufgaben – steht zu & hinter euren Kindern!

Das neue Schuljahr ist noch ganz grün hinter den Ohren und schon gibt es den ersten Ärger und die ersten Tränen wegen der ach so geliebten Hausaufgaben. Bei uns zum Beispiel wurde die Grundschule auf ein (mehr oder weniger ausgereiftes) Ganztagsmodell umgestellt, das bisher noch freiwillig läuft. Ziel des Spiels ist aber, dass die Kinder um 16, bzw. 17 Uhr nach Hause kommen und mit allem fertig sind. Soweit, so gut. Wir haben die Maus dieses Jahr noch aus diesem Modell rausgehalten, da ich eher skeptisch war, was die Ausführung angeht – und schon nach ein paar Tagen wußte ich auch, warum…

Hausaufgaben
by pixabay.com

Die Kinder kommen also am späten Nachmittag nach Hause – und sitzen dann teilweise noch bis zu 1,5 Stunden an den Hausaufgaben, die in der Aufgabenzeit nicht geschafft wurden! Sprich: 7-Jährige sind von 8-17 Uhr in der Schule und machen dann bis zur Schlafenszeit Aufgaben. Das entspricht etwa der Arbeits- und Stresszeit eines Managers.

Der Spaß hört da auf, wo das Kind leidet

Natürlich kann man jetzt sagen, dass das System ja noch neu und in der Aufwärmphase ist. Man kann auch sagen, dass sich das sicher noch einpendelt. Aber ganz ehrlich: Das darf alles nicht auf Kosten unserer Kinder passieren. Auf Kosten der Kinder, die nach einer Woche Schule schon komplett die Lust und Motivation verloren haben. Die nach den Sommerferien statt Grundschule einen Fulltimejob vorgefunden haben. Da läuft etwas gewaltig schief. Doch die Sache mit den Hausaufgaben ist sowieso eine ganz besondere Geschichte. Eine Geschichte, die ich schon im letzten, also im zweiten Schuljahr umschreiben wollte und es auch versuchte. Was war passiert?

Hausaufgaben ja, aber nicht um jeden Preis

Meine Tochter kommt immer gegen 14 Uhr aus der Betreuung. Dort hat sie nach Schulschluss schon gegessen und gespielt. Wenn sie also nach Hause kommt, setzt sie sich sofort an ihre Hausaufgaben. Es kam im Verlauf ihrer Schulzeit immer häufiger vor, dass sie verdammt lange daran saß. Die Aufgaben wurden mehr, schwerer, umfangreicher. Teilweise brauchte sie 1,5-2 Stunden insgesamt und musste dann noch lesen, um einen Lesevertrag mit der Lehrerin zu erfüllen. Dieser Zustand wurde immer unhaltbarer. Nicht nur, dass das Kind nach einer Weile nicht mehr konzentriert war – es brachte auch immer mehr Konflikte und Streits zwischen uns hervor. Tränen und Wutausbrüche auf beiden Seiten waren an der Tagesordnung. Und genau das sprach ich bei einem Gespräch mit der Klassenlehrerin an. Wir machten aus, dass meine Tochter nicht mehr als 45 Minuten für ihre Hausaufgaben brauchen sollte und dann aufhören darf. So war unsere Vereinbarung.

Niemand steht für euer Kind ein, nur ihr!

So war es dann so, dass ich sie knallhart nach dieser Zeit (wenn sie denn auch wirklich konzentriert arbeitete und nicht 30 Minuten nur aus dem Fenster guckte) ihre Sachen wegpacken ließ und sie spielen schickte. Ich vermerkte das kurz in ihrem Aufgabenbuch, damit die Lehrerin auch ein Feedback von meiner Seite bekam. Im Buch des letzten Jahres bekam man also häufig „Das war zu viel und in der Zeit nicht zu schaffen“ von mir zu lesen. Und genau hier ist der so so wichtige Punkt: Viele Eltern (und ich bekomme da so einiges mit!) lassen aus falsch verstandenem eigenem Ehrgeiz oder aus Angst nicht zu, dass mal Hausaufgaben nicht zu Ende gemacht werden. Selbst wenn es heißt, nicht länger als … Minuten. Selbst wenn die Lehrerin Vorgaben macht. Wenn aber 90% der Klasse immer alle Aufgaben gelöst hat (und dafür 1,5 Stunden brauchte), gehen die Lehrer davon aus, dass alles passt und stimmig ist. Der Lehrer bekommt das Übel gar nicht mit. Nur wir Eltern haben Terror und Streit zu Hause – und die wahren Verlierer sind unsere Kinder. Daher sollten wir Eltern auf dieses ehrgeizige „Mein Kind hat/kann aber…“ verzichten und für unsere Kinder einstehen! Sie schützen! Ihre Kindheit schützen! Wir sind die einzigen Menschen in diesem System, die unsere Kinder kennen, mit ihnen leiden und sie verteidigen können. Grundschulkinder können das alleine noch nicht – daran müssen wir immer denken. Grundschulkinder werden ohne Gegenwehr zum Spielball von uns Erwachsenen und unserer Vorstellung von Leistung und Förderung.

