Eltern und Kinder

Meine persönliche Dschungelprüfung

Warum ich schon so lange nicht gebloggt habe? Lest selbst…
Samstag vor zwei Wochen fing der Spaß an. Ich war schön mit meinen Eltern in einem tollen Restaurant essen, während der Mann auf unsere schlafenden Mädels aufpasste. Vollgefressen und zufrieden kam ich dann irgendwann nach Hause, um mit ihm zusammen (auf keinen Fall, wir sind ja nicht doof) Dschungelcamp zu sehen. Da hörten wir gegen 23 Uhr ein klägliches Weinen aus dem gemeinsamen Kinderzimmer der Mäuse. Ich hechtete wie immer hektisch in Richtung wimmern, um verrutschte Decken zu richten oder das verlorene Stofftier zu suchen – doch deswegen weinte das Mäuschen nicht. Es weinte, weil es keine Luft bekam. Japste. Und bei jedem mühsamen Atemzug ein wirklich grauenvolles Geräusch produzierte….

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Quelle: Pixabay.de

Da war es also. Schreckgespenst Nr. 1 von 2. Ich wusste gleich, was hier los war, denn ich hatte mich schon lange damit beschäftigt, weil die arme Kleine schon bronchialgebeutelt ist, seit sie 6 Wochen alt war… Pseudokrupp. Ich schleppte sie panisch zu ihrem Papa ins Schlafzimmer und rannte dann hektisch und mir die Ohren zuhaltend durch die Bude. Oh Gott. Oh Gott. Oh Gott. Sie erstickt. Sie erstickt. Sie erstickt. Sehr hilfreich, diese Gedanken und Reaktionen. Ich weiß. Aber zu mehr war mein mieser Autopilot nicht fähig. Mein Mann, der als Kind selbst arg von Pseudokrupp heimgesucht war, reagierte so, wie es sein sollte: Er blieb ruhig. Er ignorierte den nach einem verendenden Seehund klingenden Husten und das Ringen nach Luft und redete ihr einfach ruhig und gut zu. Packte sie dick ein und ging mit ihr in die Saukälte auf den Balkon. Das Mäuschen hörte auf zu weinen, konzentrierte sich aufs Atmen und fing schon wieder an, heiser und mühsam atmend mit Papa zu quasseln. Und ich? Ich war einfach nur den Tränen nah und am Ende.

Wir verabreichten ihr bronchialerweiternde Tropfen und beobachteten, ob wir auch die zur Sicherheit im Medizinschränkchen lagernden Cortisonzäpfchen brauchen würden. Aber es wurde leicht besser. Nach einer ganzen Weile auf dem Balkon gingen wir alle drei in unser Bett, schauten noch zusammen eine Ekelprüfung mit Schlangen und Spinnen – und schliefen dann. Naja, SIE schlief. Pfeifend und röchelnd. Und ich horchte nur. Wenn ich nicht gerade Füße und Hände in den Ohren, im Rücken und Gesicht hatte. Aber das war mir sowas von egal. Hauptsache, sie atmete.
Ab da war sie dann auch richtig fett krank. Bronchitis vom Feinsten, auf die sich dann noch ein bakterieller Infekt und eine sich anbahnende Mittelohrentzündung setzten. Mit ganz wenig Essen, ganz viel Schlaf und bis zu 41 Fieber. Und wie ihr ja wisst, ist Fieber für mich ja sowieso der Horror. Zusätzlich wartete ich deswegen dann auch noch auf Schreckgespenst Nr.2 – den Fieberkrampf. Auch auf sowas bin ich Panikmutter vorbereitet und eingelesen, aber der kam zum Glück nicht. Danke dafür ans Schicksal, sonst würde ich diesen Text wohl nicht aus dem Wohnzimmer, sondern aus der geschlossenen Abteilung der psychiatrischen Klinik senden.

Langer Rede kurzer Sinn: Pseudokrupp ist ein schlimmes Schreckensarschloch. Ich kannte es nicht. Ich las nur davon. Aber jetzt, wo ich weiß, wie es aussieht und sich anhört – und vor allem: wie man richtig reagiert – ist es schon nur noch halb so schlimm. Doch ich muss zugeben, wenn mein armer Mann nicht die Ruhe selbst wäre (sein müsste!), ich hätte mit Sicherheit einen Krankenwagen gerufen in jener Nacht. Denn das, was bei dieser Art Anfälle so, so wichtig ist, kann ich leider gerade dann nicht vermitteln: Ruhe und Gelassenheit. Aber klar, wenn ich aufwache und das Gefühl habe, zu ersticken und jemand würde um mich herumrennen und brüllen „OH GOTT, OH GOTT, SIE ERSTICKT!“, dann würde ich sicher alles tun, nu nicht langsam atmen, das Adrenalin herunterfahren und merken, dass es doch gar nicht so schlimm ist…

Habt ihr auch schon Besuch von diesem Gespenst gehabt? Und habt ihr ähnlich doof reagiert wie ich oder war euer Autopilot chillaxed?

11 Gedanken zu „Meine persönliche Dschungelprüfung

  1. Wir haben da bei uns die gleiche Rollenverteilung, Mudder schiebt Panik, Vadder bewahrt die Ruhe, beruhigt das Kind und googlet dann ob das richtig war was er gemacht hat. Was es meistens ist.

