Eltern und Kinder ·Schlaflabor (Serie)

Schlaflabor (2): Sarah von Mamas Lifestyle

Kein Thema im Alltag von Mamas und Papas steht so im Mittelpunkt der eigenen und fremden Aufmerksamkeit wie das des Kinder-Schlafs. Vom ersten Schrei des Kindes an begleiten Eltern Fragen wie “Schläft er schon durch?” und von Anfang an folgen entsetzte und mitleidige Blicke, wenn die Antwort nicht “Ja, schläft im eigenen Bett im eigenen Zimmer durch” lautet. Doch die Welt mit Kind sieht anders aus.

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Und es gibt unglaublich viele Facetten dessen, was sich manch einer so einfach vorstellt. Daher habe ich diese Serie ins Leben gerufen, in der Mütter und Väter die Gelegenheit haben, von ihren Schlafgeschichten zu berichten. Wer gerne einen Text dazu schreiben möchte, schickt ihn bitte an die im Blog angegebene Emailadresse!

Aber jetzt: Vorhang auf für Sarah von Mamas Lifestyle!

 

Ruhelos durch die Nacht

Warnung: Schwangeren und Menschen mit Kinderwunsch wird dringend davon abgeraten, diesen Artikel zu lesen da er kinderfeindliche und –kritische Aspekte beinhaltet. Wenn Sie mit Kindern gesegnet sind, die von Anfang an wie kleine Engelchen in ihren Bettchen 12 Stunden lang durchschliefen, sollten Sie sich nachfolgende Erzählung, die auf einer realen Begebenheit beruht, nur zu Gemüte führen, wenn Sie emotional gefestigt sind und sich bereit fühlen, der harten Realität ins Auge zu blicken.

Um vorweg klarzustellen: Meine 3 jährige ist zuckersüß, oft möchte ich sie am liebsten auffressen. Aber: Mindestens genauso oft raubt sie mir den letzten Nerv. Und das liegt nicht nur an ihrem, nennen wir es mal „stark ausgeprägten Willen“ oder ihrem „Durchsetzungsvermögen“ aka nervenaufreibenden Trotz- und Tobsuchtsanfällen sondern auch an meinem Schlafmangel, der mich dank des zauberhaften Geschöpfes nun seit etwas mehr als 3 Jahren begleitet.

Ich öffne heute die Tür in unsere Schlafzimmer und gewähre euch einen kleinen Einblick in die Kammer des Grauens:

Fangen wir am Anfang an:Der Zwerg erblickte am 23.10.2011 das Licht der Welt. Zu diesem Zeitpunkt war ich dank der wochenlangen unbequemen Schwangerschaft schon total übermüdet und meine Nerven waren zum Zerreißen gespannt. Es folgten Wochen und Monate mit einem Kind, das zu Hause ausschließlich mit Körperkontakt in den Schlaf fand. Das wäre noch nicht mal ein Problem gewesen. Aber mein Töchterchen schlug jedes Mal die Augen auf und begann herzzerreißend zu brüllen, sobald ich mich klammheimlich versuchte, von Bett oder Couch zu schleichen oder sie mit Schweißperlen auf der Stirn in akribischer Millimeterarbeit vom Arm ins Bettchen rutschen ließ.

Auch tagsüber ließ sich dieses kleine Geschöpf keine 2 Minuten auf der Krabbeldecke, in der Wippe oder sonst irgendwo ablenken. Meine einzige Chance in dieser Zeit auf einen „entspannenden Ausgleich“ an Herd oder Bügelbrett war eine Babytrage. So schleppte ich den Zwerg tagaus tagein durch die Gegend und genoss die Bewegungsfreiheit meiner beiden Hände. Allerdings stellten mich schon Kleinigkeiten wie die Sehnsucht nach einer Dusche, die den Geruch von erbrochener Milch beseitigt, vor ein logistisches Problem. So wurde ich Meisterin des 2 Minuten-Duschens (ich trainierte hart mit Schuldgefühlen und Angstschweiß während der Zwerg in der Wippe vor der Dusche brüllte, als ginge es um sein Leben).

