Eltern und Kinder

Kleine Mäuse und große Tage

Heute will ich mal weder grummelnd noch belehrend oder irgendwie lustig sein. Ich will euch heute nach längerer Blogpause einfach mal erzählen, was sich bei uns in den letzten Tagen und Wochen so alles verändert hat. Vielleicht tropft auch das ein oder andere Tränchen auf den Text… Also, wäre er mit Tinte auf eine Pergamentrolle geschrieben…

Während ich hier sitze und tippe, tobt die Maus auf dem Schulhof mit ihren Schulfreunden herum, isst ihr Schulbrot und hat gleich ihre letzte Schulstunde für heute. Richtig.

S C H U L E

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© Pixabay

Meine kleine, eben zur Welt gekommene, winzige Maus ist ein Schulkind. Wochenlang haben wir den Tag der Einschulung herbeigesehnt, ihm entgegengefiebert und mit Angst und Ehrfurcht, mit einem lachenden und einem weinenden (ok, ZWEI weinenden – aber erst, wenn die Kinder im Bett waren) Auge auf ihn gewartet. Und dann plötzlich war er da. So wie alles, von dem man irgendwie denkt, dass es noch EWIG dauert und sicher sowieso nie passieren wird. Und dann plötzlich war er auch schon vorbei! Der Tag, an dem meine Erstgeborene stolz wie dieser ominöse Oskar endlich ihren Ranzen und ihre Schultüte satteln und losziehen durfte, das Schulkindleben zu erleben. Es war ein wunderschöner Tag und die Maus genoss ihn in vollen Zügen. Und ja… Jetzt ist es eben so. Sie geht zur Schule, macht mittags Hausaufgaben und scheint seit der Einschulung irgendwie jeden Tag reifer, größer und erwachsener zu werden.

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Das Mäuschen tobt indessen in ihrem neuen Kindergarten herum, erkundet das große, offene Haus und staunt über die vielen verschiedenen Räume, die sie zwar durch ihre Schwester schon das ein oder andere Mal sehen, aber nie so richtig bespielen durfte und ist innerhalb weniger Stunden vom Kita-Mäuschen zum Kindergartenkind geworden. Die Eingewöhnung existierte quasi nicht, denn außer einem „Mama, bist du immer noch hier? Geh doch endlich!“ bekam ich nichts mit auf den einsamen Mama-Weg – und auch wenn ich super froh und glücklich bin, dass sie NULL Schwierigkeiten und Ängste hatte, bleibt ein seltsames Gefühl zurück, das kleine Baby, das eben noch in der Kleinkindgruppe behütet wurde, jetzt ganz alleine in diesem wirklich riesigen Haus zu lassen.

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Die Kita-Zeit ist vorbei. Vorbei die Zeit von Krabbelkindern, Kinderwagen (denn der wird verkauft, weil nicht mehr genutzt), Windeln (zumindest am Tag), Schnullern (zumindest am Tag…), Babytragen, Zahnungsschmerzen, Wachstumsschüben. Vorbei die Zeit der Freiheit und Unbeschwertheit, des „Frei haben, wann man will“. Vorbei die Babyzeit. Ich habe nun offiziell zwei große Kinder. Zwei Töchter, die ihren Weg finden und gehen. In drei Jahren – und ich werde diese drei Jahre so sehr genießen, wie noch nie eine Mutter drei Jahre genossen hat! – werde ich zwei Schulkinder haben und mich entgültig vom Kindergarten verabschieden müssen.

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Versteht mich nicht falsch. Ich bin stolz und glücklich und erleichtert, die Kleinkindzeit hinter mich gebracht zu haben. Beide Male. Langsam wird alles leichter. Und doch komplizierter. Und auch wenn ich nie so eine „Die Zeit rennt!“-Mutter sein will, läuft mir manchmal ein eiskalter Schauer über den Rücken. Das war es nämlich jetzt wirklich. Nie mehr ein Baby. Nie mehr. Wir drei Mädels (und der Papa natürlich) werden jetzt wirklich zusammen groß. Und ich bin mir sicher, dass es nicht nur für die beiden Mäuse, sondern auch für mich noch sehr, sehr viel zu lernen, zu entdecken und zu erobern gibt.

Ich habe eine Scheißangst davor.
Und ich freue mich unendlich darauf.

Ein Gedanke zu „Kleine Mäuse und große Tage

  1. Und dieses Gefühl wird immer schlimmer. Waaah! Schon so groß??
    Liegt es daran, weil wir sie nicht mehr so beschützen können? Weil sie ohne unsere Unterstützung (oder Überwachung?) ihre Erfahrungen machen müssen? Manchnal auch schmerzhafte?
    Aber sie wachsen und wir wachsen. An unserer Elternrolle. Und manchnal ist es doch schön, wieder mehr Freiheiten zu haben oder?
    Liebe Grüße
    Suse

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