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Schockbilder und Jugendschutz – Kinder, schaut weg!

Tierschutz und Jugendschutz. Über diese beiden Worte und die dahinter verbogenen Welten habe ich in den letzten Tagen intensiv und sehr verärgert in einer lokalen Gruppe bei Facebook diskutiert. Und ich bin mittlerweile so sauer, dass ich hier einfach mal ein bisschen Luft ablassen möchte. Das Thema ist in meiner Stadt nämlich immer wieder aktuell und ich wollte das schon längst ansprechen.

 

"Zensiert Jugendschutz"
Quelle: pixabay.de

Tiere interessieren Tierschützer mehr als Menschen

Peng. Die Überschrift ist böse und plakativ, verallgemeinernd und pauschal. Aber leider wurde mir in den letzten Jahren immer mehr dieses Vorurteil bestätigt. Natürlich sind nicht alle so. Aber die, die ich im Alltag treffe, werden irgendwie immer radikaler und verbohrter. Zum Beispiel hier in der Stadt. Seit einiger Zeit stehen die Affenversuche des MPI sehr im Mittelpunkt des Streites. Aber auch Schlachtbetriebe, Pelzfabriken und ähnliches sind immer wieder in der Diskussion. Versteht mich nicht falsch, es ist ja nicht so, als wäre mir das alles egal! Oder als würde ich sagen, hey, mir doch Wurst, geht mich nichts an. Nein! Aber die Art und Weise, WIE hier auf diese Probleme hingewiesen wird, geht mir als Mutter sehr gegen den Strich.

Schockbilder und Schockfilme

So wie gestern, als sich die lieben Menschen, die auf die Qualen der Versuchstiere aufmerksam machen wollen, mit ihrem Stand direkt neben den Bereich zum Kinderfest aufbauten. Und jedes Kind an ihren Bildern vorbeilaufen musste. Und jedes Kind die Bilder von blutenden, aufgeschnittenen, gequälten Tieren sehen musste. Jugendschutz? Fehlanzeige. Tjahaaa, sagen da die Tierschützer, mit denen ich diskutierte, so ist die Realität! Und die sollten Kinder so früh wie möglich sehen! So ist das Leben und vor dem sollte man die Kinder nicht abschirmen! STOPP! Ich möchte selbst entscheiden, wann und wie ich meine Kinder ins kalte Wasser der Realität werfe! Ich möchte selbst entscheiden, welche Mittel und Materialien ich dazu nutze!

FSK und Jugendschutz

Eine ähnliche Diskussion hatten wir zuletzt an der Supermarktkasse, an der die Kassiererin darauf bestand, den Rollladen NICHT vor die Zigarettenschachteln zu ziehen (wie es übrigens früher immer war), weil sie Anweisung von oben hätte. Egal, dass kleine Kinder sich die ganze Wartezeit lang die Schockbilder auf den Zigarettenpackungen anschauen müssen. Die übrigens gegen den Jugendschutz verstoßen, wie nun diskutiert und erörtert wird. Klar sind die Packungen erst ab 18 zu verkaufen. Die Tabakindustrie ist somit fein raus. Übel wird es nun aber für die Händler, die sich keine schicken Automaten an ihren Kassen leisten können. Mir aber egal! Denen ist ja auch egal, dass sensible Kinder nächtelang Alpträume von solchen Bildern haben, weil sie sie überhaupt nicht einordnen können! Gleiches gilt für die Bilder der Versuchstiere.

Kinder sind doch egal

Die Diskussionen mit Tierschützern führe ich schon länger. Und immer wieder kristallisiert sich heraus, dass Tiere über Menschen stehen. Über Kindern. Den meisten sind unsere Kinder sch***egal. Kinder allgemein. Die krasseste Aussage, die ich jemals zu diesem Thema hörte, war „Es gibt doch genug Kinder auf der Welt. Dann sterben halt welche in den Drittweltländern. Und?“. Ja. Und? Ist sowas die Art und Weise, wie man Leute für seine Sache gewinnt? Wie man Menschen dazu bringt, sich kritisch und offen mit dem Thema auseinanderzusetzen? Ganz bestimmt nicht. Alle Menschen, die derart militant und radikal (und ich benutze diese Worte absichtlich!) mit ihrer Sache umgehen, sind für mich sowieso schon raus. Weil man mittlerweile wissen sollte, dass man mit militant und radikal nie etwas Gutes erreichen kann.

