Eltern und Kinder

Und die Frau an der Wursttheke?

Was ist das denn jetzt für ein komischer Titel, fragt ihr euch? Ich werde es euch verraten… Es hat alles mit der Zeit zu tun, in der wir uns gerade befinden und um Menschen, die sich irgendwie zu oft zu viele Gedanken machen. Zumindest für meinen Geschmack.

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Quelle: Pixabay.de

Ich habe ja bekanntlich zwei Töchter. Eine geht in die Grundschule und in die Betreuung dort und die andere in den Kindergarten. So weit, so gut. Das heißt, wir haben Lehrerinnen, Lehrer, Betreuerinnen, Betreuer, Erzieherinnen, Erzieher, Praktikantinnen, Praktikanten… Ihr seht, da sind ja mal echt ganz schön viele Menschen involviert! Jetzt gibt es dann so Eltern, – meist die, die sich auch sonst immer „sehr viele Gedanken“ machen – die ein paar Wochen vor Weihnachten/Ostern/Kindergartenjahres-Ende auf die Idee kommen, dass doch ein nettes Geschenklein für die Lehrerinnen, Lehrer, Betreuerinnen, Betreuer, Erzieherinnen, Erzieher, Praktikantinnen und Praktikanten angebracht wäre. Schnell wird dann ein Rundbrief verfasst, in dem alle Eltern darum gebeten werden, ein paar Euro springen zu lassen, damit ein sinnvolles und liebliches Präsent kredenzt werden kann. Um sich zu bedanken. Für Dings. Und Bums.

Und da kommen dann Eltern wie ich ins Spiel. Eltern, die sich fragen, wofür man sich da jetzt genau mit Euro und Geschenken bedankt. Für den Job, den sie bezahlt machen? Für ihre Arbeit, die sie wie alle anderen Menschen auch ausüben? Ich weiß, das ist jetzt gemein und fies von mir – aber ich verstehe wirklich nicht, warum ich um die 15-20 Euro pro Festivität ausgeben soll, damit Menschen, die nur ihren Job machen, Extrageschenke bekommen? Und dann ist es auch noch so, dass Lehrerinnen und Lehrer in Teufels Küche kommen können, wenn sie Geschenke annehmen, die einen gewissen Wert (der von Bundesland zu Bundesland oder Landkreis unterschiedlich ist) übersteigen…

Nennt mich geizig oder undankbar, aber ich finde das unglaublich übertrieben. Warum steigert sich sowas so dermaßen? Warum wird für jeden Pups ein Geschenk besorgt, das der Beschenkte wahrscheinlich nicht mal haben will? Wenn ich jemandem meinen Dank ausdrücken will oder ihm mitteilen möchte, dass ich froh bin, meine Kinder bei ihm oder ihr zu lassen, dann kann ich das in einem persönlichen Gespräch tun. Denn ja, es gibt Menschen, die ihren Job besonders gut machen oder einem besonders am Herzen liegen. Oder die Kinder malen oder basteln etwas für ihren Lieblingslehrer oder die Herzenslehrerin. Wegen mir kann man tatsächlich noch darüber nachdenken, bei einem Abschied eine Kleinigkeit zu besorgen. Aber alles andere halte ich einfach für fehl am Platz. Ich meine: Wo fängt das an und wo hört es auf?

Ich kaufe mehrmals die Woche meine frische Wurst an der Theke im Supermarkt um die Ecke. Und die Wurstfachverkäuferin und ihre Praktikantinnen arbeiten wirklich sehr gut und freundlich, damit ich meine Salami und Wiener bekomme. Sollten da nicht alle Kunden des Supermarktes zusammenlegen? Nur ein paar kleine Euro? Für einen schönen Gutschein in einem Restaurant? Klar. Das wäre sicher total nett und die Wurstfachverkäuferin würde sich auch sicher immens freuen. Aber dann sehe ich sich schon das Drama anbahnen: Die Kassiererin weint, weil sie auch immer nett war und nichts bekommt; der Filialleiter verfällt in Depressionen, weil seine Arbeit nicht gewürdigt wird und der Hausmeister kündigt, weil er alle Kunden hasst, die sich so selbstverständlich ihren Müll entsorgen lassen und ihm nicht mal was zum Dank zusammen mit einer kleinen Rede überreichen…
Am Ende ist es ja eigentlich so, dass ICH gerne ein Geschenk von der Lehrerin hätte, weil sie schließlich ohne meine Fruchtbarkeit und Wahl der Schule gar keinen Job ausüben könnte!