Nachts sehnte ich mich einfach nur danach, meinen erschöpften Körper auszuruhen, mal alle Viere von mir zu strecken und mich nicht in unnatürliche Stellungen verrenken zu müssen. Leider wurde mir dieser Wunsch nicht erfüllt. Ich musste mich mit dem Zwerg ins Bett legen und die ganze Nacht an seiner Seite wachen. Unterbrochen wurde dieses Erlebnis von längeren Wach- und Schreiphasen in denen ich einen wahren Marathon zurücklegte. In wippendem Gang und Schlaflieder psychotisch angehaucht vor mich hin summend wankte ich Stunde um Stunde wie ein Zombie durchs Haus, bis das teuflische zauberhafte Bündel auf meinem Arm aufhörte zu wimmern und wieder in den Schlaf fand. Später dann ließ sich der Zwerg ins eigene Bettchen (im Elternschlafzimmer) bringen, so gegen 20 Uhr war tatsächlich Ruhe im Haus. Ich hatte dann ein Zeitfenster von 2- 4 Stunden, bis mein nächster Einsatz begann. Denn jeden Abend ging der Alarm zwischen 22 und 0 Uhr los und ich musste mich mit Prinzessin Schlaflos ins elterliche Bett legen, wo ich dann Händchen und Füßchen streicheln sollte. Sobald ich eindöste und die Streichelbewegungen aufhörten, protestierte meine Tochter heftig. (Diese Bewegungen sind mir übrigens so in Fleisch und Blut übergegangen, dass noch heute mein Zeigefinger regelmäßig zuckt, während ich schlafe).

Den Kopf auf himmlischem Kirschholz-Imitat meines Nachtkästchens gebettet lag ich dann stundenlag wach, starrte an die Decke und verfluchte meinen Mann, dem es vergönnt war, seelenruhig neben mir zu schlafen als sei es das Selbstverständlichste der Welt.

Auch tagsüber steckten wir im Schlaf-Dilemma. Das Zwergchen war oft müde, schlief aber höchstens mal im Auto ein (so lange, bis der Motor verstummte) oder im Kinderwagen (bis ich aufhörte, zu schieben). Eine Zeit lang überlistete ich meine Tyrannin indem ich den Kinderwagen auf den Balkon stellte, mich jeden Vormittag dort eine halbe Stunde auf einen Stuhl setzte und versuchte, im Sitzen zu schlafen während ich mit dem Fuß den Wagen auf und ab bewegte. Doch irgendwann flog ich auf und mein kleiner Power-Nap gehörte wieder der Vergangenheit an. In der Zwickmühle steckte ich auch im Hinblick auf meine ältere Tochter. Sie war damals 6 und gerade in die erste Klasse gekommen. Nach dem Mittagessen forderte der Zwerg seinen Mittagsschlaf ein. So legte ich mich mit ihm ins Elternbett, streichelte bis die Äugchen zufielen, schlich mich dann nach draußen um der Großen bei den Hausaufgaben zu helfen. Leider hatte ich nur ein Zeitfenster von wenigen Minuten, bis der Zwerg meine Abwesenheit bemerkte und das Haus zusammenbrüllte. So lief ich jeden Mittag ca 2 Stunden lang im Zickzack durchs Haus und wechselte alle 5 Minuten zwischen Esstisch und Bett. Keine schöne Zeit.