    Das zweite Schreckgespenst Fieberkrampf ist für mich auch keins, denn in den meisten Fällen geht das gut aus. Ich finde es nur eigenartig dass man grundsätzlich den Notruf beim ersten Auftreten rufen soll. Das erscheint mir zwar übertrieben wird aber wohl grundsätzlich geraten. Werden wir dann wohl machen (müssen) wenn es soweit kommen sollte. Aber erstmal ist mein Credo: Nicht verückt machen, ist sowieso unwahrscheinlich, dass das passiert

    1. Diese Rollenverteilung nervt mich ja total, denn die sieht immer so aus… Ich will aber auch mal die Coole sein! Und ich bin sicher, Vadda würde gerne mal uncool sein und auch mal seine Panik (die er ja sicher auch hat!) rauslassen dürfen 😀 Wenigstens ein kleines Bisschen!

      Ja, das mit dem Fieberkrampf habe ich auch schon gelesen – ich glaube, beim ersten Krampf soll einfach ausgeschlossen werden, dass es doch eine Epilepsie-Sache ist. Ist ja generell auch sinnvoll. Wobei die ganze Krankenwagen, Krankenhaussache ja auch ganz schön übel ist :/ Aber dein Credo ist ein sinnvolles Welches! Weiter so!

  2. Wie alt is denn die Kleine?Ich hab mich gerade gefragt, ob meine Kids in der Lage wären zu verstehen, dass sie sich beruhigen sollen(zumal ich Mutti auch gleich immer Panik bekomme-wollte mit der Kleinen die Tage wegen eines plötzlich am ganzen Körper aufgetretenen Ausschlags schon zum Notdienst-Durchhalten hat sich aber gelohnt, war am nächsten Tag schon wieder so gut wie weg und rührte wohl vom Erkältungsinfekt her…)?

    Aber wie gut, dass wir jetzt einen Balkon haben(Kühlschrank soll notfalls auch helfen); ich hoffe, wir bleiben verschont.
    Euch weiterhin gute Besserung!

    LG Silke

    1. Hallo Silke!

      Die Kleine ist 3 1/2 und ich hatte so gehofft, dass sie zu alt für sowas ist… Dumm gelaufen. Aber das ist eine gute Idee von dir, daran habe ich noch gar nicht gedacht. Ich werde mal mit ihr reden und ihr sagen, dass sie einfach ruhig bleiben und uns rufen soll, wenn sowas wieder passiert und dass sie einfach atmen und nicht weinen soll, weil das nichts schlimmes ist.

      Dank dir!

  3. Keine Panik machen lassen. Weil: bringt nix. Es ist wirklich so einfach, wie das jetzt klingt. Ich habe und hatte oft Asthma und habe einmal hyperventiliert, was so ähnlich ist.
    Meine Tochter, 6, bekommt hingegen Panik vor Angst um sich selbst, wenn sie sich verletzt hat. Auch wenn es nur eine ganz kleine Verletzung ist. Vor Panik atmet sie dann nicht mehr richtig und schreit und weint immer lauter. Bevor ich untersuche, wie schlimm der Unfall wirklich war, zeige ich ihr das, was man in solchen Fällen machen soll: lange ausatmen. Am besten in die Hand oder in Stoff. Kurz einatmen, nicht zu tief. Und immer wieder lange ausatmen. Das stoppt den Krampf glücklicherweise fast immer, aber es handelt sich hierbei ja auch bloß um Panik und nicht um einen bösen Infekt. Aber selbst bei dem kann so eine Übung zumindest ein bisschen helfen. Schau mal nach, was es für weitere Übungen gibt und übe sie mit deiner Tochter, wenn sie gerade ganz gesund ist! Da geht sicher auch schon einiges mit 3jährigen.

    Ich habe mal einen Erste Hilfe Kurs für das Zielpublikum Menschen mit geistiger Behinderung mitgemacht. Wie können auch Leute, die sich nur ganz wenig merken können, aber empathisch und körperlich stark sind und helfen wollen, Verletzten helfen? Unter anderem, indem sie Ruhe ausstrahlen. Das wurde immer wieder betont. Und wenn wir selbst mal einem uns nahestehenden Kranken oder Verletzten helfen müssen, dann sind wir vor Sorge ebenso „behindert“ und vergessen die besten Tipps… daher reicht es meist, sich zunächst nur an das eine zu erinnern : Ruhe zu bewahren. Und: so schnell erstickt ein Mensch übrigens nicht!

    1. Oh je!!! Und was machte der Notarzt, wenn ich fragen darf? Klinik oder direkt bei euch versorgt?
      Dass du da Angst hattest, glaube ich dir sofort! Mir läuft es eiskalt den Rücken runter beim Gedanken an sowas 🙁

  4. diese besuche der gespenster hatte mein frauchen ständig als unser menschenkind noch klein war, sie war wirklich oft krank und hatte viel mit dem bronchialen mist zu tun 🙁

    wünsche der maus weiterhin gute besserung und euch noch einen schönen abend,

    luana

  5. Unser Kleiner wird bald zwei und hatte schon vier Fieberkrämpfe. Beim ersten Mal waren wir auch im Krankenhaus. Der Anblick war einfach nur der Horror. Inzwischen bin ich da routinierter. Es soll ja für die Kleinen angeblich nicht so schlimm sein.

  6. Pingback: Pseudokrupp oder: Unsere Nacht vor dem Kühlschrank - Mami Anders

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