Blogparaden ·Eltern und Kinder

Meine zwei Wunder für eine #positiveGeburtskultur

Nachdem es auf dem Blog eine Weile ruhig war, weil ich einfach ein bisschen Ruhe und Kraft tanken musste und nicht auf Teufel komm raus blogge, nur damit gebloggt wird, möchte ich heute ein kleines Herzensthema verbloggen. Bei Twitter stieß ich nämlich auf den tollen Hashtag #positiveGeburtskultur der lieben motherbirthblog und da ich schon länger etwas darüber schreiben wollte, nehme ich den Hashtag jetzt mal als Ansporn dafür.

Traumatisierende Geburten in Texten verarbeiten gehört auch dazu

Man liest sehr viele negative Geburtsberichte. Von Frauen, die traumatisierende Geburten, schlimme Erfahrungen im Kreisssaal oder gar fast schiefgegangene Not-Kaiserschnitte hatten. In Texten und Berichten verarbeiten sie ihre Erlebnisse. Und das ist auch mehr als verständlich und ich möchte diese Texte ganz deutlich auch keineswegs anprangern! Schreibt weiter! Rauslassen hilft, damit besser klarzukommen! Nur finde ich, dass die positiven Erlebnisse sehr in den Hintergrund rücken, denn klar, wenn alles gut gelaufen ist, fällt das therapeutische Schreiben ja einfach schonmal weg. Doch die schwangernen Leserinnen oder die, die noch am Zweifeln sind, ob sie überhaupt den Sprung in das neue Leben mit Kindern wagen sollen, die werden von diesen schlimmen Erlebnissen ihrer Vorgebärerinnen sehr getroffen. Keine Schwangerne möchte gerne lesen, was alles in Kreißsaal oder OP passieren kann. Was alles schiefgehen kann. Wie es laufen kann und auf welche unüberwindbaren Schwierigkeiten man bei dieser doch eigentlich wundervollen Sache stoßen kann. Eine Mutter, die kurz vor der Entbindung steht, mit diesen Geschichten, in denen Mutter und Kind fast starben, in denen sich Frauen misshandelt fühlten, in denen die Mutter die Bindung zu ihrem Kind verlor – diese Geschichten können den schönsten Tag im Leben zu einem neuen Schreckgespenst machen. Und das finde ich unendlich traurig. Daher rate ich immer meinen schwangernen Freudinnen, diese Berichte nicht zu lesen. Sich nicht anzuhören. Und ich bitte immer Frauen, die diese schlimmen Erfahrungen machen mussten,  sie doch um Himmels Willen nicht schwangernen Freundinnen oder Bekannten zu erzählen – denn, was bringt es, außer Angst und Sorge? Ich rate schwangeren Freundinnen immer – falls sie wirklich etwas über die Geburt hören möchten – MICH zu fragen.

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Quelle: pixabay.de

Ich hatte zwei wunderschöne Geburten. Ich will jetzt hier gar nicht im Detail meine Geburtsberichte verbloggen, die ich tatsächlich direkt nach der Geburt aufschrieb (worüber ich heute sehr, sehr froh bin! Kann ich nur empfehlen!). Das wäre mir zu persönlich. Doch ein bisschen möchte ich schon erzählen. Denn heute, fast 7 und 3 1/2 Jahre nach den beiden Geburten weiß ich, dass ich kein drittes Kind mehr möchte, aber jederzeit wieder in den Kreißsaal gehen und entbinden würde. Mit Freude.

