Eltern und Kinder ·Erziehung

Kindheit – Zurückspulen und noch einmal in Zeitlupe

Gerade ist für mich eine Zeit angebrochen, in der ich unglaublich bewusst das Leben, ihre Kindheit und den Alltag mit meinen beiden Töchtern (er)lebe. Die Große geht seit heute in die dritte Klasse und für die Kleine beginnt das letzte Kindergartenjahr. Und auch wenn die Grundschul-Maus noch kein Teenager und das Vorschul-Mäuschen noch ein Kindergartenkind ist, wird mir immer öfter klar, dass die Kindheit so schnell vorbeizieht. Ich wollte diese albernen Sprüche à la „An Kindern merkt man, wie die Zeit rast“ oder „Wo ist nur die Zeit geblieben?“ nie hören. Zu lange dauerte das erste Jahr mit Baby. Hier bloggte ich lustigerweise genau darüber schon einmal vor über 2 Jahren…

Kindheit
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1000 Jahre sind ein Tag

Ja, das erste Jahr mit meiner ersten Tochter kam mir vor, als hätte es 1000 Jahre gedauert. Und doch war es so schnell vorbei. Beides gleichzeitig. Das erste Jahr mit meiner zweiten Tochter schien schneller zu vergehen – und doch ertappte ich mich zu oft dabei, wie ich, wie schon beim ersten Mal, dieselben dummen Gedanken hatte. Darauf wartete, wann sie endlich den nächsten Entwicklungsschritt gehen würde. Endlich sitzen, laufen, reden können würde. Und warum? Um den Alltag vermeintlich zu erleichtern? Ich weiß es nicht mehr. Ich weiß nur, dass so viele erste Male schon vorbei sind. Und ich sie nie wieder erleben werde. Sicher, es kommen noch sehr viele dieser Momente, aber die, die vergangen sind, lassen sich nie mehr zurückholen.

Das Jetzt und Hier

Ich würde so gerne so vieles zurückspulen. Kurz anhalten. Und es dann in Zeitlupe noch ein letztes Mal erleben. Und ich würde geduldig sein. Genießen. Und nicht darauf warten, dass es endlich schneller weitergeht. Denn das geht es von ganz alleine. Schon heute ist die Große viel zu oft bei Freunden und die Kleine will nicht mehr mein Baby sein. Warum auch? Das war sie schon. Lange genug. Als Mutter muss man vieles lernen und jeden Tag aufs Neue erkennen, dass alles, was man zu wissen glaubte, von einem Moment auf den anderen über den Haufen geworfen werden kann. Eben noch kennt man sein Baby endlich in- und auswendig, schwupps, ist es ein Kleinkind, zu dem einem niemand eine Anleitung gab. Aber die anstrengendste Lektion, die man als Mutter lernen muss, kommt erst noch. Schritt für Schritt. Das Loslassen und das aus der Ferne Begleiten der kleinen und gar nicht mehr so kleinen Menschen, die man mehr liebt, als das eigene Leben.

Das Schöne erkennen und festhalten

Vor allem Einschulungen und erste Krippen- oder Kindergartentage lassen Mütter und Väter sentimental werden. Man sieht auf die letzten Jahre mit den Kindern zurück und fragt sich, wie die Zeit nur so leise und fast spurlos an einem vorbeiziehen konnte. Man wird melancholisch und traurig. So geht es mir auch immer. Doch ein bisschen ist das wie mit dem Sommer: Ich werde mitten im Sommer schon traurig, weil er bald vorbei ist und ich mir die trüben Herbsttage ausmale. Dabei muss ich lernen, jeden Tag meiner liebsten Jahreszeit zu genießen, um so viele wunderschöne Erinnerungen wie möglich zu schaffen, an die ich in kalten und dunklen Tagen zurückdenken kann.

***

Meine Kinder sind 8 und 5. Sie sind keine Babys mehr. Aber sie sind noch lange, lange nicht erwachsen. Und ich will nicht an die Zeit denken, in der sie nicht mehr bei mir sein werden und ihr eigenes Leben leben – ich will jeden einzelnen Moment mit ihnen genießen, Erinnerungen an ihre Kindheit schaffen und nicht mehr darauf warten, dass sie endlich den nächsten Entwicklungsschritt machen, nur um dann sentimental  auf „früher“ zu blicken. Jetzt ist jetzt. Und das ist wunderschön.

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