Eltern und Kinder

Mütter sind langweilige Spießer!

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© Pixabay

Ich gebe es zu. Das Leben einer Mutter ist langweilig. Und spießig. Und kein bisschen aufregend. Oder spannend. Im Grunde genommen erlebt sie nichts, interessiert sich auch für nichts und es wird wohl auch nie mehr etwas Neues passieren. Denn. Sie. Hat. Kinder.

Langweilig ist das Leben wirklich wenn man Kinder hat. Und zwar genau dann, wenn sie den ganzen Tag bei einer Freundin oder mit den Großeltern unterwegs sind. Wenn man die ersten ein, zwei Stunden genießt, liest, aufräumt und Dinge tun will, die man immer für genau solche Augenblicke aufhebt. Und dann merkt, wie still alles ist ohne die Nervensägen. Und dass man sogar in einer Therme in einem Whirlpool mit einem Cocktail in der Hand sitzen kann und sich trotzdem permanent nach fremden Kindern umschaut, weil man das eigene Quirlchen vermisst, das einem normalerweise keine Ruhe und Entspannung lassen würde.

Spießig ist das Leben mit Kindern auch. Denn irgendwie hat man doch schon alles an Party, Besäufnissen und Discoerlebnissen durch und freut sich stattdessen über eine Wohnung, die einfach ein Zuhause ist. Über einen Tagesablauf, der mit einem Kuss und einer kleinen, klebrigen Umarmung anfängt und ebenso wieder endet, bevor man dann vom Muttermodus in den Ich-Modus schaltet und wieder tun kann, was man will. Oder tun muss.

Das Leben mit Kindern ist wirklich überhaupt nicht aufregend. Es ist unglaublich nervenaufreibend! Wenn man mit ihnen zusammen alles noch einmal erleben darf, was man selbst schon ganz vergessen hat. Wenn man seine erste Schwangerschaft erlebt. Das erste Lächeln. Krabbeln. Zähnchen. Das erste „Mama“. Wenn man hautnah miterlebt, wie das Kind sich über einen Schmetterling freuen oder Riesenfreude erleben kann, wenn ein paar Steinchen in einen Fluss wirft. Wenn man das Strahlen in den Augen sieht, wenn das Kind ein Geschenk auspackt und merkt, dass es sich das schon immer gewünscht hat. Wenn man miterleben darf, wenn das Kind immer selbstständiger wird, man zum ersten Mal am Fenster steht und wartet, dass es ganz alleine vom Kindergarten oder von der Schule nach Hause läuft.

Spannend ist auch echt was anderes. Oder wer würde es spannend finden, an einem kleinen Leben direkt teilzuhaben und zu erleben, wie aus einem kleinen, hilflosen Baby ein selbstbewußter, eigenständiger Mensch mit all seinen Macken, Stärken und Wünschen wird? Niemand würde sagen, Alltag mit Kindern sei spannend, wenn man mit ihnen zusammen hofft und bangt, auf Noten und Ergebnisse von Arbeiten und Klausuren wartet. Oder im Publikum sitzt, während das Kind zum ersten Mal einen großen Auftritt auf einer großen Bühne mit seinem Ballettkurs hat.

Eine Mutter erlebt nichts. Rein gar nichts. Ihr Leben ist vorbei. Denn vom ersten Teststreifen an mitzubekommen, wie aus ein paar Zellen ein neues Leben entsteht, ist wirklich öde. Genauso öde wie zu merken, dass man sich nicht vorstellen konnte, einen Menschen so sehr lieben zu können, der einem gleichzeitig manchmal so sehr auf die Nerven gehen kann.

Wer Kinder hat, der interssiert sich auch für nichts anderes mehr, als für Windeln und Babykotze. Denn mehr bedeutet es ja auch echt nicht, wenn man Mutter oder Vater ist. Man hat mit der Geburt auch das Recht an eigenen Interessen und Wünschen verwirkt und darf nie mehr eigene Vorstellungen vom Leben haben. Und dass man als Mutter plötzlich von Sport, Aktivitäten, Büchern, Menschen und Musikrichtungen erfährt, von denen man gar nicht wusste, dass sie existieren oder dass man zusammen mit Kindern Abenteuerurlaube der Extraklasse erlebt, obwohl man ursprünglich einfach nur zelten gefahren ist, ist nicht wirklich von Interesse. Als Mutter tut man auch nichts mehr. Gut, man genießt seine Freizeit und seinen Feierabend in vollen Zügen (ja, sogar in vollen Zügen genießt man die in vollen Zügen!) und wird Weltmeister im Zeit-Jonglieren und Alltags-Management.

