Eltern und Kinder ·Erziehung

Kinder verkraften das schnell? – Umzug und Schulwechsel

Ein möglicher Umzug. Ein damit möglicher Schulwechsel. Eine neue Stadt. Ein neues Umfeld.

Kinder verkraften das schnell.
Kinder stecken das schnell weg.
Kinder schaffen das leichter.

Diese und ähnliche Aussagen bekomme ich in den letzten Wochen sehr oft um die Ohren gehauen. Denn bei uns stehen möglicherweise einige Veränderungen vor der Tür. Und dementsprechend geistern viele Überlegungen und Ängste in meinem mütterlichen Hirn herum. Aber jedesmal, wenn ich mich jemandem anvertraue, höre ich diesselbe Leier.

"Schulwechsel"Meine Tochter ist sehr sensibel

Aber lasst mich etwas weiter ausholen: Wir leben seit 15 Jahren in dieser Stadt, die nicht meine Heimatstadt ist. Meine beiden Töchter sind hier geboren, gehen hier in Kindergarten und Schule und sind hier eben zu Hause. Das hier ist ihre Heimat. Nicht meine, aber ihre. Hier haben sie ihre Freunde, ihr Umfeld, ihre Sicherheit. Ja, sie sind noch klein. Nein, sie sind keine Erwachsenen. Und jetzt sieht es so aus, als müssten wir eventuell einen Umzug in Betracht ziehen. Aus beruflichen Gründen. Und genau das macht mir schwer zu schaffen. Auch, weil ich selbst vor 15 Jahren verdammt schweren Herzens meine eigene Heimat hinter mir gelassen und hier komplett neu angefangen habe – und sehr lange brauchte, bis ich mich hier zu Hause fühlte. Vor allem aber, weil ich mir Gedanken um meine große Tochter mache. Sie ist gerade in die zweite Klasse gekommen. Sie ist 7,5 Jahre alt. Und sie ist sehr, sehr sensibel. Wir hatten vor etwa einem Jahr eine größere Wohnung abgesagt, weil ein Umzug bedeutet hätte, dass ich meiner Tochter ein paar Tage vor den Sommerferien hätte sagen müssen, dass sie nach den Ferien nicht in die Grundschule hätte gehen können, auf die sie schon immer vorbereitet war, auf die sie sich freute. Und schon wegen dieser Absage und Entscheidung musste ich mir einiges anhören. Von wegen, wie man eine solche Entscheidung von einer 6-Jährigen abhängig machen kann.

Schulwechsel und Umzug in der Grundschule

Schon da hörte ich diese Sätze. „Das hätte sie schnell verkraftet“, „Die hätte sich ganz schnell umgewöhnt“. Dieselben Sätze, die ich auch heute höre. Und ehrlich: Ich hasse diese pauschalen Aussagen! Ganz ehrlich, ich kenne meine Tochter. Ich weiß, dass meine Kleine, das Mäuschen, ein paar Tage traurig wäre und dann gespannt und fröhlich in das neue Abenteuer starten würde. Ich weiß aber auch, dass eine derartige Veränderung die Maus total aus der Bahn werfen würde. Und zwar so richtig. Und die Veränderung, die jetzt vielleicht ansteht, würde nicht nur einen Umzug innerhalb der Stadt bedeuten. Sie würde ein neues Bundesland, eine neue Stadt, eine neue Wohnung und einen Schulwechsel bedeuten. Es würde bedeuten, dass sie ihren Papa wahrscheinlich sechs Monate lang nur am Wochenende sieht, während sie sich darauf vorbereiten muss, ihre Freunde, ihre Schule, ihre Heimat für das komplett Unbekannte aufzugeben. Ein Schulwechsel samt neuer Stadt bedeutet, dass sich alles für immer ändert.

Sind Kinder keine Menschen?

Kinder verkraften das schnell. Kinder stellen sich da schnell um. Kinder nehmen sowas nicht so schwer.
Mal ehrlich – würde jemand in dieser und ähnlichen Situationen Sätze wie „Menschen verkraften das schnell“ oder „Menschen stellen sich da schnell um“ sagen? Nein. Das würde niemand. Und warum nicht? Weil kein Mensch wie der andere ist. Weil Menschen unterschiedlich ticken, jeder andere Prioritäten hat und jeder mit Veränderungen, Verlusten oder Ängsten anders umgeht. Warum bitte soll das für Kinder nicht gelten? Sind Kinder keine Menschen? Sind Kinder alle gleich? Glauben manche Menschen wirklich, dass manche Dinge im Leben Kinder nicht genauso nachhaltig verunsichern und sie für die Zukunft beeinflussen und verändern können wie uns Erwachsene? Glauben manche Leute ehrlich, dass Kinder immer einfach mitlaufen und sich schnell an alles anpassen, nur weil ihre Eltern bei ihnen sind?

