Eltern und Kinder ·Erziehung

Sorgen und Irrsinn – vom Coolkid zur Panik-Mama

Kinder bringen neben Sonne und Freude auch Sorgen und Ängste mit in dein Leben. Kinder verändern alles. Peng. Diese paar Worte sind so abgenutzt und floskelhaft, dass sie kaum noch jemand hören kann oder will. Aber WIE sehr sie dein Leben verändern, wird dir oft erst klar, wenn du dich heute mit dir damals, mit dir VOR Kindern vergleichst. Heute wurden mir wieder ein paar Dinge bewusst, während ich eigentlich nur von A nach B fahren wollte…

"Sorgen und Freude"Wie ich früher war

Früher, mit 18, fuhr ich hin und wieder ohne Sicherheitsgurt. Ich hatte gerade den Führerschein fürs Auto gemacht und fühlte mich unverwundbar, frei und erwachsen. Was sollte schon passieren? Der Gurt drückte und wenn man sich mit Auto schon cool fühlte, fühlte ich mich ohne Gurt noch viel cooler…

Früher, mit 19, war ich voller Mut und Sorglosigkeit. Ich machte heimlich den Motorrad-Führerschein, brauste davor und währenddessen als Sozius mit Freunden auf schnellen Maschinen mit 200kmh über die Autobahn und dachte immer nur „WENN ich mal sterben muss, dann jetzt, hier, mit dem Wind im Gesicht“. Und schlimm genug, dass ich solch dämliche Gedanken hatte – ich teilte sie auch mit meiner panischen Mutter…

Früher, mit 20, flog und fuhr ich durch die Gegend. Hauptsache, man konnte schnell weit weg und war unabhängig und selbstständig. Ich ließ mich weder durch Glatteis noch durch andere Widrigkeiten vom Fahren abhalten. Wenn ich wohin wollte, dann KAM ich auch dahin. Ohne wenn und aber. Und ohne negative Gedanken…

Wann kamen die ersten Sorgen?

Als ich die Jugend und ihre Sorglosigkeiten hinter mir ließ, wurden mir ein paar Dinge klar. Ein Schulfreund starb bei einem Autounfall und ich merkte, wir sind NICHT unverwundbar. Und ich begann, manche Dinge nicht nur aus meiner Sicht zu sehen, sondern auch aus der meiner Eltern, meiner Familie. Das ließ mich grübeln und Meinungen überdenken und ich fing an, etwas mehr auf mich aufzupassen. Um nichts in der Welt wollte ich, dass sich jemand meinetwegen Sorgen machen musste.

Aber in dem Moment, in dem ich Mutter wurde, in der Sekunde, als ich die kleine, verknautschte Maus in den Armen hielt, wurde mir mit einem Riesenschlag ins Gesicht klar, dass das alles irgendwie vorbei sein würde. Nicht der Spaß, nicht die Freiheit oder die Unabhängigkeit. Aber die Sorglosigkeit. Und damit meine ich eben nicht, dass man sich als Mutter und Vater ein Leben lang Sorgen um die eigenen Kinder machen wird – sondern ich meine damit, dass ich in dieser Sekunde anfing, mir um MICH selbst Sorgen zu machen. Das fing noch in der Klinik an. War mir vorher noch die Präeklampsie samt Bluthochdruck reichlich egal (Hauptsachte, dem Kind geht es gut!), bekam ich schlagartig Panik und Sorge, dass mir noch nach der Geburt etwas passieren könnte. Und so pflanzte sich diese Angst immer weiter fort, schlug Wurzeln und entwickelte Ableger.

Vom Coolkid zur Panik-Mama

Meine Panikattacken, über die ich hier schon mal schrieb, machten es diesen Sorgen und Ängsten sehr leicht, sich reichen Nährboden zu suchen. Heute bin ich selbst schon sehr genervt von den Auswüchsen dieser Sache, aber ich kann sie nicht mehr stoppen. Wie sich das so bemerktbar macht?