***

Wenn wir also merken, dass da etwas gewaltig schiefläuft im System Halbtags- oder Ganztagsschule, dann sollten wir uns die Zeit und die Energie nehmen und etwas dafür tun, dass unsere Kinder nicht zum Opfer dieses Systems werden. Nur wenn alle Eltern das tun, Kontra und Feedback geben, kann sich etwas ändern! Nur wenn wir Eltern immer hinter unseren Kindern stehen und ihnen eine laute Stimme geben, kann etwas für sie bewegt werden. Und glaubt mir, die LehrerInnen werden zum größten Teil nicht ablehnend oder böse reagieren. Fehler im System kann man nur ändern, wenn man darauf hingewiesen wird. Nicht dadurch, dass alle aus Scham so tun, als wäre alles in Ordnung. Also – Vive la Schulrevolution!

 

10 Gedanken zu „Horror Hausaufgaben – steht zu & hinter euren Kindern!

  1. Ja, das leidige Thema Hausaufgaben. Hier an der GS werden recht wenig Hausaufgaben aufgegeben, so das die Kinds in der ersten Klasse nach max. 15 min, inder zweiten nach max 30 min fertig sind. Mehr würde ich auch nicht zulassen und dann auch unter den Hausaufgaben kommentieren, das es zuviel war.
    Meine Kids dürfen nach den Hausaufgaben immer fernsehen, die wollen schnell fertig werden.
    Manche Eltern gehen gar nicht: da wird die Kunstarbeit von Mama zuende gebastelt, damit es eine gute Note gibt.

    1. Das finde ich super. Wenn Lehrer UND Eltern da an einem Strang ziehen, dann funktioniert das in den meisten Fällen ja auch! Dass Eltern die Aufgaben machen, damit das Kind bessere Noten bekommt, ist ja echt der Knaller… Und so sinnvoll auch 😉

  2. Liebe Katja,

    Du sagst es, ALLE Eltern müssen ein dementsprechenden Feedback geben. Sonst meint die Lehrerin nachher, nur das EINE Kind brauche so lange oder werde in xy Minuten nicht fertig.
    Ihr bin mal gespannt, wie es bei uns wird.
    Meine Große ist jetzt in die 1.Klasse gekommen.
    Beim Elternabend letzte Woche machte die Klassenlehrerin beim Thema „Hausaufgaben“ einen vernünftigen Eindruck, eben jenen „Nur so viel, wie das Kind schafft und es sich konzentrieren kann“!
    Wie sieht das wohl in der 3.oder 4.Klasse aus? Heißt es dann: “ Sie sind doch keine Erstklässler mehr, sie MÜSSEN es schaffen!“?
    Was mich ärgert ist, dass ich mein Kind bei den Hausaufgaben nicht begleiten kann, weil ich erst nachmittags zu Hause bin. Derweil hat sie die Aufgaben schon in der Betreuung gemacht. Und da fing sie letztens schon an mit „es war so unruhig da“, als sie etwas nicht zuende gemacht hat.
    Da beneide ich ein wenig meine Mutter, die immer zu Hause war(bis Mittag würde mir ja auch schon reichen, aber davon können wir a) nicht leben und b)hab ich dann später nur 2,50€ Rente im Monat oder so).
    Ich kann Dir also erst in frühestens ein paar Monaten berichten, was aus der Aussage der Lehrerin geworden ist.
    LG Silke

    1. Liebe Silke,

      das Problem sind ja in den meisten Fällen auch gar nicht die Lehrer, sondern die Eltern. Die Eltern, die wohl irgendwie Panik haben, dass ihr Kind für „blöd“ gehalten wird, wenn es in der vorgebenen Zeit die Aufgaben nicht schafft oder die lieber ein fertig ausgefülltes Blatt sehen als eins, das nur halb fertig ist. Ich wünsche dir auf jeden Fall, dass alles gut läuft bei euch! Wie genau das in der 3. und 4. wird, weiß ich selbst noch nicht, dazu ist das Schuljahr (3.) noch zu jung… Steh einfach hinter deiner Tochter, dann wird das werden!!