Lasst den Kindern ihre Stimme

Kinder sind auch Menschen. Und Kinder ticken genauso unterschiedlich wie wir Großen auch. Und wenn ich als Mutter sage, dass ich Sorge habe, dass meine Tochter Schaden nehmen könnte, dann sage ich das nicht nur so dahin. Sicher gibt es Kinder, die keine großen Probleme mit Veränderungen haben. Das ist schön. Die Maus ist aber nicht so. Die Maus ist heute noch traurig darüber, dass wir vor Jahren die Zimmer in unserer Wohnung getauscht haben. Die Maus kann noch heute über Dinge weinen, die schon Jahre her sind. Sie ist sehr sensibel, was Veränderungen angeht. Schon in ganz kleinen Bereichen. Ihre Stabilität hängt an so vielen Faktoren, über die sich manch einer von euch wirklich wundern würde. Ich halte nichts davon, immer alles über die Köpfe der Kinder hinweg zu entscheiden. Sicher, wenn etwas nicht anders geht, dann geht es nicht. Aber ich bin dafür, dass man die kleinen Menschen miteinbezieht, sie an Entscheidungsprozessen teilhaben lässt und ihnen ihre Stimme und die Gelegenheit gibt, ihre Meinung zu sagen. Laut.

Nicht nur ein Schulwechsel

Vielleicht geht alles gut, sollte es wirklich soweit kommen. Vielleicht würde sich alles irgendwie regeln. Aber vielleicht würde sie auch so aus der Bahn geworfen, dass sie die Grundschule mehr schlecht als recht hinter sich bringt. Vielleicht würden Veränderungen, die ihr mit 7 passieren, ihr weiters Leben negativ beeinflussen. Man kann nicht sein ganzes Leben von dem „Vielleicht“ einer Grundschülerin abhängig machen, das ist klar. Aber man kann es sich auch nicht so einfach machen und sagen, dass Kinder das schön leicht wegstecken. Gefälligst. Weil das ja bei allen Kindern so ist. Und wer meine Ängste und Sorgen um meine Tochter mit solchen Aussagen abtut, nimmt damit nicht nur SIE nicht ernst, sondern auch mich. Und ich bin diejenige, die ihre Kinder wohl am besten kennt.

Dann mache ich eben Theater. Ich liebe das Theater.

Hört auf, Kinder immer alle gleich behandeln und beurteilen zu wollen. Das ist das große Problem von so vielen Ratgebern, Berichten, Tipps und Ratschlägen. Kinder sind nicht gleich Kinder. Kinder sind kleine Menschen mit denselben Stärken und Schwächen, Ängsten und Sorgen, Stimmen und Meinungen wie wir Großen auch! Und ich finde es schade, dass man das immer wieder aufs Neue so betonen muss. Und wie ich schon oft sagte und schrieb: Es darf jeder gerne denken, dass man als Eltern heute oft zu viel Theater um die Belange der Kinder macht. ICH finde das aber eben selbstverständlich.

12 Gedanken zu „Kinder verkraften das schnell? – Umzug und Schulwechsel

  1. Mir aus dem Herzen geschrieben. Ich kann dich sehr gut verstehen. Unser Großer, 8 und gerade 3. Klasse, ist auch sehr sensibel. Veränderungen können ihn umhauen, beschäftigen ihn lang und tief. Selbst ein Umzug in der gleichen Stadt, ohne dass sich Schule, Kita, Freunde hier änderten, war extrem aufwühlend. Es ist dieser alter Aberglaube, Kinder stecken das schon weg, finden neue Freunde. Tun sie vielleicht auch. Manche mehr, manche weniger. Aber es ist für sie nicht per se einfacher als für Erwachsene, sondern manchmal eher noch schwieriger, schließlich ist es nicht ihre Entscheidung.
    Wünsche euch viel Kraft für eure Entscheidung und den Qeg, den ihr dann letztlich wählt.
    Lieben Gruß
    Rosa

    1. Eben. Manche Kinder stecken das sicher gut weg. Unsere Großen eben nicht. Und das sage ich nicht nur so, das weiß ich. Weil ich meine Tochter eben kenne – und es ärgert mich deswegen umso mehr, wenn das so abgetan wird… Danke, dass du Verständnis hast und weißt, wovon ich spreche. Das tut immer gut. Bisher hat sich noch nichts ergeben, ich werde berichten, sobald eine Entscheidung gefällt ist… Ich kann alle Daumen brauchen!

