Eltern und Kinder

Und deshalb reimt sich „Ferien“ auch auf „One-Way-Ticket für Mama“.

Wir schreiben den 6. September. Seit dem 31.7. sind Sommerferien. Der Kindergarten der Großen hat uns Eltern der Bald-Grundschüler ein besonderes Geschenk gemacht und legte seine Ferien direkt an den Schulferienstart. So schön. Denn so dürfen die Kleinen gleich mal die vollen Sommerferien auskosten und testen, wie sich 6 ½ Wochen Nichtstun anfühlen. Die Kleine ging noch zwei Wochen länger in die Kita. Eine Woche später öffnete dann ihr neuer Kindergarten schon wieder die Pforten – doch die Eingewöhnung für sie startet erst am 14. September. Nun ja. Was soll ich sagen? Da bin ich dann jetzt seit 48397 gefühlten Wochen mit den Herzchen zu Hause.

Wir waren auch eine Woche zelten. Zum Glück. Aber jetzt liegt die letzte Woche der Ferien vor uns und ich kann sagen: ICH MAG NICHT MEHR. Ich höre an dieser Stelle schon die ganzen murmelnden Stimmen, die da flüstern und raunen „Warum kriegt man Kinder, wenn man darüber meckert?“ oder „Du hast es dir so ausgesucht“ oder gar „ICH genieße jeden einzelnen Ferientag mit meinen Schätzen“. Ja? Ich nicht. Die erste Zeit war schön. Die Kleine ging noch zur Kita und ich konnte Alleine-Zeit mit der Maus verbringen. Aber die beiden zusammen?! Eine K A T A S T R O P H E.

© Pixabay
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Und jetzt sind meine Akkus leer. Und ich, so wie immer, habe das Aufladegerät verschlampt. Falls es je eins gegeben hat. Und war ich am Anfang der Ferien noch motiviert und voller Elan, sitze ich jetzt hier um 14:35 Uhr mit wirr hochstehenden Haaren noch im Schlafanzug, während um mich herum das Chaos herrscht.

 

„NAAAAAAAAAAAAAAAAAIN, das ist MAAAAAAAAAAAAAAINS!“
„MAMAAAAAAAAAAAAAAAAAA, die Maus haaaaaaaaaaaaaaaaaaaaat…..!“
„ICH WILL DAS NÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜCHT!“
„MAMIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIII, wo ist………….?!“

Und begleitend dazu fliegen Spielsachen durchs Zimmer, die Aua-Rufe werden lauter und nur von permanentem schrägem Gesinge übertönt.
Und ich? Mag nicht mehr.

Mag nicht mehr in den Garten.
Mag nicht mehr auf den Spielplatz.
Mag nicht mehr in den Zoo.
Keine Kraft mehr fürs Schwimmbad.
Es hat sich irgendwie ausspaziert.
Ausgespielt.
Ausgebastelt.
Ausgeausflugt.
Ausgeradelt.
Keine Lust.
Keine Nerven.
Keine Energie mehr.
Ich kann keine Kinderstimmen mehr hören.
Kein Gestreite.
Kein Genörgel.
Kein Gelangeweile.

Ich will nur meinen Kaffee schnappen, mich im Schlafanzug in ein Taxi setzen, das mich zum Flughafen fährt und mich dort – trotz schlimmster Flugangst – in den nächsten Flieger nach irgendwohin pressen. Egal wohin. Nur weit weg. Und da werde ich dann sitzen. Irgendwo weit weg. Nur ich, mein Kaffee und mein Pyjama. Die Leute werden sich fragen, was die komische Frau mit den wirr hochstehenden Haaren und der krankhaft umklammerten Micky Mouse Tasse da macht. Und sie werden sich fragen, ob sie vielleicht Hilfe rufen sollen, weil die komische Frau leise und irre kichert. Doch dann wird vielleicht eine andere Frau kommen und sagen „Lasst sie. Das ist eine Deutsche, da sind noch Sommerferien“, und alle werden verstehen. Und vielleicht, nur vielleicht wird mir jemand einen neuen Kaffee einschenken und mich wissend anlächeln und mir sagen, wann es Zeit wird, wieder nach Hause zu fliegen.

2 Gedanken zu „Und deshalb reimt sich „Ferien“ auch auf „One-Way-Ticket für Mama“.

  1. Haha, ich freue mich auch tierisch auf soetwas wie Alltag. Auch wenn der Große morgen eingeschult wird und es bestimmt eine Weile dauern wird, bis sich der wieder so richtig einstellt… Aber mal wieder RUHE, STILLE. Und Zeit zum Gedanken sammeln und Schreiben… Halte durch, bald ist es geschafft 🙂

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