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Intervallfasten im 8/16-Style – ein Laientext über meinen Ess-Tag

Intervallfasten? Fasten? Diät? Und das hier auf einem Familien-Blog? Ja, denn obwohl ich eigentlich gar nicht der Typ für öffentliche Diätvorschläge bin (auch wegen meiner Essstörungs-Geschichte), fiel mir privat und online das Interesse an dieser Art der Ernährung auf. Und da ich zwar kein Fachmann bin, aber schon eine ganze Weile mit dieser Art des Fastens lebe, kann ich doch das ein oder andere dazu sagen. Also dachte ich, tippe ich mal ein paar subjektive und KEINE ERNÄHRUNGSBERATUNG ERSETZENDE Zeilen auf meine Page. Also geht es los!

Intervallfasten
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Was ist genau Intervallfasten?

Intervallfasten oder auch noch schlauer ausgedrückt intermittierendes, also für bestimmte Zeit aussetzendes, Fasten ist eigentlich ganz leicht erklärt: Man hat ein Zeitfenster am Tag (oder in der Woche) fürs Essen. Und ein Fenster fürs Fasten. Ich schreibe hier ausschließlich über die 8/16-Variante, die ich seit fast 2 Jahren „lebe“: Mein tägliches Zeitfenster für Nahrung umfasst 8 Stunden, die restlichen 16 Stunden faste ich. Jeden Tag. Es gibt aber auch jede andere Art von Zeitaufteilung bis hin zu Varianten, in denen diese Intervalle nicht nur Stunden, sondern ganze Wochentage betreffen.

Wie verläuft mein 8/16-Tag?

Zunächst muss jeder für sich rausfinden, welche Einteilung des Tages geschickt und passend ist. Für mich war gleich klar, ich brauche kein Frühstück und halte sehr lange ohne Essen aus am Tag, aber der Abend muss einfach im Ess-Intervall liegen. Ich starte also mit dem Ess-Intervall um 14 Uhr und ende gegen 22 Uhr. In der restlichen Zeit gibt es nur ungesüßten Tee, schwarzen Kaffee ohne Zucker und Wasser. In den 8 Stunden esse ich normal. Mal mehr, mal weniger gesund oder mal mehr, mal weniger kalorisch.

Hat man da keinen Hunger?

Die ersten 1-2 Wochen sind sicherlich nicht super leicht. Natürlich hat man Hunger und der Magen knurrt, aber ich merkte schon nach wenigen Tagen, dass es mir leichter fällt, dass der Hunger nur noch im Magen, nicht mehr so sehr im Kopf stattfindet. Mit „im Kopf“ meine ich die Lust, die „Gier“ nach etwas. Diesen Kopf-Hunger, wie ich ihn immer nenne, finde ich viel schlimmer als der Magen-Hunger. Ich weiß ja, dass ich bald essen kann und in der Nacht schläft man im besten Fall sowieso. Ich habe wieder gelernt zu spüren, wann ich wirklich satt bin und wann ich wirklich Hunger habe. Das war für mich glaube ich mit die wertvollste Erfahrung und Änderung. Vorher gab es bei mir eigentlich nur „Ich verhungere gleich!“ oder „Boa, bin ich satt, mir ist schon übel!“.

Darf man in den 8 Stunden essen, was man will?

Machen wir uns nichts vor: Wenn du abnehmen willst, musst du weniger Kalorien aufnehmen, also du verbrauchst. Oder eben durch Sport und Bewegung mehr Kalorien verbrennen, als du zu dir genommen hast. Da kann man so viele Intervalle pflegen, wie man möchte. Wenn man in den 8 Stunden von Anfang bis Ende nur Sahnetorte isst, wird man nicht abnehmen. Aber ich rate immer, die ersten vier Wochen einfach zu essen, wonach einem ist. Gar nicht darauf zu achten, ob man wenige Kalorien isst oder gesund. Bei den meisten Leuten pendelt sich das nämlich nach und nach von selbst ein. Und die meisten Leute verlieren sogar bei vermeintlich üblem Essen einiges an Gewicht – denn wenn man nur 8 Stunden am Tag Zeit fürs Essen hat, isst man automatisch weniger als in 12-15 Stunden.

Was isst man beim Intervallfasten und was nicht?

Ich habe bemerkt, dass ich nach und nach viel gesünder und bewusster gegessen habe. Automatisch. Die einzelnen kleinen und großen Mahlzeiten geradezu zelebriere. Ich nehme mir Zeit, genieße, probiere aus und ja, es wurde nach und nach ganz von alleine gesünder. Ich bin kein Diät-Experte, ich habe nur eine Art der Ernährung gefunden, die in mein Leben passt und mich mit meiner Essstörung gut umgehen lässt, also will ich niemandem sagen, was er zu essen hat und was nicht. Viel mehr ist hierbei wichtig, dass man sich selbst und seinen Körper, seinen Appetit und dessen Sinn und Unsinn besser kennenlernt.