Spaß beiseite. Ihr wisst sicher ungefähr, was ich meine. Sinnvoller fände ich es, wenn man dieses Geld in die Klassenkasse oder für Kindergarten-Ausflüge spendet. Oder damit ein paar Weihnachtsaktionen für Bedürftige unterstützt. Denn davon hätten alle sicher mehr. Danken und beschenken sollte man Menschen, die sich ehrenamtlich um kranke, alte, obdachlose oder geflohene Menschen kümmern. Die ihre ganze Freitzeit opfern, damit es anderen Menschen besser geht und die alles dafür tun, dass in düsteren Momenten wieder gelacht und gehofft werden kann. Vielleicht sollte man sich mal umschauen im Leben, in der Gemeinde, in der Nachbarschaft oder in der Umgebung – dann sieht man die Menschen, die ohne ein Danke und ohne einen Cent zu verdienen Dinge tun, die sie nicht tun müssten. Und ich glaube ja, dass alle Lehrerinnen und Lehrer, Erzieherinnen und Erzieher gerne auf ihre Geschenkleins verzichten würden, um mit dem Geld etwas zu unterstützen, was wirklich unterstützenswert wäre. Egal, ob im Kleinen oder Großen.

 

9 Gedanken zu „Und die Frau an der Wursttheke?

  1. Danke, ich dachte schon ich bin die einzige, die das so sieht und dagegen rebelliert. Meine Kinder basteln jedes jahr eine weihnachtskarte oder malen zum Jahresende ein Bild von ihrem schönsten Erlebnis. Aber nicht, weil ich es sage,sondern weil sie wollen. Nur zum Abschied vom Kindergarten haben wir büchergutscheine besorgt. Es waren sich viele besondere Jahre dort. Und dafür wollten wir Danke sagen.

    1. Nein, bist du nicht. Siehst du, das, was deine Kinder machen, finde ich toll. Das macht bei mir die Große auch. Etwas, das von Herzen kommt. Weil es jemand verdient hat, sich DARUM verdient gemacht hat in den Augen der Kinder. Und das tue sicher nicht ich, wenn ich ohne meine Kinder zu involvieren Gutscheine oder Blumen verschenke… Abschiede sind wie gesagt andere Gelegenheiten. Aber auch da entscheide ich selbst gerne, wer was bekommt und warum…

  2. EY! Aber ich WILL meine Geschenke!
    Nein, Spaß beiseite 😉
    Aus Lehrersicht kann ich nur sagen, dass ich mich auch erstmal an die plötzliche Geschenkeexplosion (als Klassenlehrerin) gewöhnen musste, als ich mit dem Referendariat fertig war. Natürlich ist das nett und man freut sich, ein bisschen positives Feedback zu bekommen, nötig ist es aber nicht. Und ich muss auch ganz ehrlich sagen, ich freue mich 1000 mal mehr über ein „Der Unterricht hat mir echt Spaß gemacht!“ als über den obligatorischen Blumenstrauß zu Weihnachten.

    Verabschiedungen sind noch mal was anderes, finde ich. Lehrer ist nun mal ein Job, bei dem man seine Schüler wirklich viel und lange sieht und eine Beziehung aufbaut, die eben nicht mit der Wurstverkäuferin hinter der Theke zu vergleichen ist 😉 Das wird getröstet, über Sorgen und Ängste gesprochen, motiviert und auch mal geschimpft. Gleiches gilt für Erzieher, Betreuer usw. Vielleicht ist bei diesen Berufen deshalb auch der Drang vieler Eltern so groß, sich in irgendeiner Form erkenntlich zu zeigen, weil eben nicht nur eine Maschine korrekt bedient oder ein Kleidungsstück freundlich verkauft, sondern sich einem kleinen Menschen auch auf emotionaler Ebene angenommen wurde.

    Oder aber es sind alles kleine Bestechungsversuche, kann natürlich auch sein 😉

    1. Siehst du, DAS meine ich! Man ist doch in Kontakt. Sowohl die Kinder als auch die Eltern. Und ich rede und sage, dass dies und das ganz toll für die Kinder war. Dass es ihnen viel gebracht oder gefallen hat. Aber ich mag nicht ständig Geld in Kässchen werfen, damit was Unnötiges angeschafft wird, was für mich nicht das trifft, was es mitteilen soll. Wenn die Kinder zusammen etwas basteln oder liebevoll rüberbringen, weil sie es wollen, dann ist das schön. Bloß wenn man ab und an etwas für mich Herzloses verschenkt, hat es sich auch nicht erledigt. Und für mich hat halt auch nicht jeder Lehrer und jeder Erzieher gleich viel „verdient“. Nicht jeder liegt einem oder eben den Kindern. Ich will halt selbst entscheiden, wem ich wann womit und wofür danke… :/