Kurz und gut – im Leben einer Mutter wird nie mehr etwas anderes passieren als Kinderkacke. Nie mehr mehr als zu lieben und geliebt zu werden. Als die Verantwortung für kleine Leben zu übernehmen, mit ihnen zu lachen und zu weinen. Für sie zu sorgen, ihnen bei kleinen und großen Entscheidungen zu helfen. Noch einmal in den Kindergarten, in die Grund- und weiterführende Schule zu gehen. Wieder den ersten besten Freund, die erste Liebe, den ersten Liebeskummer mitzubekommen. An all die Dinge erinnert zu werden, die andere Menschen schon lange vergessen haben.

Ja. Ich bin Mutter. Und ich hasse diese emotionalen Posts und Spruchkästchen, in denen sülzige Liebesbotschaften zusammengeklöppelt werden und die nach Außen an die Menschen ohne Kinder nur vermitteln, dass sie richtig liegen mit ihren Vorurteilen – nämlich dass man Freunde mit Kindern am besten abhaken kann, weil die mit ihren verweichlichten Sentimentalitäten und Eltern-Dingsis sowieso nicht mehr am wahren Leben teilnehmen können UND wollen. Aber wenn man als langweilig und spießig gilt und abgestempelt wird, weil man täglich so viele Abenteuer (die nicht immer nur lustig sind) und Highlights erlebt, dann bin ich gerne spießig. Und langweilig.

Man muss keine Kinder haben. Echt nicht. Aber man sollte auch nicht in Schubladen verschwinden, wenn man welche hat. Wir sind keine Aliens vom anderen Stern oder urplötzlich in einer Zeitschleife gefangen. Wir zelebrieren auch keinen seltsamen religiösen Kult, der uns das wahre Leben verbietet. Wir haben einfach nur Kinder. Und zwar, WÄHREND wir leben. Nicht STATTDESSEN. Es ist eben einfach nur ein anderes als zuvor. Und vielleicht denkt man, eine Weltreise oder ständige Partys, aufregende Jobs und Hobbys sind erfüllender als Kinder. Der Witz ist ja aber, dass man mit Kindern all das auch haben kann – aber vielleicht, nur vielleicht, braucht man diese Dinge für eine ganze Weile nur einfach nicht mehr…

2 Gedanken zu „Mütter sind langweilige Spießer!

  1. Ganz wunderbar geschrieben. Gerade auch im letzten Absatz die Sache mit dem Reisen.
    Mein Mann und ich sind immer gerne durch die Weltgeschichte gereist und jetzt wird uns von vielen Seiten gesagt, das sei ja mit einem Kind nicht mehr möglich. Man habe keinen Urlaub mehr. Was für ein riesen Blödsinn.

    Ich verstehe nicht, weshalb sich manche Leute selber so einschränken. Oder anderen versuchen ihre Hobbys madig zu machen. Ich gehe noch immer meinen Videos nach, trotz Kind. Ich reise demnächst wieder, trotz und mit Kind. Ich gehe zum Sport, trotz Kind.

    Sicher, man organisiert sich anders. Aber diese Hiobsbotschaften von anderen „Oohhh, dein Leben mit Kind, wird gaaaaanz anders als dein jetziges!!!“ Ja, richtig! Es ist viel anstrengender, strukturierter und vor allem viel schöner geworden.

  2. Stimmt absolut! Man, wenn ich das Genöle von anderen Mamas höre „es ist so langweilig“. Na, macht doch mal was. So viel ist möglich, das Leben mit Kindern geht genauso wie vorher. Es ist alles nur Kopfsache. Das Problem ist, dass mit oder ohne Kinder, einfach viele Leute Schnarchnasen mit 0 % Vorstellungskraft sind. Daran ändert der Nachwuchs dann auch nicht mehr viel.

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