      Liebe Grüße

  3. Ich verwundere mich immer über die Hausaufgaben bei euch in Deutschland. Hier in den Niederlanden gehen die Kinder von etwa 8:30 bis 15:15 in die Schule und haben keine Hausaufgaben. Nur Kinder, die Schwierigkeiten mit dem Lesen haben, lesen etwa 10 Minuten mit den Eltern zu Hause.
    Die Grundschule besuchen sie ab den 4. bis zum 12. Lebensjahr.
    Sie bereiten in diesen Jahren nur Vorträge und Buchbesprechungen zu Hause vor. Die meisten Kinder besuchen die Schule gerne!

    1. Böse gesagt: Deutschland hat es mit sowas einfach nicht drauf. In so vielen Ländern klappt das mit den Ganztagsschulen seit Jahrzehnten ohne Probleme. Hier wird immer alles nur so halbherzig gemacht. So mein Gefühl. Und die, die darunter leiden müssen, sind leider zu jung, um sich zu wehren.

  4. Hallo, ich stehe dem Thema Hausaufgaben auch skeptisch gegenüber. Gerade gestern habe ich der Lehrerin einen Zettel geschrieben , dass es wieder Zuviel war….

    1. Das finde ich aber ganz toll. Wenn alle Eltern ein solches Feedback geben, würde die Schule auch sicher nachdenklich werden! Je mehr sich trauen zuzugeben, dass das Kind mit etwas überfordert ist, desto besser!

  5. Es hängt ja leider auch noch so viel mehr daran…

    Und meistens sind nicht nur die Hausaufgaben ein derartiges Problem. Nach der Schule gleich Fernsehen ist wissenschaftlich belegt, so sinnvoll wie sich vor dem kacken den popes zu wischen. Das gelernte wird im Gehirn sofort wieder überlagert durch die ganzen Bilder. Von Entspannung sehe ich im Fernsehen übrigens nur für Mama eine Chance (sind die Kinder doch in der Zeit ruhig).

    Viele Eltern sehen ihre Kinder ja gar nicht mehr, auch weil sie selbst so unter Druck und Stress stehen. Das Problem ist dass alle dieses hamsterrad als normal empfinden und deshalb auch den Druck an die Kinder weiter geben. Schließlich sollen die es mal zu etwas bringen und es besser haben.

    Und die Lehrer sind genauso arme Schweine. Die müssen das den Großteil des Tages ja auffangen in 25-facher Ausführung.

    Das Schulsystem braucht eine Reform, die die Kinder wirklich sieht, etwas nach Art der Herren Gerald Hüther, Herbert renz-polster und Last but Not least Richard David precht.

    Aber dafür braucht es eben Eltern die den Kopf einschalten, die sehen und anfangen zu denken und aufhören alles mitzumachen „weil man das eben muss“

  6. Das Problem ist tatsächlich, dass bei Weitem nicht ALLE Eltern Rückmeldung geben – offen gesagt waren wir die einzigen in der Klasse… Und somit unser Sohn auch der einzige, der häufig nicht die kompletten Hausaufgaben hatte. Somit sah es sehr schnell so aus, als habe er persönlich ein Problem, nicht aber die Hausaufgabenmenge sei das Problem. Und das wiederum, so forderte die Lehrerin ab der 3. Klasse, müsse er aufarbeiten, und wenn er an einem Tag die Hausaufgaben nicht schaffe, müsse er diese zusätzlich zu denen, die er am nächsten Tag sowieso noch auf bekam, dann eben am Folgetag abliefern. Andernfalls musste er zum Nachsitzen erscheinen. Ich habe mir daran wirklich die Zähne ausgebissen – und hinterher, nach Beendigung seiner Schulzeit in der Grundschule, dann auch eine formelle Beschwerde beim Schulamt eingelegt. Die hat leider keinen interessiert, es stellte sich heraus, dass die Zuständige beim Schulamt die beste Freundin der Direktorin der Schule war……..

    Ende vom Lied: Auf diese Schule kommt garantiert keins meiner Kinder mehr!!! Und mein Sohn hat die Schule leider Zeit seines Schülerdaseins zutiefst verabscheut (zum Glück ist er nun fertig).

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