  2. Hallo, ich kann von mir und meiner Tochter sprechen. Wir sind damals, da war sie anderthalb, umgezogen und heute weiss meine Tochter immer noch wo unsere Straße war, wenn wir die Oma besuchen fahren. Sie hat über ein halbes Jahr gebraucht um sich in der neuen Heimat /Wohnung wohlzufühlen. Jegliche Veränderung macht ihr zu schaffen. Sei es die Einschulung, neuer Turnverein usw. Alle die meine Tochter nicht oder nicht richtig kennen merken kaum etwas, wir zuhause aber gewaltig. Bei uns stand auch die Entscheidung , Umzug, neue Arbeit, neuer Kindergarten, an. Wir haben uns erstmal dagegen entschieden.

    1. Hey 🙂 Wir kämpfen noch fürs Hierbleiben und ich hoffe so sehr, dass es klappt… Aber wenn nicht, dann muss es eben irgendwie gehen. Aber es wäre für uns alle hart. Alles neu von heute auf morgen. Das wäre nicht einfach. 🙁

  3. Liebe Grummelmama,
    oh ja, ich weiß, was Du meinst.
    Ich fahre jede Woche für EINEN TEILZEITJOB 400km, da die Firma während meiner Elternzeit umgezogen ist.
    Erst die Tage meinte jemand zu mir:“Dann wollen Sie doch bestimmt auch irgendwann dort hin ziehen?“
    Ähm, nee, will ich nicht. Erstmal gefällt mir die Gegend dort nicht(ländlich ist noch untertrieben, da ist NICHTS!). Und warum sollte ich die Kinder aus ihrem sozialen Umfeld reißen? Es reicht schon, dass ich mich von ihrem Vater getrennt habe, der aber nur 3km weit weg wohnt.
    Meine Eltern wohnen zwanzig Minuten von uns entfernt, die mir öfters besonders mit den Kindern helfen .
    Sonst habe ich niemanden, und dann soll ich das auch noch aufgeben?
    Nicht für den besten Job der Welt.
    Ich wurde mal vor langer Zeit von einer Kollegin vor die Wahl gestellt: Privates oder Beruf?! Heutzutage würde ich sagen:Du hast wohl ne Meise?
    Aber komplett ein neues Bundesland…ich weiß nicht?
    Wenn wir noch eine „eingeschworene Familie“wären, würde ich es mir vielleicht überlegen und der Mann auch gute Jobchancen dort hätte, aber so- muss ich mir wohl, sollte ich die Fahrerei nicht mehr aushalten, mir „in der Nähe“ einen Job suchen. Wobei das bis in die nächste Stadtmitte oder vielleicht sogar hintere Stadtteile von der FahrZEIT sogar auf dasselbe herauskommen könnte.
    Eine dreiviertel Stunde kann man heutzutage in den Städten oft locker einplanen, oder?
    Einen wirklichen Rat kann ich Dir also nicht geben, ich stimme Dir aber zu, dass man(gerade bei sensiblen Kindern)nicht diese Denkweise:“Och, die gewöhnen sich doch soooo schnell und finden so schnell neue Freunde“haben sollte.
    Bei meiner Großen gab es gerade auch einen großen Umbruch:alle Freundinnen ab in die Schule und aus ihrer Gruppe drei Erzieherinnen weg…Aber entweder, sie ist da nicht so sensibel, wie zum Beispiel Deine Tochter, oder sie schluckt alles runter, wovor ich ja große Angst habe. Aber mich hat der Weggang der Freundinnen mehr betroffen gemacht als sie :'(
    Ich wünsche Dir alles Gute und Drücke Dir die Daumen, egal wie ihr Euch entscheidet und freue mich über weitere Blogeinträge dies betreffend!
    Liebe Grüße
    Silke(@gisela7809)

    1. Liebe Silke, ich bewundere dich für dein Einsatz und deine Fahrerei! Das ist auch ganz schön hart und ich finde es total klasse, wie du da alles unter einen Hut bekommst! Wahnsinn! Wir sind noch am Kämpfen und suchen, dass es hier doch irgendwie weitergeht. Leider hat sich bisher noch nicht die Wundertür geöffnet, aber ich hoffe noch. Eine Weile wollen wir der Stadt noch eine Chance geben. Nur lange geht das nicht mehr. Für uns alle wäre das hart, von einem auf den anderen Tag ALLES hinter uns lassen zu müssen. Aber wenn es nicht anders geht… Ich hoffe nur, dass ich es dann schaffe, vor allem der Großen eine Stütze sein zu können 🙁 Vielen Dank für deine liebe Antwort und ich werde berichten, sobald sich etwas entschieden hat!