Das erste Wunder

Klar tut es weh. Und klar hatte ich beide Male schreckliche Angst vor den Schmerzen. Ich bin so ziemlich der wehleidigste und schmerzempfindlichste Mensch, den ich kenne! Eine echte Mimose. Da könnt ihr jeden fragen. Und ich glaube, dass kaum eine Schwangere keine Angst vor den Schmerzen hat. Als ich vor 7 Jahren in die Klinik kam, plagte mich auch diese Angst. Ich bekam einen Wehencocktail (Sehr lecker. Nicht. Aber mit Schirmchen!), weil ich eigentlich eingeleitet werden sollte. Dieser Cocktail aus Saft, Rizinusöl und Zimt wirkte bei mir aber schon und so verstrichen von der ersten spürbaren Wehe („Was, DAS sollen Wehen sein? Lächerlich!“) bis zur Geburt meiner ersten Tochter gerade mal 6 Stunden. Mein Mann war bei mir und wir hatten sogar sowas wie Spaß im Kreißsaal, in den wir relativ schnell durften, da bei mir doch alles sehr schnell ging. So schnell, dass man mir sogar wehenhemmende Mittel spritzen wollte, damit ich etwas mehr Zeit zum Verschnaufen hätte. Aber nicht mit mir! Ich wollte keine Zeit, ich wollte mein Baby. Mein Baby wollte ins Leben kommen. Und so wurde ich, ohne Hemmer und ohne PDA von einer Hebamme und einer bezaubernden Hebammenschülerin wirklich großartig unterstützt, SO zu entbinden, wie es sich für mich und meinen Körper richtig anfühlte. Und klar tat es weh. Und klar dachte ich gegen Ende, dass ich jetzt gehen und einfach zu Hause einen Film anschauen würde. Da will ich ja auch nichts schönreden. Aber es ging schnell und ich war unterstützt von meinem Mann, mit dem ich in diesem kleinen, warmen und liebevollen Raum vom Paar zur Familie wurde. Und diese Sekunde, in der ich realisierte, dass ich es geschafft hatte, dass ich, die größte Mimose diesseits und jenseits des Rio Grande, diese eine Sache ohne Schmerzmittel und Probleme tatsächlich hinter mich gebracht und soeben ein kleines, perfektes Wesen zur Welt gebracht hatte, war unbeschreiblich. Stolz, unglaubliche Freude, Wahnsinn, Ungläublichkeit, Staunen, Wunder… Alles stürzte zugleich auf mich ein. Und als ich meine Tochter zum ersten Mal sah, kaum glauben konnte, dass DAS wirklich UNSER Kind war, dass wir jetzt wirklich eine echte Familie waren, war ich mir sicher, dass ich nie mehr einen dermaßen perfekten Augenblick erleben würde. Nie mehr wieder. Nachgeburt. Nachwehen. Nähen. Alles war so egal und unwichtig. Es zählte nur noch dieses kleine Mädchen.

Das zweite Wunder

Nach dieser tollen ersten Geburt ging ich relativ entspannt in die zweite Schwangerschaft. Ich hatte wirklich nur schöne Gedanken zu diesem Erlebnis in mir. Auch die zweite Geburt sollte eingeleitet werden und so zog ich frohen Mutes in die Klinik ein. Freute mich auf ein bisschen Entspannung und wollte mit meinem eigenen kleinen Flatscreen am Bett und den „Simpsons“ ein bisschen den heißen Sommerabend genießen. Auch diesmal reichte der leckere Wehencocktail, so dass gerade vier Stunden von der ersten leicht spürbaren Wehe bis zur Geburt vergingen. Vier. Ich war sogar ein bisschen enttäuscht, denn ich hatte vor, diesmal etwas länger den Comfort der Klinik zu genießen! Aber nichts da, das kleine Mäuschen hatte andere Pläne und wollte schnellstens die große Schwester kennenlernen! Ich kam superschnell und zur echten Verwunderung der Hebammen in den Kreißsaal (ich hatte sogar den Vermerk, dass ich einen sehr raschen ersten Geburtsverlauf gehabt hatte, im Mutterpass), versuchte mein Glück mal wieder mit der Wanne (die ich beim ersten Mal gar nicht so toll fand) und wollte nach kurzer Zeit wieder heraus. Ich weiß noch, dass ich im warmen Wasser sitzend meine Wehen „Zombie“ von den Canberries singend veratmete – mein Herzensalbum, das ich schon bei Geburt Nummer 1 als „Soundtrack“ haben wollte und keine Zeit hatte, es aus der Tasche zu nehmen. Diesmal warfen wir die CD sofort beim Reinkommen in den Player! Und dann ging alles noch viel schneller. Ich kam aus der Wanne, die Hebammenschülerin untersuchte mich und man sagte mir, bei der nächsten Wehe könne ich schon mitschieben. Holla, ging das fix. Ein paar Presswehen später (auch hier wollte ich nach Hause und einen Film gucken) platzte die Fruchtblase und zeitgleich purzelte sehr eilig mein zweites Wunder in die Welt. Und ich kann so verstehen, dass Frau nach dem ersten Blick in die wachen blauen Augen eines Neugeborenen süchtig werden kann. Nichts ist wundervoller und magischer als diese ersten Sekunden. Nichts. Nach dieser Turbogeburt um Mitternacht kam ich gegen vier Uhr auf die Station und ließ mich ein paar Stunden später schon entlassen, weil ich diesmal meiner großen Tochter zuliebe eine ambulante Geburt gewählt hatte – und alles war perfekt.

Heldin? Nö, nur Glückspilz!

Und das waren sie, meine zwei Wunder. Ohne PDA. Ohne Zwischenfälle. Und ich höre oft, ich sei „heldenhaft“ oder „unglaublich“, weil ich beide Geburten ohne Schmerzmittel durchgestanden hätte – aber an dieser Stelle möchte ich allen sagen: Ich bin weder eine Heldin noch unglaublich. Es war einfach nur keine Zeit! Hätte ich länger in den Wehen gelegen (wobei man ja heute eher „in den Wehen rumrennen wie ein Tiger im Käfig“ sagen sollte), hätte ich meinen Mann gegen eine PDA getauscht. Sofort. Ohne Zweifel!

