Eltern und Kinder ·Schlaflabor (Serie)

Schlaflabor (7): Die Nachbarin

Heute gibt es einen neuen Teil der Serie, in dem Die Nachbarin von ihrem Bett, ihren Schlafgewohnheiten und dem erzählt, was dann passierte! Ich habe herzlich gelacht, viel Spaß mit diesem tollen Text!

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Wer gerne auch einen Text dazu schreiben möchte, schickt ihn bitte an die im Blog angegebene Emailadresse!

Aber jetzt: Vorhang auf für  Die Nachbarin!

 

Mein Bett und ich

Es war einmal ein Bett. Mein Bett. Wenn ich abends hineinstieg, umfing es mich kuschelig und warm. Ich las darin oder hing meinen Gedanken und Halbwachträumen nach, bis mir die Augen zufielen. Das war meist schon nach fünf Minuten. Einschlafen war für mich noch nie ein Problem. Durchschlafen auch nicht. Ich bin ein guter Schläfer. Getoppt wurde ich bisher nur von einer Freundin, die mal beim Karnevalszug einschlief. Nüchtern. Im Stehen. An einen Stromkasten gelehnt. Ein schlafendes Einhorn…

Aber zurück zu meinem Bett. Es war zwei Meter lang und 90 Zentimeter breit. Ich entschied alleine, mit wem ich es teilen wollte.

Mit Wuffi, Mitzi, Schweini und Püppi… Perfekt! Dann zogen irgendwann die Kuscheltiere aus und einige Zeit später auch ich selbst. Ich war erwachsen! Mein Bett blieb im Kinderzimmer zurück, mein selbstbestimmter Schlaf auch. Ob 100 cm Wohnheimbett, 140 cm WG-Futon, 160 cm britische Sprungfeder oder 200 cm Ehebett – nie wieder habe ich so ruhig von 22 Uhr bis 7 Uhr durchgeschlafen.

Es kamen die Bettdecken-Wegzieher und Aus-dem-Bett-Drängler, die Huster und Schnupfer, Knirscher und Räusperer, Schlafwandler und Sleeptalker, die Spät-ins-Bett-Kommer und die Frühaufsteher. Die Knoblauchesser, Zigaretten-Ausdünster und Starkschwitzer. Die Einkeiler und Warmhalter. Die Eisfüßer und natürlich immer wieder die Schnarcher: Kettensäger und Gurgler. Mein Uropa hat übrigens so laut geschnarcht, dass die Nachbarn die Polizei riefen, weil sie dachten, es liegt ein Besoffener im Straßengraben. Aber das nur am Rande.

All das hat mich komischerweise nicht davon abgehalten, mir den Mann fürs Leben zu suchen und eine Familie zu gründen. Was habe ich mir Mühe bei der Einrichtung des Kinderzimmers gegeben: einen Baum mit Eulen an die Wand gemalt, ein Sternenrollo ans Fenster gehängt, warme Lichtquellen geschaffen und natürlich das Gitterbettchen aufgestellt. Mit ökozertifizierter Matratze und gebrauchter – weil schon oft gewaschener – Bettwäsche.

Ich stellte mir vor, wie wir uns übers Bettchen beugen würden, den Nachwuchs zärtlich in seinem tiefen Babyschlummer beobachtend…

Hach, wie man doch oft so naiv durchs Leben geht. Unsere Tochter ist jetzt drei Jahre alt und wir mindestens 30 gealtert. Jeweils! Vom tiefen Babyschlummer konnte in der Zwischenzeit niemals die Rede sein. Am Anfang erwartet es ja auch niemand, aber wenn die Monate und Jahre so ins Land gehen… „Brauchste `ne Schlafstörung, schaff dir `n Kind an!“, sagte mir mal ein Leidensgenosse. Wie wahr!

Unsere Tochter eroberte unser Ehebett vom ersten Tag an und kostet diesen Triumph bis heute aus. Und zwar so geräusch- und bewegungsintensiv, dass ein Meter Schlafraum pro Person zu einem etwa 20 Zentimeter schmalen Schlafgrad zusammenschrumpften. Man fühlt sich quasi immer „on the edge“. Ihr Gurgler und Knirscher, Schnarcher und Redner, Bettdecken-Wegzieher und Aus-dem-Bett-Drängler, das war doch noch gar nichts. Unsere Tochter macht das ALLES in Personalunion.

Fußtritt in die Niere, Faustschlag auf den Solar Plexus, Finger im Auge, Ganzkörperattacke auf mein unverantwortlich langes Haupthaar (das übrigens auf diese Weise in den letzten Jahren schon ziemlich dezimiert wurde…) Man wacht auf und fühlt sich, als wäre man in einen Hundekampf geraten. Dabei ist es erst ein Uhr morgens.

Irgendwann haben wir eingesehen: zu dritt in einem Bett, das geht einfach net! Also, ist einer ausgezogen. Nein, nicht etwa unsere Tochter, obwohl wir es wirklich lange versucht haben. Sondern wahlweise einer von uns Großen: Immer der, der noch müder, kränker oder arbeitstechnisch eingespannter war. Wer, wie und wo in unserer weitläufigen Wohnung campierte, habe ich quasi als Therapieleistung vor einigen Monaten in diesem Blogbeitrag festgehalten

Ich könnte hier auch noch von nächtlicher Bewirtung: „Herr und Frau Ober! Eine Milch, ein Wasser, ein Kakao, ein Käsebrot…“ (ach, nein letzteres nicht, sie hasst Käse), von durchweichten Schlafanzügen und Matratzen, Husten, Schnupfen, Heiserkeit, Alpträumen und was einen sonst noch so raustreibt, aus den Federn, berichten, aber das würde den Rahmen sprengen.

Fakt ist: Wir haben vor vier Wochen doch noch einen Meilenstein geschafft. Ohne Ferber! Unsere Tochter schläft mit fünf Nachtlichtern, 35 Kuscheltieren, drei Spieluhren, zehn Pixiebüchern, ihrem Ipod und verhängtem Baum-Wandbild („die Eulen machen mir Angst“) alleine ein. Wir müssen auch nur drei bis viermal am Abend hinrennen. Dann schläft sie bis drei Uhr in der Nacht und kommt ohne Geschrei und Lamento in unser Bett, wo sie wieder tritt, kratzt und beißt. Aber egal. Wenn wir schon nicht unseren Schlaf wieder haben, dann doch wenigstens wieder unser Ehebett: immerhin für vier Stunden pro Nacht.

In diesem Sinne süße Träume, Eure Nachbarin

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