      1. Kann ich absolut verstehen. Ich z.B. könnte jedem auf Anhieb sagen, wo diese ganze „Kleinigkeiten“, die man im Laufe der Zeit von den Schülern bekommt (selbstgemalte Bilder, Briefe usw.), bei uns aufbewahrt werden. Wo jetzt Gesteck XY oder Figur Z steht, die mir zu irgendwelchen Feiertagen überreicht wurden? Keine Ahnung, die Sachen sind mir persönlich einfach „nicht so wichtig“, wie die wirklich ernst- und liebevoll gemeinten Dinge, die von Herzen kommen. Auf alles andere kann ich gerne verzichten.

  3. Darüber habe ich noch garnicht nachgedacht, das Sommerkind kommt erst im nächsten Jahr in den Kindergarten. Im Allgemeinen finde ich aber, dass Geschenke okay sind, wenn man es wirklich ehrlich meint. Unsere Tochter wird in einen privaten Kindergarten mit nur einer Gruppe gehen und die Eltern sind ohnehin angehalten relativ viel mitzuhelfen und haben dementsprechend auch einen engen Kontakt zu den Erziehern. Da finde ich kleine Geschenke schon sehr nett, aber kein Muss. 15€ finde ich allerdings auch zuviel. Auf der Arbeit werden auch höchstens 5€ gesamellt. Ich denke mehr würde ich da auch nicht ausgeben wollen.
    Erzieher sind ja doch nochmal etwas Besonderes, auch wenn sie nur ihren Job machen. Schließlich kümmern sie sich um die Kinder und im besten Fall versteht man sich gut.
    In einem großen Kindergarten würde ich allerdings auch nicht für jeden Hans und Franz spenden wollen.

    Liebe Grüße
    Nicole

    1. Liebe Nicole, danke für deinen Kommentar.
      Du schreibst genau das, worum es mir eigentlich geht. Geschenke sollten ehrlich gemeint sein. Und bei diesen Sammelaktionen zu Geburtstagen, Feiertagen, was auch immer Tagen kommt es immer immer so vor, als ginge es um, ja, keine Ahnung… Schleimerei? Einschmeichelei? Nicht um ein Danke, nicht um was Ehrliches. Ich mag es nicht, dazu genötigt zu werden, Menschen etwas zu schenken, denen ich nichts schenken möchte. Nicht jede Lehrerin mag man, nicht jeder Erzieher liegt einem. Wenn ICH jemandem danken möchte, dann tue ich das. Oder besser: Mein Kind tut das. Mit einem persönlichen Geschenk… Ich finde, dass das viel zu sehr ausartet und total den Sinn von Geschenken verfehlt.

  4. Deinen Artikel finde ich super und du hast ja soooo recht.
    Mein Sohn kommt bald in den Kindergarten, das heißt also Abschied von der Krippe. Zum Abschied habe ich gemeinsam mit meinem Sohn eine Kollage gebastelt, mit einem Gedicht und Fotos von ihm, wie er sich über die Jahre entwickelt hat. Da steckt sehr viel Herzblut von uns allen drin und ich hoffe, die Erzieherinnen werden sich darüber freuen. Das ist unsere Art danke für die letzten zwei wunderbaren Jahre zu sagen. Das Krippenteam war toll und wie eine zweite Familie für den Junior. Ich wäre jetzt allerdings nie auf die Idee gekommen, irgendwas zu kaufen.
    LG Anke

  5. Liebe Grummelmamma! Zwang ist sowieso doof und wie du sehr richtig schreibst, sollten Geschenke von Herzen kommen und ich finde am besten von den Kindern selbst. Dabei unterstütze ich sie gerne! Die Kids überreichen voller Stolz jedes Jahr aufs Neue, weil die Kinder jedes Jahr wieder auf die Idee kommen, den beiden Kindergartentanten der Gruppe und jetzt neu den Lehrerinnen eine Tüte von den Kindern selbstgebackener Plätzchen. Ich finde es toll, dass sie so gerne Schenken, auch wenn ich sie manchmal bremsen muss, denn sie wollten schon so manches Mal die ganze Gruppe verköstigen! Sonst schenken wir spontan und ungebunden von Festen! Also in diesem Sinne entspannte Weihnachtszeit!

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