Doch es wurde auch wieder besser: Als der Zwerg 2 Jahre alt war beschloss ich, den Mittagsschlaf (der einfach nur eine Tortur für die ganze Familie darstellte) wegzulassen. Zu diesem Zeitpunkt klappte es sowieso nur noch 2 mal die Woche, sie tatsächlich in den Schlaf zu streicheln. An den anderen Tagen lag ich stundenlang neben ihr und streichelte mir erfolglos die Fingerspitzen wund, während meine Tochter müde, grummelnde Einschlafgeräusche von sich gab aber trotzdem erfolgreich gegen den Schlaf ankämpfte. Das Weglassen des Mittagsschlafs hatte die Folge, dass meine Tochter nun von 20 Uhr bis 2 Uhr morgens in ihrem Bettchen durchschlief, dann unter meine Decke wechselte und dort trotzdem relativ ruhig bis zum nächsten Morgen weiterschlief. Einige Monate später zogen wir um. Zwerg bekam mit 2,5 Jahren endlich ein eigenes Zimmer und ein großes Bett, das sie vom ersten Tag an liebte. Seitdem bleibt sie auch nachts dort.
Mittlerweile ist sie 3. Ich bringe sie gegen 21 Uhr ins Bett (vor 22h schläft sie aber nie ein). Ich selbst gehe gegen 2 Uhr morgens ins Bett, da ich erst anfangen kann, konzentriert zu arbeiten, wenn wirklich Ruhe ist im Haus. Morgens um 7 stehe ich auf. Nachts wird mein Schlaf zwischen 1 und 5 mal unterbrochen.

Dann muss ich die Wasserflasche aufzufüllen, die Decke „entknittern“, Monster verjagen oder Ähnliches.

Seit 2 Monaten sind meine beiden Kinder bis 16 Uhr in Schule und Kindergarten. Ein langer Tag also und viele Stunden, die die Mutter der Augenringe nun ungestört für „sich“ (und Haushalt und Arbeit) hat.
Und jetzt ratet mal, was ich ab 08.30h mache, wenn ich meine beiden Kinder zum Schulbus gebracht habe?! Nein, ich räume nicht die Spülmaschine aus, wasche Wäsche, gehe einkaufen, fange eeeendlich mit der Arbeit an, gehe ins Fitnessstudio oder mache aus dem Chaos auf meinem Kopf eine Frisur. Denn: ICH SCHLAFE. Ich lege mich ins Bett und schlafe nochmal 3 bis 4 Stunden. Ohne Unterbrechung. Ohne bei dem kleinsten Huster von nebenan gleich wieder senkrecht im Bett zu sitzen. Meine Fenster sind schmutzig und die Einkäufe habe ich mir heute wieder liefern lassen (ja, das geht hier in Istanbul glücklicherweise 😉 ). Aber es tut mir einfach so gut. Und ich werde das solange machen, bis ich verdammt noch mal all die verlorenen Stunden Schlaf wieder aufgetankt habe. Und mein Gewissen? Das kann mich mal. Ich bin zu erschöpft, um mich mit ihm auseinander zu setzen.

(Sarah)

5 Gedanken zu „Schlaflabor (2): Sarah von Mamas Lifestyle

  1. Hahahahahaha, danke! Tränen gelacht. Nicht wegen des fehlenden Schlafes, sondern wegen des gigantischen Schreibstils.
    Auch wenn wir mit einem guten Schläfer gesegnet sind, kennen wir solche Nächte. Zähne. Krank. Laufen lernen. Einfach keine Lust. .. das zerrt schon sehr an den Nerven. Daher: schlaf gut! Für dreckige Fenster kann ich blickdichte Gardinen empfehlen.

    1. Großartig geschrieben, oder? Ich war auch ganz begeistert! Und ja, nicht schlafen ist wohl mit das Krasseste für den armen menschlichen Körper auf Dauer^^

      Liebe Grüße!

  2. Irgendwie erkenne ich mich darin wieder…. Meine Kleine ist jetzt 5 Monate alt und macht keine Anstalten allein zu schlafen oder sich tagsüber nicht von Mama bespaßen zu lassen. Unterschied: sie schläft noch nicht mal im Kinderwagen, aber manchmal klappt’s im Tragetuch!

  3. Huhu,
    Warst du bei mir Mäuschen und hast über mich geschrieben???
    Meine Tochter hat 4 Jahre nicht geschlafen, davon haben sich zwei mit dem neuen baby überschnitten, das anfangs auch nur so, wenn auch lange nicht so extrem, geschlafen hat

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