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Killerclowns als Schulstoff – Aus Spaß wird Ernst

„Mama, heute haben wir etwas über Killerclowns gelernt!“, verkündet die 7-jährige Zweitklässlerin soeben, als sie aus der Schule kommt. Und nein, es waren nicht etwa lustige Mitschüler, die davon sprachen, es war die Leitung höchstpersönlich.
Wir haben sogar einen Elternbrief zu dem Thema bekommen.
Eine Elterninformation auf rosa Papier.
Zu Killer/Monsterclowns.

"Killerclowns"
by pixabay.de

Also stand ich soeben da, den unscheinbaren rosa Brief in der Hand und hielt meiner Tochter eine Rede über sehr, sehr dumme Menschen. Über grässliche Menschen. Darüber, dass sie weglaufen und es einem Erwachsenen sagen soll, wenn sie je einem dieser Spaßvögel begegnen sollte. Mitten im Vortrag darüber musste ich lachen. Den Kopf schütteln. Mit dem rosa Zettel wedeln, auf dem sonst über Waldtage oder Ferienregelungen informiert wird. Und von Killerclowns erzählen, als wäre es das Normalste der Welt.

SCHEISSE! WAS IST MIT DIESER BESCHISSENEN WELT LOS????

Verzeihung. Aber ich kann das nicht anders ausdrücken. Haben wir denn nicht schon genug Probleme? Müssen wir nicht mit unseren Kindern schon über Kriege, Hungersnöte, Flüchtlinge, Fremden- und Menschenhass sprechen? Müssen wir ihnen nicht jetzt schon verdeutlichen, dass es schlechte Menschen gibt, die schlechte Dinge mit ihnen anstellen wollen? Müssen wir ihnen nicht schon genug Horrormeldungen erklären, sie beruhigen und ihnen jede Woche ein Stück mehr mit der Angst auch ihre Unbeschwertheit nehmen? Und jetzt kommen in all dem Elend und Bullshit auf diesem Planeten auch noch komplett kranke Vollidioten daher, die ausgerechnet in CLOWNSkostümen Menschen in Angst und Schrecken versetzen?

Killerclowns? Schluss mit lustig!

Dank Stephen Kings ES hasse ich sowieso Clowns. Aber Kinder lieben sie noch. Clowns sind eigentlich die Unschuld mit roter Quietschnase. Dafür da, ihr junges Publikum zum Lachen zu bringen und es für eine Weile von ernsten Dingen abzulenken. Und dank ein paar Arschlöchern muss ich jetzt hier stehen und meinen Kindern sagen, dass sie wegrennen sollen, wenn sie einen Clown mit Messer oder Axt sehen? „Mama, manche haben sogar Kettensägen!“, sagte die Maus. Was will man da bitte sagen? Die sind eigentlich harmlos? Die wollen dich nur erschrecken? Nicht jeder Clown ist ein Killerclown? Fürchte nur die mit viel Blut im Gesicht? ECHT JETZT?

Wenn der Bockmist im eigenen Alltag ankommt

Vielleicht mögen jetzt einige denken, dass die Schule nicht mehr alle Tassen im pädagogischen Schränkchen hat, dass sie die Kinder auch noch mit diesem Thema belästigt. Aber leider gibt es Gründe für den rosa Zettel. Zwei Gründe, die auf dem Schulhof ihr dummdreistes Unwesen trieben. Jugendliche, die auch noch auf den Beklopptenzug des Irrsinns aufspringen wollten und zum Glück erwischt wurden. Deswegen musste der rosa Zettel her. Weil das alles nicht mehr nur in den Nachrichten passiert, sondern direkt vor der Nase unserer Kinder. Diesmal waren es noch „nur“ jugendliche Nachahmer von erwachsenen Nachahmern. Aber wie sollen Kinder das unterscheiden?

Dinge, die man nicht erklären kann

Ich weiß jedenfalls nicht genau, wie ich diese Sache meinen Töchtern wirklich erklären soll. Warum vollkommen kranke Menschen auf diese Idee kommen. Inwieweit solch gestörte Individuen wirklich harmlos oder nur auf Schreck aus sind. Ein Mensch, der sich einfach so in ein Horrorclown-Kostüm wirft und sich mit Kunstblut, Kettensäge und Messern auf den Weg macht, andere zu Tode zu erschrecken, dem traue ich leider auch mehr als „nur“ das zu.

Danke, Welt. Danke, dass ich heute hier stehen darf und meinen Kindern erklären muss, was es damit auf sich hat. Danke, dass ich ihnen schon wieder ein Stück Kindheit wegnehmen darf. Danke, dass es jeden einzelnen Tag immer kranker und kranker zugeht. Und bald werden wir Sätze sagen wie:

„Weißt du noch, damals? Als man noch draußen spielen konnte, ohne auf Killerclowns aufpassen zu müssen?“

Und eigentlich weiß ich gar nicht, ob ich an dieser Stelle weinen oder laut lachen soll…

 

Eure Katja

2 Gedanken zu „Killerclowns als Schulstoff – Aus Spaß wird Ernst

  1. Ich glaube weiterhin, dass das ganze Thema nur aufkommt, weil viel zu viel darüber berichtet wird. Es ist doch nun wirklich keine Nachricht wert, wenn Idioten andere Menschen erschrecken wollen. Eigentlich wäre das keine Nachricht die von Belang ist. Weil die Medien aber irgendwie drauf abgefahren sind, gab es immer mehr Trittbrettfahrer. Wird bald wieder abklingen. Ich würde meinen Kindern auch sagen, dass sie vor diesen Menschen eigentlich keine Angst haben müssen. Einfach ignorieren und die Straßenseite wechseln.

    Ich selbst allerdings habe auch wenig Verständnis und wenn mich jemand so erschrecken würde dann würde ich ihm wohl vermutlich im Affekt vor lauter Schreck eine Faust ins Gesicht donnern. Ganz unabsichtlich natürlich. Schwachmaten.

    1. Ja, das tut es. Hätte man direkt am Anfang kein großes Ding draus gemacht, hätte es nicht so viele Trittbrettfahrer gegeben… Doof. Und ich schreib auch noch drüber! Und oh ja, im Affekt würde mir da auch die Handtasche (DIE IST GROß!) ausrutschen, wenn mir so einer begegnet! Meine Tochter hat jetzt jedenfalls totale Angst (sie ist da eh sehr sensibel) und hat gestern abend lange geweint, bis ich mit ihr zusammen die Tür abgeschlossen habe). Kotz. Ich hoffe auch, dass der Mist abklingt und nicht alle Irren inklusive Pädos und Co. bald auf den Zug aufspringen…

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