Der Horrorfilm vom Pelztier

Und so passiert es immer wieder, dass man in dieser Stadt mit seinen Kindern spaziert und plötzlich vor solchen Bildern steht. Oder vor einer Leinwand, auf der eine Szene gezeigt wird, in dem Tieren das Fell abgezogen wird. Oder auf der Szenen aus einer Großschlachterei laufen. Und ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Bilder, auch wenn sie nur zur Aufklärung dienen, mit dem Jugendschutz konform sind. Ich kann doch auch nicht auf einer Leinwand mitten in der Stadt einen Hardcorefilm laufen lassen, um auf die Missstände in der Pornoindustrie hinzuweisen! Es MUSS auch anders gehen!

Gute Sache, komplett falscher Ansatz

Ich finde es wichtig, dass Kinder lernen, was und wo in dieser Welt falsch läuft. Es ist auch notwendig, dass Kinder wissen, dass Fleisch nicht auf Bäumen wächst und dass für Dinge, die sie im Alltag als normal ansehen (Leder, Medikamente etc.), Tiere gestorben sind. Man SOLL die Augen seiner Kinder ja gar nicht vor der Realität verschließen. Aber kleine Kinder müssen einfach anders an die Wahrheiten dieser Welt herangeführt werden! Und vor allem, jedes Kind muss anders konfrontiert werden. Ich halte nichts von Schockmomenten. Von Schockbildern. Vielleicht führen sie bei dem ein oder anderen Erwachsenen zum Umdenken. Aber bei Kindern kann da so viel schiefgehen. Oder sie haben bald von klein an schon so viel gesehen, dass es sie abstumpfen. Und solange ich das Gefühl habe, dass vielen Aktivisten und Tierschützern die Gefühle von Tieren über die von Kindern gehen, die echt noch nichts verbrochen haben in dieser Welt, solange kann ich sie leider nicht ernst nehmen.

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Infomaterialien nur an Erwachsene rausgeben. Termine erarbeiten, an denen man mit Kindern vorbeischauen kann, um sachlich und jugendfrei über wichtige Themen zu sprechen und sich informieren zu können. Ideen erarbeiten, mit denen Eltern ihre Kinder an verschiedene Dinge heranführen und sie sensibilisieren können. Alternativen aufzeigen, ohne immer gleich nach „gut“ und „böse“ zu trennen. Diskussionen zulassen.
SO würden sicher mehr Menschen für die wichtigen Dinge gewonnen werden können. ICH zumindest würde so sicher eher an einem Stand stehenbleiben. Denn leider interessieren diese Schockbilder doch die wenigsten Erwachsenen wirklich.

 

5 Gedanken zu „Schockbilder und Jugendschutz – Kinder, schaut weg!

  1. So lange es nur darum die Bilder weg zu bekommen, werden wohl die Tierschützer diese Entrüstung nicht ernst nehmen.
    Aber ganz im Ernst, ich habe im Kindergarten gearbeitet, da ist normal, dass die Kinder abends „Cobra 11“ und andere Serien abends geschaut haben. Auch Schimpfworte, die sie sich so an den Kopf hauen. Aber das Problem sind natürlich Tierschützer. Ganz klar.

    1. Sorry, dass ich das jetzt erst veröffentliche, ich hatte Blog-Pause!
      Naja, da hat sicher jeder eine andere Meinung. Meine 4 und 7 Jahre alten Kinder schauen sicher kein Cobra 11 – und selbst wenn, ist diese Sendung nicht FSK18. Und die Tierschützer sind nicht DAS Problem, aber eins von vielen in einer Gesellschaft, in denen manche Dinge eben nich ernstgenommen werden. FSK zum Beispiel. Aber ja, auch Kinder Sendungen sehen zu lassen, die nicht für ihr Alter bestimmt sind oder Computerspiele, das finde ich ebenso daneben! Davor schütze ICH meine Kinder ja schon. 🙂

  2. Ich kann dir aus vollem Herzen zustimmen! Aktionen sollen die Leute erreichen, die zum Umdenken oder Verhaltensänderung in der Lage sind – Kinder sind da sicherlich NICHT in der Zielgruppe, bekommen aber durch solche Aktionen alles mit. Problematisch wird es immer dann, wenn die eigenen Ziele radikal werden und dafür Kollateralschäden in Kauf genommen werden. Kinder sind im Normalfall sehr sensibel und können Gesehenes/Gehörtes noch nicht adäquat einordnen…Da sind wir Eltern umso stärker gefordert!
    Liebe Grüße,
    Verena

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