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„Du hast ja gar nicht richtig geboren“ – Was Kaiserschnitt-Mamas täglich hören

Der Kaiserschnitt. Eine Form der Geburt, die aus den unterschiedlichsten Gründen durchgeführt wird und die Art, wie heute wohl (laut Wikipedia) jedes dritte Kind zur Welt kommt. Es gibt den Not-Kaiserschnitt, den sogenannten Wunsch-Kaiserschnitt und den Kaiserschnitt aus medizinischen Gründen, wenn eine spontane Geburt für Mutter und/oder Kind mit Risiken verbunden wäre. Eine Form der Geburt, sagte ich. Das sehen aber nicht alle so…

Kaiserschnitt gegen normale Geburt
by pixabay.de

Ein Kaiserschnitt ist keine echte Geburt

Frauen wollen einen Kaiserschnitt, weil sie zu viel Angst vor einer „echten“ Geburt haben. Bämm. Diesen Satz kann man so oft lesen oder hören, wenn es um das Thema Geburt in Foren, Blogs und Mamagruppen geht. Sowohl im anonymen Netz als auch von Angesicht zu Angesicht wird diese scheinbare Tatsache gerne verbreitet. Und ich werde mittlerweile so sauer dabei! Ja, ich habe meine Kinder spontan und natürlich (so natürlich es in einer Klinik eben geht) entbunden. Das scheint die „echte“ Geburt zu sein, von der alle sprechen. Aber haben Mütter, die einen Kaiserschnitt hatten, ihre Kinder etwa nicht geboren? Was haben sie denn? Sie sind schwanger in die Klinik gekommen und mit ihrem kleinen Wunder wieder nach Hause gegangen. So wie ich. Sie haben gelitten, sie haben gebangt, sie haben die ersten Momente erlebt (falls es denn ging, denn die Not-Kaiserschnitt-Mamas hatten dieses Glück nicht), sind in einem Moment von einer Frau zu einer Mutter geworden. Wo ist da der Unterschied?

„Jeder hat Angst vor der Geburt!“

Gründe, um sich für einen Kaiserschnitt zu entscheiden, gibt es massenhaft. Sind es keine, die unabdingbar zum Kaiserschnitt führen würden und Frau entscheidet sich dennoch zu diesem Schritt, scheint sie ein Tabu der Mamaschaft gebrochen zu haben und wird zum Freiwild erklärt, über das man von oben herab sprechen darf. Helden-Mamas gegen Weichei-Mütter.

„Jeder hat Angst vor den Schmerzen einer Geburt, das ist noch lange kein Grund!“
„Wer keine Wehen und den Moment der Geburt erlebt hat, der hat nicht richtig entbunden.“
„Ich hatte auch Angst, na und?“
„Wenn man es sich schon bei der Geburt so leicht macht, wird man als Mutter nicht viel taugen.“

Diese und ähnliche Aussagen hören sich KS-Mamas jeden Tag an. Lesen sie. Bekommen sie hinter vorgehaltener Hand getuschelt mit. Und lernen somit gleich die erste Lektion der Mutterschaft: Es ist immer jemand eine viel bessere Mutter als du.

Angst ist nicht gleich Angst – und ein Kaiserschnitt kein Spaziergang

Ein Kaiserschnitt ist eine Operation. Mit einem großen, tiefen Schnitt. Der eine große, schmerzhafte Narbe mit sich bringt. Oftmals haben KS-Mamas längere und stärkere Beschwerden nach der Geburt als „unsereins“. Aber klar, ein Kaiserschnitt ist easypeasy. Ein wahrer Spaziergang. Und die Angst… Dass es Angst und Angst gibt, ist wohl nicht jedem klar? Dass es Menschen gibt, die Angst vor einer Prüfung haben, sie zitternd durchziehen und schaffen, wohingegen andere Menschen so psychisch am Ende sind, dass sie gar nicht antreten können und sich so ganze Lebenswege verbauen, weiß aber schon jeder? Ich verstehe nicht, wie man sich dazu herablassen kann, jemanden für diese schwere, aber auch unglaublich persönliche Entscheidung kleinzumachen. Das ist gemein und charakterlich nicht gerade positiv zu bewerten. Niemand hat das Recht, einem anderen Menschen seine Gefühle, Ängste und Sorgen kleinzureden oder gar abzusprechen!

Mama bleibt Mama und Geburt ist Geburt

Mich stört es jedenfalls schon lange, wie mit diesem Thema umgegangen wird. Und wie es mit allen Aufregern so ist, ist es auch hier: Jeder darf seine Meinung dazu haben. Natürlich. Nicht jeder muss jede Enscheidung verstehen oder gar gutheißen. Aber jemanden als schlechtere Mutter zu bezeichnen oder einer Frau eine Geburt abzusprechen, weil sie sich für einen anderen Weg als man selbst entschieden hat, geht in meinen Augen deutlich zu weit. Es gibt Gründe für jede Entscheidung und niemand wird leichtfertig das eine oder andere wählen. Und diese persönlichen Gründe sollte jeder akzeptieren – und wenn er das nicht kann, wenigstens tolerieren. Egal ob Kaiserschnitt, spontane Geburt oder Adoption – Mama wird man nicht dadurch, dass ein Köpfchen den Geburtskanal passiert. Das Kind macht einen dazu. Das gilt übrigens genauso für die Papas. Also lasst euch keinen Quatsch einreden.

***

Ich selbst habe übrigens beide Kinder spontan entbunden. Ohne PDA. Das sind zunächst die Fakten. Oft höre ich dann, ich sei „eine Heldin“, werde für meinen Mut bewundert. Dann muss ich immer lachen, denn heldenhaft oder mutig sind nun nicht die Worte, mit denen ich mich bezeichnen würde. Ich bin eine unglaubliche Mimose. Und ich hatte auch nur keine PDA, weil die Geburten zu schnell gingen. 6 und 4 Stunden von der ersten Wehe bis zur Entbindung. Soviel zur Erklärung der Fakten. Aber dann denke ich, ich bin doch einen Heldin. Weil ich zwei Kinder auf dem Weg durch ihr Leben begleite. Genau wie alle anderen Mamas, Papas, Stief- und Adoptiveltern.

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