Ich bin eine grauenvolle Beifahrerin. Meine Freundin sagt immer, ich soll das gesunde, sichere Ankommen nach einer Fahrt visualisieren – aber mein blödes Hirn visualisiert lieber Todes-Crashs mit Weltuntergang. Besonders schlimm ist es, wenn ich mit meinem Mann alleine unterwegs bin – denn die Vorstellung, dass die Kinder ohne uns beide aufwachsen würden, macht mich total wahnsinnig.

Ich bin auch ein grauenvoller Sozius geworden. Nicht nur, dass ich nie mehr in meinem Leben Motorrad gefahren bin. Nicht nur, dass mein Mann selbst gar keinen Motorradfrührerschein hat und nur eine harmlose 50er fährt. Nein, ich sitze hinter ihm, als würde mein letztes Sekündlein schlagen und kann nur daran denken, wie ich auf den Asphalt krache und nur meine Jeans zwischen meiner Haut und der Straße ist. Selbst fahren würde ich gar nicht mehr.

Ich bin auch eine grauenvolle Fahrerin geworden. Ich habe einfach Angst, dass ich den schlechten Tag des miesen Fahrers des kaputten LKWs erwische. Ich. Oder mein Mann und ich. Oder ich und die Kinder. All diese Fortbewegungsarten sind so unglaublich gefährlich! Zumindest in meinem doofen Hirn. Das sich ständig einschaltet und alles in den düstersten Farben malt.

Meine Kinder brauchen mich doch

Ich kann das nicht ändern. Kinder verändern das Leben. Sie verändern alles. Die Sichtweisen, die Prioritäten – und die Art und Weise, wie man mit seiner eigenen Gesundheit und Sicherheit umgeht. Ich rauche nicht mehr, ich ernähre mich gesünder, ich achte auf mich und ich gehe zur Vorsorge. Ich kümmere mich um mich. Für sie. Sicher kann immer etwas passieren. Auch das sagt mir das doofe Hirn. Aber ich gebe alles, um für sie da sein zu können. Schlimm ist nur, dass bei mir immer alles in einen Wahn münden muss. Wenn ich was mache, dann richtig. So auch beim Irrsinn. Aber hey, lieber eine verrückte Mutter, die sich in den Beifahrersitz krallt und die 1000er Sportmaschine gegen ein Fahrrad (jaja, auch gefährlich, aber irgendwann hört sogar meine Beklopptheit auf!) getauscht hat, als gar keine…

Ich visualisiere nämlich auch positive Dinge. Wie ich zum Beispiel auf der Hochzeit meiner Maus lache und Kuchen esse. Und wie ich auf der Abschlussfeier meines Mäuschens vor Stolz fast platze, weil sie so glücklich und sorglos ist. Das sind meine Ziele. Die kann ich sehen. Und deswegen bin ich mir so wichtig geworden. So anstengend das auch sein mag…

2 Gedanken zu „Sorgen und Irrsinn – vom Coolkid zur Panik-Mama

  1. Hallo liebe Mama 🙂

    Toller Artikel, in dem ich mich gerne selbst wieder finde.
    „Schlimm ist nur, dass bei mir immer alles in einen Wahn münden muss. Wenn ich was mache, dann richtig. “
    Die Grad zwischen Wahnsinn und lässig, ist ein schmaler, auf dem ich mich jeden Tag aufs Neue befinde und es irgendwo ein alltäglicher Kampf mit mir selbst ist… Hört es irgendwann auf?
    Ich glaube solange man das „Mama-sein“ lebt , wohl eher nicht 😉

    Liebe Grüße

    Mama von Bebi E.

    http://www.mamasdaily.wordpress.com

    1. Liebe andere Mama 😀

      Ja, der Grat ist sehr schmal und ich tappe desöfteren leider zu weit in die falsche Richtung. Und ich glaube auch nicht, dass das aufhört in den nächsten 20-30 Jahren. Aber wir können ja schon froh sein, dass wir uns dessen Bewusst sind. Sage ich mir wenigstens immer. Aber ich bin schon froh, dass ich nicht alleine damit bin. Geteilter Wahn ist halber Wahn? 😉

      Liebe Grüße,
      Katja

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