Eltern und Kinder

Ordnung ist das halbe Leben – und wie ich mal die andere Hälfte wollte!

Heute erzähle ich euch mal etwas von meinem Tagesablauf, bzw. wie ich manche Dinge so handhabe. Warum, das verrate ich danach. Ich hab mich nämlich mal auf die Lauer gelegt und mich selbst beim Tun und Machen beobachtet und dabei Erschreckendes Erstaunliches festgestellt!

Ich 2015

  • ich lege die Klamotten der Mädels am Abend vorher schon raus – und zwar das komplette Outfit
  • ich bereite die Vesper- und Pausendosen am Abend vorher schon vor und stelle sie in den Kühlschrank
  • ich räume immer alle Spielsachen auf, während die Kinder abends KiKa schauen
  • ich kehre und sauge IMMER die Krümel und Reste unter und auf dem Tisch weg, nachdem die Kinder (oder der Mann) etwas gegessen haben; jedes einzelne Mal am Tag
  • ich räume IMMER den Kindern ihre Sachen hinterher und lege sie wieder in ihr Zimmer, wenn sie ihren Kram irgendwo liegengelassen haben
  • ich säubere mindestens einmal am Tag das Waschbecken und die Toilette
  • ich sage den beiden jeden Morgen mehrmals Sätze wie „Jetzt trödel doch nicht so“ oder „Nicht träumen, du musst noch…“

Und jetzt reisen wir mal 25 Jahre in die Vergangenheit, habt ihr Lust? Dann ab in die wilden 90er Jahre, die Jahre der unbegrenzten Möglichkeiten, die Zeit der Coolness und der affentittenturbogeilen Ideen! (nicht…)

Ich 1990

  • meine Mutter legte immer meine Klamotten am Abend vorher schon raus (oder nötigte mich dazu) – und zwar das komplette Outfit
    [90er-Ich dazu „Boa, woher soll ich wissen, was ich morgen anziehen will? Voll spießig!„]
  • meine Mutter bereitete immer die Vesper- und Pausenbrote am Abend vorher schon zu und legte sie in den Kühlschrank
    [90er-Ich dazu „Boa, dafür ist doch morgen früh auch noch Zeit...“]
  • meine Mutter räumte immer alle Spielsachen auf, während ich abends fern sah oder nötigte mich dazu, das am Ende vom Tag zu tun
    [90er-Ich dazu „Das ist doch MEIN Zimmer, da darf es doch aussehen, wie ICH will!„]
  • meine Mutter kehrte und saugte IMMER die Krümel und Reste unter und auf dem Tisch weg, nachdem ich (oder mein Stiefvater) etwas gegessen hatten; jedes einzelne Mal am Tag
    [90er-Ich dazu „Du hast doch nen Putzzwang, echt mal! Das ist doch nicht normal!„]
  • meine Mutter räumte mir IMMER meine Sachen hinterher und legte sie wieder in mein Zimmer, wenn ich meinen Kram irgendwo liegengelassen hatte
    [90er-Ich dazu „Hallo? Ich lebe auch in dieser Wohnung, warum dürfen MEINE Sachen nicht auch im Wohnzimmer/der Küche liegen?„]
  • meine Mutter säuberte mindestes einmal am Tag das Waschbecken oder die Toilette
    [90er-Ich dazu „Es scheint dir doch echt Spaß zu machen, immer zu putzen! Hast du nichts anderes zu tun??„]
  • meine Mutter sagte mir jeden Morgen mehrmals Sätze wie „Jetzt trödel doch nicht so!“ oder „Nicht träumen, du musst noch…“
    [90er-Ich dazu „Du bist echt voll uncool, lass mich doch mal in Ruhe! Ich brauch halt meine Zeit!„]

Und wisst ihr, welchen Satz das 90er-Ich permanent von sich gab? Erratet ihr ihn?

Wenn ich groß bin und Kinder habe, dann mache ich das alles gaaaaanz anders!

Nun ja… Heute lache ich mein 90er Ich laut aus. Und entschuldige mich bei meiner 90er Mutter. (Bei meiner 2015er Mutter habe ich es schon getan :D) Denn vielleicht – nur vielleicht – tat sie all das ja gar nicht, um mich zu nerven oder weil sie so spießig war oder so gerne putzte oder total uncool war. Vielleicht hatten die meisten der Dinge, die mich so unglaublich abnervten, ja einen tieferen Sinn! Waren praktischer, zeitsparender, vereinfachten den Tag und brachten ein wenig wichtige Ordnung in das tägliche Chaos? Wer weiß?

Lustig auf jeden Fall, dass die Frau, die mich damals auf die Palme brachte mit ihrem Ordnungssinn und Planungsgeschick, heute mein großes Vorbild und meine Alltagsheldin ist. Und am Ende war entweder SIE keine Spießerin oder ich als Mutter gar nicht so cool, wie ich denke… Jedenfalls ist eins klar: Wenn meine beiden Mäuse mir mal Sätze wie „Wenn ich groß bin, dann…“ um die spießigen Mutterohren hauen, dann denke ich an mein 90er Ich zurück, verkneife mir mein weise gemurmeltes „Wart’s ab, Mäuschen… Wart’s ab…“, um in 25 Jahren ein lautes „HAHA!“ zu rufen! Und darauf freue ich mich schon!

 

3 Gedanken zu „Ordnung ist das halbe Leben – und wie ich mal die andere Hälfte wollte!

  1. Der Klassiker: Alles anders machen, als es die eigenen Eltern mit einem gemacht haben. Und wenn man mal so in die Runde fragt, machen viele es doch eher genau so, wie es die eigenen Eltern mit einem gemacht haben.
    Im weisen Alter von 25 aufwärts muss man halt feststellen, dass die Methoden damals nicht soooo falsch waren.

    1. Ja, das ist wohl so – und nicht nur bei der Kindererziehung. Aber lustig, wie sich immer alles wiederholt! Inklusive dem Spruch „Wart nur, wenn du mal Kinder hast…“ 😀

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