  4. Ach Du wunderbare liebevolle Frau! Du schreibst mir aus dem Herzen. Ich liebe Dich für diesen Text! :-* <3 Auch ich kann mir in vielen Situationen ähnliches anhören. Aber ich sehe es wie Du.
    Ich denk an Dich und drücke Dich aus der Ferne! Ich hoffe, die Situation klärt sich bald, denn dann könnte Ihr Euch emotional darauf vorbereiten, egal was nun die Lösung sein wird.
    Du machst Dir nicht zu viele Gedanken. Es ist ein Glück für Deine Kinder, daß sie eine Mutter haben, die auch an ihre Gefühle und Bedürfnisse denkt – auch bei großen Entscheidungen. <3
    Herzliche Grüße,
    Steffi

  5. Danke!
    Ganz wunderbarer Text. Ich verstehe auch nicht warum Menschen immer wieder so tun als wären Kinder wie Möbel oder Haustiere, die man einfach einpacken und woanders auspacken kann wie es gerade passt.
    Natürlich kann man soetwas wie einen Umzug oder andere Lebensentscheidungen nicht ein Kind entscheiden lassen. Diese Verantwortung sollten Kinder nicht tragen müssen. Wir sind die Erwachsenen, wir haben die Verantwortung und diese beinhaltet eben vor Allem auch das Wohl des Kindes im Auge zu haben. Das heißt das Kind auf solche Veränderungen vorbereiten und dazu muss man es eben auch anhören und mit einbeziehen. Ich verstehe nicht warum so viele Menschen diese, in meinen Augen, völlig schlüssige Logikkette nicht verstehen (wollen?).

    Man kann doch nicht wegen einem Kind xyz (nicht) tun? Doch, wenn es das eigene ist schon!
    Vor allem wenn ich der Meinung bin xyz würde meinen Kindern schaden. Wenn ich Schaden verhindern kann verhindere ich ihn, wenn ich es nicht kann dann versuche ich ihn abzufedern. Würde doch auch keiner in Frage stellen.

    1. Kinder als Möbel… So empfinde ich das auch oft, wenn ich Sendungen der lustigen Auswanderer sehe zum Beispiel. Muddi hat Bock, ne Cocktailbar auf Malle aufzumachen? Dann müssen alle mit, egal ob Teenager oder Grundschüler. Die verkraften das ja leicht. Und wenn es dann schiefgeht, dann verkraften die auch den Rück-Umzug easy. Kein Ding… AAAAAAARGH.

      Ich finde auch, dass man Kindern natürlich nicht alleine die Entscheidung lassen sollte, aber ihre Meinung, ihre Ängste und Sorgen miteinzubeziehen, das finde ich auch selbstverständlich und verstehe nicht, wie man das anders sehen kann.

  6. Für unsere Kinder war es auch nicht sol eicht. Vor allem der Ältere hat mehrere Umzüge mitmachen müssen – die wir ihm leider nicht ersparen konnten. Richtig schlimm fand ich es, als er mit 4 im Frühling sagte, Mama, jetzt ist es wieder Zeit umzuziehen, oder? (Damals hatter er schon 3 Umzüge hinter sich)
    Wir hoffen sehr jetzt für länger an einem Ort bleiben zu können. Es gibt ihnen Vertrauen und SIcherheit.
    Und dennoch war ich begeistert wie gut sie die Situation – etwa eingeschult zu werden ohne auch nur 1 Kind zu kennen – gemeistert haben. Kinder sind einfach toll! Aber was nicht sein muss… LG und alles Gute

    1. Och geh, das ist echt traurig, was dein Sohn da sagte… 🙁 Noch kämpfen wir dafür, hierbleiben zu können, aber so richtig gut sieht es nicht aus. Ich hoffe aber noch… Und wenn nicht, hoffe ich, dass ich den beiden gut beistehen kann, vor allem der Großen. Alles Liebe für euch!

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