Eltern und Kinder ·Erziehung

Popokackapupspenis – Gutes Benehmen ist alles!

Wir schreiben das Jahr 2018. Die Prioritäten der Erziehung oder Nicht-Erziehung haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich verschoben. Was heute bei Tisch Eltern nicht mehr hinterm Ofen hervorlocken kann, hätte bei meiner Oma noch einen halben Herzinfarkt ausgelöst. Die neumodische Elterngeneration hat ganz andere Probleme, Ängste und Sorgen, als dass das Kind sie vor Fremden oder Bekannten blamieren könnte. Denkt man. Aber da hat man die Rechnung ohne ihn gemacht: Den Popokackapupspenis.

Popokackapupspenis
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Penis Penis Penis!

Das Mäuschen ist 5 Jahre alt. Fernab von Trotzphase (als ob…) und Rebellion (hahaha?) – aber eins hat sie wieder neu für sich entdeckt: Unflätigkeit par exellence. Angefangen hat es vor ein paar Wochen wieder mit der Liebe zum gesprochenen Wort. Zum LAUT gesprochenen Wort. Zum LAUT gesprochenen Wort Pups. Dann gesellte sich dessen Kollege Popokacka hinzu. Der existiert nur in der zusammengesetzten Variante, alleine trifft man die beiden Gesellen selten bis nie an. Und dann gab es da den Tag, an dem es im Kindergarten das Wort Penis umsonst gab. Seitdem ist bei uns die Verbaldünnpfiffhölle losgebrochen. Es wird gebrüllt, gesungen und gereimt, was der Penis, ähm Verzeihung, DAS ZEUG hält.

Es findet sich immer Publikum

Da sollte man zum einen (naiv) meinen, dass das Kind für diese Art von Humor schon zu alt ist – zum anderen glaubte ich aber, dass eine Drittklässlerin darüber nun wirklich nicht mehr lachen kann. Da hatte ich die Rechung aber ohne meine Töchter gemacht. Wenn die Kleine gutgelaunt und fidel jedes Substantiv eines Liedes durch Popokackapupspenis ersetzt und sich dabei scheckig lacht, liegt die Große laut brüllend unterm Tisch. Irgendjemand schaut immer verstört. Aber irgendjemand findet es garantiert auch super lustig. Ich selbst bin da gespalten. In den eigenen vier Wänden ohne Besuch ist das manchmal lustig. Wenn dann der Papa sagt „So, und jetzt JEDES Wort ersetzen“ und die große Schwester noch mit einstimmt. Aber da sitzt immer meine eigene kleine Oma auf meiner Schulter, die empört guckt und sich fragt, was die Nachbarn denken sollen!

Du bist nicht alleine!

Letztens war ich mit den beiden Mädchen im Kaufhaus. Während die Große ihre Schulhefte zusammenstellte, stand die Kleine ganz unschuldig neben mir und schaute sich ein Malbuch an. In diesem Moment sprang ein gleichaltriger Junge in den Gang und brüllte laut PENIS PENIS PEEEEEEEEEEEEENIS, gefolgt von einer knallroten Mutter. Ich brach in brüllendes Gelächter aus und sie wurde dunkelrot – bis ich sagte „Was bin ich froh, dass ich nicht alleine bin! Wären Sie ein paar Minuten früher gekommen, hätten Sie den Popokackapupspenis kennengelernt“. Wollen wir nämlich mal bei der Wahrheit bleiben. Denn ich kann ja nichts weniger leiden als unsolidarische Mütter! Da pipipups ich nämlich drauf!

Nur eine Pipikackaphase

Und so nehme ich das alles einfach mit (sehr schlechtem Gossen-) Humor. Eines Tages werden sie andere Dinge sagen, die einem die Schamesröte ins elterliche Gesicht treiben. Oder sie sagen gar nichts mehr. Wie man es dreht und wendet: Irgendwas ist doch immer. Ich bin nur echt froh, dass wir heute zwar in vielen Dingen leider noch nicht die Fortschritte gemacht haben, die ich sie in der Gesellschaft gerne sehen würde, aber doch nicht mehr so verklemmt und peinlich berührt sind, wenn es um die verbalen Entgleisungen unserer Kinder geht. Und ich sage es mal so: solange wir nicht bei der Queen (oder meiner Oma) eingeladen sind, lasse ich den Penis einfach einen guten Mann sein. Oder so.

***

In diesem Sinne: Ein bisschen Spaß muss sein. Dann geht der Popokackapupspenis vielleicht eines Tages von ganz allein.

 

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