Ich will jetzt auch gar keinen Appell in die Welt schicken. Oder Tipps. Oder Ermahnungen. Ich will euch nur sagen, dass eine Geburt wunderschön und einmalig und zauberhaft sein kann. Sie öffnet die Tür in ein neues Leben. In ein Leben als Mutter, als Vater, als Familie. In ein Leben, das so neu und aufregend ist, dass es genau diesen Start verdient. Und ich wünsche euch allen, die ihr bald zum ersten, zweiten, dritten, vierten, fünften (…) Mal entbinden werdet, dass ihr diesen alles verändernden Moment genießen und ihn in positiver Erinnerung behalten dürft. Und wenn das so ist, erzählt es weiter! Tragt ein Stück dazu bei, dass die Geburt und alles, was damit zusammenhängt, wieder zu etwas wird, auf das Frau sich freut und sich nicht so sehr fürchtet, dass sie schon die Schwangerschaft kaum genießen kann. Für eine #positiveGeburtskultur <3!

4 Gedanken zu „Meine zwei Wunder für eine #positiveGeburtskultur

  1. Super, dass du darüber schreibst. Wir brauchen mehr positive Geburtsberichte 🙂 ich hatte beim zweiten Kind auch eine Ambulante Geburt und vielleicht spielt da auch ein bisschen Glück mit rein und dass man beim zweiten Mal einfach sicherer ist und sich eher traut gleich nach Hause zu gehen. Aber ich denke auch, dass mir meine positiven Assoziationen sehr geholfen: Also ich habe gedanklich auf diese Ambulante Geburt hingearbeitet, auch weil ich einfach nicht so lange von meiner größeren Tochter getrennt sein wollte. Insgesamt war sie aber 2 Nächte bei den Großeltern, weil ich mit einem hohen Blasensprung schon sehr früh ins Krankenhaus bin und erst relativ spät habe einleiten lassen. Ich dachte es klappt vielleicht doch noch ohne Einleitungs-Tablette. Fakt ist: Gedanken haben große Macht und je positiver sie sind desto besser. In dem Zusammenhang kann ich auch Hypnobirthing empfehlen, dazu gibts auch Bücher, also es muss nicht zwingend ein Kurs sein. Liebe Grüße, Ella

    1. Liebe Ella, ja, das sehe ich wie du. Klar können positive Gedanken nicht alles richten, aber ich denke auch, dass die zweite Geburt so gut war und ich mich auch so schnell traute, zu gehen, weil ich voll positiver Erfahrungen war. Nach dem ersten Kind hätte ich mich auch NIE getraut, ambulant zu entbinden. Einfach auch aus Unsicherheit heraus. Aber eine freudige Einstellung stärkt vieles. Dessen bin ich mir sicher. Liebe Grüße, Katja

  2. Was fü ein schöner Text, der sehr zum nachdenken anregt! ich hatte in der Schwangerschaft zum Glück keine Zeit Geburtsberichte zu lesen, sonst hätte es mich wohl auch noch alles mehr verschreckt! Auch ich hatte wahnsinnige Angst vor den Schmerzen und für mich stand die PDA fest wie das Amen in der Kirche!
    Die Realität: von den ersten Wehen bis zur Geburt waren es knappe 9 Stunden- Da ich es gut zuhause aushielt und somit erst spät im KH eintraf, war der Muttermund schon so weit offen, dass alles ganz schnell ging (1,5 Stunden). Der Nachteil: für eine PDA war es zu spät!! Es war ok bis zu den Presswehen und die Sache mit der Saugglocke habe ich dann nur noch benebelt mitbekommen. ich kann mich nur noch erinnern zu denken: L*** mich jetzt alle und macht ohne mich weiter, ich mag nicht mehr.
    Rückblickend betrachtet war es auch für mich eine Geburt mit überwiegend schönen Erinnerungen inkl. der Betreuung in der Klinik! Mehr positive Berichte Mädels!

    LG Lilly

    1. Liebe Lilly,

      schön, dass du hier auch deine schönen Erfahrungen teilst! Noch so eine „Heldin“ ohne PDA 😀 Ich meine, klar sind das Sauschmerzen. Das werde und will ich auch keiner Frau ausreden wollen. Das gehört irgendwie zum Leben-Schenken dazu, oder? Aber die Verknüpfung mit etwas so Wundervollem macht das tatsächlich alles wett. Auch wenn ich diesen Spruch immer für abgedroschen und erfunden hielt. Die Natur und die Hormone machen das schon alles richtig. Und nun gehe und trag es in die Welt: Gebären ist wunderschön! 😀

      Liebe Grüße,
      Katja

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