Was passiert beim Intervallfasten im Körper?

Dadurch, dass ich vorher zwar beispielsweise vormittags nie viel, aber doch diese und jene Kleinigkeit verputzte („Oh, da liegt ein Gummibärchen auf dem Boden!“, „Das Stück Wurst lohnt sich nicht mehr in die Packung zu legen“ oder „Besser den Rest des Pausenbrotes verdrücken statt wegwerfen“. Ihr kennt das.), war mein Stoffwechsel ständig auf Essen eingestellt, kam also laienhaft gesagt nie zum Verarbeiten der Reserven. Ich hatte auch immer irgendwie Hunger. Wenn man aber 16 Stunden wirklich NICHTS Verwertbares zu sich nimmt, geht der Körper in dieser Zeit in aller Ruhe an seine Reserven. Das tut echt gut. Ich war nicht mehr so träge irgendwie. Viel fitter und aktiver. Und jaaaaaa, ich weiß, das klingt jetzt wie eine dieser dämlichen Fernsehwerbungen oder wie eine dubiose Zeitungsanzeige… Aber es war halt wirklich so! Ach ja, ich weiß, dass das viele interessiert, ich möchte das nur nicht zu DEM THEMA hier machen: Ich habe damit in etwa einem Jahr 10kg abgenommen, war aber vorher noch im Normalgewicht – allerdings am oberen Rand. Nur so als Anhaltspunkt. Und seit etwa einem Jahr halte ich diese Abnahme jetzt auch.

Macht man das wirklich 7 Tage die Woche?

Nochmal: Ich spreche hier nur von mir. Ja, ICH mache das 7 Tage die Woche. Und ich habe in der Zeit, in der ich in der Abnahme war, jede Woche einen sogenannten Cheat-Day gemacht, an dem ich zwar die Zeiten einhielt, aber wirklich fiese Sachen aß. Alles, was ich die Woche über nicht essen wollte. Chips, Schokolade, Eis, Gummibärchen. Auf diesen Tag habe ich mich immer gefreut und so fiel es mir leichter, in der Woche auf all das zu verzichten. Was ICH nämlich so gemacht habe. Jetzt, wo ich nicht mehr in der Abnahme bin und nur noch mein aktuelles Gewicht halten und mich gut fühlen will, mache ich keinen Cheat-Day mehr, sondern esse generell eher das, was mich möchte. Aber eben nur in diesem Zeitfenster.

Ist Intervallfasten nicht schlecht in den Alltag zu integrieren?

Vielleicht ist es das. Vielleicht reagieren da auch ein paar Freunde und Bekannte seltsam, wenn man wie ich zum Beispiel bei Einladungen zum Frühstück nur einen schwarzen Kaffee möchte oder Tee. Aber das ist doch wie bei allem im Leben: Man muss sehen, was einem wichtig ist und wie man es durchziehen kann. Die Prioritäten geraderücken. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Art der Ernährung gefunden, mit der ich gut leben kann und mir der ich mich sicher fühle. Durch meine Essstörung muss ich einfach aufpassen, ich habe immer Phasen des „Fressens“ und des Hungerns gehabt und komme durch Unregelmäßigkeiten leider schnell an den Punkt, an dem ich mich ganz schlecht fühle und sofort in ungesunde, alte Gewohnheiten zu rutschen drohe. Das wollte ich nicht mehr. Diese Umstellung auf 8/16 hat mir Sicherheit gegeben. Und das ist es mir dann auch Wert, dass manche Menschen komisch reagieren.

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Das hier ist keine Werbung oder Mission. Ich wurde nur so oft danach gefragt und lese immer häufiger, dass einfach Interesse besteht. Sogar im Reallife essen mittlerweile ein paar Freundinnen nach diesem „Plan“. Das fühlt sich seltsam für mich an, weil ich eben wirklich kein Guru für sowas sein möchte und mit meiner Vorgeschichte auch wirklich nicht sein SOLLTE. Aber ich kann eben erzählen, wie ich das mache, handhabe und wie es mir damit geht. Wenn sich also jemand ernsthaft damit auseinandersetzen möchte, so soll er ein paar seriösere Quellen als diesen Artikel zu Rate ziehen oder mit seinem Arzt oder einem Ernährungsberater darüber sprechen. Ich kann nur sagen, dass jeder, der etwas an seiner Ernährungsweise ändern will, seinen eigenen Weg finden und lernen sollte, sich damit und in seinen Körper wohlzufühlen – und dabei wünsche ich jedem und jeder von euch von Herzen ganz viel Erfolg!

 

 

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