Eltern und Kinder

Realitäts-Slalom für Profieltern

Gerade in der letzten Zeit fällt mir auf, dass der Weg vom Aufstehen bis zum Schlafengehen mit Kindern sehr, sehr tricky sein kann. Überall lauern Fallen und Fettnäpfchen und je mehr ich darauf achte, desto weniger entspannt bin ich! Was die gute Frau damit jetzt meint? Ich erkläre es euch.

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© by Pixabay

Das böse Radio

Früher zum Beispiel war ich total entspannt mit einem Kleinkind und einem Baby im Auto unterwegs. Oder noch früher: Ganz ohne Kinder. Mit Kindern dudelte entweder irgendein Rolf oder Volker grauenvolltolle Liedlein rauf und runter (und rauf und runter und rauf…) – oder man hörte eben Radio oder gar eigene Musik. Yeah. Aber man war entspannt (naja). Heute mache ich Radiosender-Slalom, da die Kinder keine Rolfs oder Volkers mehr hören wollen. Was ja generell eher zum Jubeln wäre. Warum Slalom? Weil irgendwann immer irgendwo die Nachrichten anfangen. Früher haben die Kinder da nicht zugehört, bzw. konnten nichts damit anfangen. Heute fällt mir auf, was für eine beschissene, kaputte Welt wir haben. NUR MORD UND TOTSCHLAG! Klar, ab einem gewissen Alter müssen die Mädels natürlich wissen, wie beschissen und kaputt die Welt ist – aber nicht jetzt… Also hoppt man zwischen „… 120 Leute wurden abgeschl…“, „Massenvergewalti…“ oder „…auch Kinder starben bei…“ und muss, so man nicht fix genug ist, Fragen wie „Mama, was heißt ‚abgeschlachtet‘?“ beantworten, bis man endlich irgendwo beruhigende Volkmusik findet (AAAAAAAH!).

Das böse Fernsehen

Wir schauen eigentlich gar kein reguläres TV mit den Kindern; bis auf das Sandmännchen bei KiKa. Nicht, weil meine Kinder total ohne Glotziglotzi aufwachsen sollen, sondern weil es nichts Schlimmeres gibt als Werbung! Daher gibt es hier die tägliche Dosis normal via Netdings oder Amabums. Ganz ohne KAUFMISCH-Berieselung. Wenn aber doch mal ein Werbefilmchen passiert, muss man besonders in der Vorweihnachtszeit seeeeeeehr fürchten, dass das schöne, festliche und kindgerechte Lügengebilde rund ums Christkind und den Nikolaus in sich zusammenstürzt. Ja, einem um die Ohren fliegt! Denn – auch im Radio! Obacht! – gerne wird da nämlich mitgeteilt, welche Geschenke man wem super zu Weihnachten schenken soll. Was ja total Unsinn ist! Schließlich hat ja kein Schwein was zu schenken bis auf die, die den Job machen sollen! Chris, Nik and the fabulous Santa, Baby!
Also auch hier hektisches Sender-Slalom und LALALAAAAAA von meiner Seite. Aber auch die bösen Verwandten können diesen Punkt mit „Na, hat dir der Pulli gepasst, den ich dir geschenkt habe?“ – DINGDINGDING! „Aber Oma, das war doch der Nikolaus?!“ – MÖÖÖÖP! – so richtig versemmeln.

Die bösen Aktivisten

Das ist ein Punkt, den ich echt mal so gar nicht mehr witzig finde, seit ich Kinder habe, die Fragen stellen und Augen im Kopf haben. Und da bin ich auch immer kurz davor, lautstark meine Meinung zu vertreten oder gar Ordnungshüter herbeizupfeifen. Ich weiß nicht, wie die Sache bei euch in den Städten so aussieht und wie ihr das seht, aber hier in der kleinen, grünen Tierschützer- und Ökohochburg kann es einem jederzeit passieren, dass man einfach so aus dem Nichts Bilder sieht, die walkende Zombies oder blutdurstige Vampire um Längen schlagen – und auch noch real sind. Leider. Ich spreche von gehäuteten Pelztieren. Oder von Äffchen mit freiliegenden Hirnen. Oder von geschlachteten Kälbchen. Riesenplakate und sogar Riesenleinwände, auf denen Live-Mitschnitte von schlimmsten Tiergemetzeln laufen, sind hier an der aktivistischen Tagesordnung. Und auch WENN ich der Meinung bin, dass wir Erwachsenen das sehen und aushalten müssen, finde ich, dass meine drei- und sechsjährigen Kinder das noch nicht zu sehen brauchen. Ich bin froh, dass sie noch in ihrer kleinen, heilen Welt leben dürfen, denn lange geht das nicht mehr gut. Und mal im Ernst: Ist das überhaupt erlaubt? Gibt es da keine FSK oder so für diese Fälle? Ich meine, klar, die machen auf wichtige und schlimme Dinge aufmerksam – aber darf ich zum Beispiel einen Hardcoreporno auf einer großen Leinwand vor dem Kaufhaus laufen lassen, nur um zu zeigen, wie arme Frauen für Speckfilmchen ausgebeutet werden? Ich denke doch nicht! Und ihr ahnt sicher, welch übermütterlichen Kräfte nötig sind, Kinder davon abzuhalten, auf flimmernde Leinwände oder Monsterplakate zu starren! Da muss man dann eben mal laut singen und tanzen und ein fünfstöckiges Eis versprechen oder mit einem „DA! EIN DREIKÖPFIGER AFFE!“ sein Glück versuchen…

Alles in allem seht ihr  – es ist nicht leicht. Da kann man schon abends mal total geschafft aufs Sofa fallen und sich gegenseitig gratulieren, dass man die Kindern wieder einen Tag länger davor bewahren konnte, die rosarote Brille von der Nase gehauen zu kriegen. Und dann kommt schon bald ein neuer Tag mit neuem Slalom. Es warten noch so viele Tücken und Fallen auf uns. Packen wir es an! („Mama, der Claus Augustin hat gesagt, die Babys kommen gar nicht nur, weil man sich lieb hat….“).

 

2 Gedanken zu „Realitäts-Slalom für Profieltern

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