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Irgendwas mit Weihnachten (17) – Ein Name für einen Freund

Ein Name für einen Freund

Ein kaum spürbarer Flügelschlag, ein Hauch kalten Windes streichelt die Nase der kleinen Elfe, die zusammengekauert in der gefrorenen Blüte schläft. Die letzte Blüte des vergangenen Sommers, die noch in der verwilderten Hecke der alten Hütte im Wald übriggeblieben war, nachdem der tobende Herbstwind all ihre Schwestern längst verweht hatte. Ein wenig Blütenstaub wirbelt auf und die kleine Elfe wird von ihrem eigenen kleinen „Hatschi“ geweckt. fairy-311129_1280
„Huch! Wer bist du denn?“, fragt die Krähe, die sich auf der Hecke nur kurz ausruhen wollte.
„Ich bin Magnolia. Und du?“
„Ich bin, ich bin… Ich bin Krähe. Und ich wollte mich hier nur kurz ausruhen. Aber ich fliege weiter, wenn ich dich störe!“
„Nein! Du störst mich nicht! Ich freue mich über Besuch! Was hast du da? Und warum hast du keinen Namen?“, kichert die kleine Elfe.
„Ich habe hier eine Mandel! Die will ich zu den anderen Tieren bringen, denn wir wollen Weihnachten feiern! Und ich weiß nicht, warum ich keinen Namen habe. So war das schon immer. Ich bin einfach nur ein schwarzer Vogel mit einem zu großen Schnabel…“, seufzt die Krähe.
„Ich habe schon bemerkt, dass hier etwas im Gange ist! Ständig huschen kleine und große Tiere an der Hecke vorbei und tuscheln und sind ganz aufgeregt! Ich habe leider nichts, was ich euch für euer Fest geben kann – aber ich will dir etwas schenken. Doch dafür musst du mit mir mitkommen!“

Und schon streckt sich die kleine Elfe Magnolia, schüttelt sich ein paar Eiskristalle und den Blütenstaub aus dem Haar und fliegt aus ihrer kleinen Blüte auf den kalten Waldboden.Die Elfe bedeutet der Krähe, ihr zu folgen. Und gemeinsam fliegen sie zu der vermoderten Tür des verfallenen Hauses, die schief in ihren Angeln hängt. Magnolia greift hinter ihren linken Flügel und zieht einen winzigen, in sich leuchtenden Zauberstab hervor, murmelt in einer der Krähe komplett unbekannten, aber wunderschön klingenden Sprache ein paar Worte – und siehe da! Die Tür öffnet sich! Ehe die Krähe noch etwas erwidern kann, ist die kleine Elfe schon ins Innere der Hütte geflogen. Die Krähe fürchtet sich, aber ihre innere Krähen-Neugier ruft laut „LOS! REIN MIT DIR!“ und so folgt sie Magnolia in die Dunkelheit.bird-147271_1280

Im Inneren der Hütte hört sie die Elfe wieder ein paar Worte murmeln und im nächsten Moment wird die Dunkelheit von einem warmen, goldenen Licht einer alten Öllampe vertrieben, die an einem rostigen Nagel an der gegenüberliegenden Wand hängt.
„Hier, sieh mal, Krähe!“, ruft die kleine Elfe aufgeregt und fuchtelt wild mit ihren kleine Armen.
Die Augen der Krähe haben sich an das Licht gewöhnt und sie blickt sich vorsichtig um. ‚In diesem Raum scheint die Zeit stillzustehen‘, denkt sie bei sich. Ehrfürchtig hüpft sie zu Magnolia, die vor einem Buch auf und ab flattert.
„Was ist das, Magnolia?“, fragt der schwarze Vogel.
„Ein Buch, Krähe! Ein Buch!“, antwortet Magnolia aufgeregt.
„Sowas, in das die Menschen starren und sich darin verlieren? Ich habe Angst davor! Die Dinger sind mir unheimlich!“, krächzt die Krähe und will panisch wegfliegen, aber die kleine Elfe legt ihr ihre winzige, warme Hand auf den Kopf.
„Fürchte dich nicht! Es ist ein Buch, aber es tut dir nichts. Die Menschen verlieren sich nicht darin. Sie lesen. Und sie öffnen Türen in andere, wunderschöne Welten! Und heute reisen wir zusammen in eine dieser Welten und finden deinen Namen.“, wispert die Elfe der Krähe zu und beginnt vorzulesen.

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„Es war einmal vor langer Zeit eine gütige Königin. Sie war weise und gerecht und regierte ihr Volk schon eine lange, lange Zeit. Alle liebten sie und achteten ihre Gesetze und Entscheidungen. Sie hatte keinen Mann und keine Kinder, aber sie war nicht alleine. Ihr treuer, ständiger Begleiter war eine wunderschöne, schwarze Krähe, die…“
„Ein Krähe!! EINE KRÄHE, Magnolia!“, unterbricht der Vogel die kleine Elfe aufgeregt.
„…eine wunderschöne, schwarze Krähe, die sprechen konnte. Und wenn die weise Königin alleine war oder nicht weiter wusste, so sprach sie mit ihrem treuen, gefiederten Freund. Wie lange der Vogel schon bei der Königin war, wusste keiner. Nur die Königin selbst erinnerte sich daran, als sie den kleinen, noch nackten Vogel im Wald bei einem Ausritt gefunden hatte und ihn mit sich nach Hause nahm. Ihn aufpäppelte. Und ihn auf den Namen „Amarok“ taufte. Der Name war indianisch und bedeutete Freund – und genau das war es, was der Vogel für die Königin wurde und sie bis zu ihrem Tod begleitete.“
„Amarok…“, flüstert die Krähe verzaubert.
„Amarok…“, haucht Magnolia.
Wie durch Geisterhand verlöscht die eben noch züngelnde Flamme der Lampe und die Dunkelheit erobert sich den Raum zurück.
„Magnolia?!“, ruft die Krähe noch, aber die kleine Elfe ist mit dem Licht verschwunden. Auch an der Hecke kann der Vogel sie nicht mehr finden. Auch ihre gefrorene Blüte ist nicht mehr da. Doch aus der Ferne hört sie ein leises Kichern und ein glockenhelles „Fröhliche Weihnachten, Amarok!“ und eine Träne kullert aus dem Auge des schwarzen Vogels. Die Träne tropft auf den Boden vor der Hecke und verwandelt sich augenblicklich in eine kleine, gefrorene Blüte, die ein Ebenbild der Blüte Magnolias ist. Ehrfürchtig hebt sie der Vogel mit dem Schnabel auf.wand-148059_1280

Und zum ersten Mal in ihrem Leben macht sich die Krähe – macht sich Amarok – mit Stolz und erhobenem Kopf weiter auf ihren Weg, um die Mandel und die gefrorene Blüte zu ihren Freunden zu bringen und ihnen von ihrem kleinen, magischen Weihnachtswunder zu erzählen.

***

Wie die Geschichte der Tiere und Weihnachten weitergeht, wollt ihr wissen?
Lest es morgen bei Alina auf lieblingichbloggejetzt nach!
Die Krähe flog gestern schon bei Beatrix auf hunger!pipi!langeweile!
und wer den Zauber von Anfang an nachlesen möchte, der kann das hier bei Sarah von Mamagogik tun <3

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(Die Bilder im Text sind alle frei von Pixabay.de)

2 Gedanken zu „Irgendwas mit Weihnachten (17) – Ein Name für einen Freund

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