Eltern und Kinder ·Erziehung

Sag mal, wie ist es, Mutter zu sein?

Viele Freundinnen haben mich in den letzten Jahren gefragt, wie es eigentlich ist, Kinder zu haben. Diese kleine und doch so unglaublich große Frage ist es, die uns Frauen, Mädels, aber auch Männer und Jungs wahrscheinlich schon sehr lange interessiert. Bis zu dem Tag, an dem wir unser erstes kleines Wunder in den Armen halten können.

IMG_1036Wie ist es Kinder, zu haben?

Die Frage lässt sich schwer beantworten. Was soll man sagen? Schön? Anstrengend? Ermüdend? Aufregend? Spannend? Wundervoll? Mit einem Wort ist es ganz sicher nicht getan. Aber auch mit Sätzen ist es nicht leicht, eine Antwort zu formulieren… Ich versuche es gerne mit Gefühlen. Mit Vergleichen aus dem Emotions-Schatz, auf den man selbst als Noch-Nicht-Mama-Papa zurückgreifen kann.

Wisst ihr noch wie es war, wenn ihr zwischen Mama und Papa im Elternbett gelegen habt? Wisst ihr noch, wie es war, ihren Duft einzuatmen, die Nase tief ins Kissen zu drücken und zu wissen, ihr seid zu Hause? Wie ihr mit dem Gefühl des perfekten Momentes einfach wusstet, dass alles gut wird und ihr nie alleine sein müsst?

Wisst ihr noch, wie es war, wenn ihr einen wunderschönen Tag mit der besten Freundin oder dem besten Freund verbracht habt und ihr Arm in Arm, lachend und scherzend, nach Hause gelaufen seid? Und ihr einfach wusstet, dass ihr für immer beste Freunde sein würdet, komme was wolle?

Wisst ihr noch, wie alleine ihr euch gefühlt habt, als ihr das erste Mal woanders als zu Hause übernachtet habt als Kind? Bei Oma und Opa oder bei einer Freundin? Als ihr vor Heimweh fast zerflossen seid und tief in eurer kleinen Brust einen dunklen Stein gefühlt habt, der euch ganz traurig machte?

Und wisst ihr noch, wie stolz ihr wart, als ihr am nächsten Morgen die Sonne aufgehen gesehen habt und wusstet, dass ihr eure erste Nacht weg von zu Hause geschafft habt und alles doch nicht so schlimm war, wie ihr dachtet?

Erinnert ihr euch noch an eure erste große Liebe? Wie ihr euch die ganze Zeit mit diesem großen, alles füllenden Gefühl beschäftigt habt und kaum Raum und Zeit für andere Dinge war und ihr auch gar keinen Raum und keine Zeit für andere Dinge haben wolltet?

Und erinnert ihr euch auch noch daran, wie weh der erste Liebeskummer tat, als ihr glaubtet, dass ihr euch nie wieder erholen und neu verlieben würdet und das auch gar nicht wolltet?

Wisst ihr noch, wie ihr euch gefühlt habt, wenn ihr nach einem kalten Tag vom Spielen oder von der Schule nach Hause gekommen seid und euch jemand mit einer heißen Tasse Kakao und einem Stück Kuchen überraschte und euch sofort „warm ums Herz“ wurde?

Erinnert ihr euch noch an den ersten wirklich schlimmen Streit mit jemandem, der euch sehr wichtig und nahe war und ihr Dinge gesagt und gehört habt, die man nicht zurücknehmen konnte und die tief verletzten?

Emotions-Karussell für Fortgeschrittene

All das und noch viel mehr ist die Antwort. Diese Gefühle beschreiben es. Wie es ist, Kinder zu haben. Und manchmal passieren all diese Dinge an einem einzigen Tag. Das fordert heraus. Und ist anstrengend. Und wundervoll. Und ermüdent. Und es ist nicht immer rosarot. Aber diese Gefühle alle permament wie auf einer Berg-und-Tal-Bahn durchleben zu können, zu dürfen, wieder und wieder – das fühlt sich unglaublich lebendig an. Lebendig und intensiv. Und es ist nichts für Weicheier. Denn mit all diesen Gefühlen in dermaßen hoher Dosis umgehen zu können, ist ein hartes und chaotisches Stück Arbeit. Und es gibt oft Situationen, in denen ich mir denke, wie gerne ich mich einen Moment aus diesem Emotions-Karussell ausklinken würde. Einen Augenblick durchatmen. Eine Sekunde ausruhen. Nichts fühlen. Sich nicht sorgen. Nichts spüren. Aber dann merke ich, dass ich das nicht mehr kann. Und nicht mehr will. Zumindest für mich ist es genau das, was ich immer wollte. Nur, dass es noch 10000x stärker ist, als ich es mir je hätte vorstellen können.

8 Gedanken zu „Sag mal, wie ist es, Mutter zu sein?

  1. Wow!!! ich ziehe den Hut vor dieser geschriebenen Meisterleistung!!

    Du hast fertig gebracht zu schreiben, was ich schon schwer in meinen Gedanken ordnen konnte. Jetzt sehe ich das klarer 😉

    LG Lilly (Mama seit 2 Jahren)

    1. Liebe Carolin, herzlichen Glückwunsch zum Baby <3 Ja, man unterschätzt es wirklich. Man kann es sich vorher einfach nicht mal ansatzweise vorstellen. So vieles, was da mit zusammenhängt... Alles Liebe und Gute für euch!!!

  2. Mit Tränen in den Augen den Artikel gelesen… Zweifel nagen an einem und man fragt sich, was man als Mama leisten muss… und du hast es geschafft es einem wieder klar zu machen.

  3. Dein Artikel trifft mitten ins Herz…. als wären es meine eigenen Worte. Ich weiß das alles noch ganz genau und dennoch denke ich, können Worte das Muttersein nicht vollends beschreiben.
    Die Gefühle sind ja zum Teil ganz anders… das Erschöpfungsgefühl als Mutter kann man ja zb. nicht mit dem aus beruflichen Alltag vergleichen. Mutter zu sein, ist eine Erfahrung, die man durch nichts anderes ersetzen kann!

    Wundervoller Blog!

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