Aufreger des Tages ·Eltern und Kinder ·Erziehung

Unsere Kinder sind nicht perfekt – zum Glück!

Eltern scheinen immer höhere Erwartungen an ihre Kinder und auch an deren Umfeld zu haben – so kommt es mir zumindest vor. Alles muss schnell und früh klappen und kein Kind sollte irgendwelche Abweichungen von den in Büchern und Artikeln und Gesprächen festgelegten Normen haben. Wir leben in einer sehr schnellen und sehr kommunikativen Zeit, in der man sich sehr leicht über alles informieren, belesen und austauschen kann. Oder austauschen könnte. Leider wird genau das total falsch interpretiert und ausgeführt.

Kinder
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Was? Dein Kind auch?

Ich wartete zuletzt in der Ballettschule auf das Mäuschen, das im August 5 Jahre alt wurde. Zufällig hörte ich ein Gespräch zwischen zwei Müttern mit, in dem es um die vierjährige Tochter ging, die noch immer nachts Windeln trägt, obwohl sie schon seit rund 1,5 Jahren tagsüber problemlos trocken sei. Sie wäre schon beim Arzt gewesen, organisch sei alles gut, sie mache sich große Sorgen, dass etwas nicht mit ihr stimmen könnte. Irgendwann kam ich nicht mehr umhin, mich dreist einzumischen, nachdem ich genug gelauscht hatte. Ich erzählte ihr, dass meine Kleine 5 Jahre alt sei und selbst erst seit ein paar wenigen Monaten in der Nacht ohne Windel klarkäme. Dass das total okay wäre. Dass jedes Kind und jedes kindliche Gehirn da unterschiedlich lange brauchen würde. Und dass es keine Schande wäre, wenn die Kleine noch eine Weile ohne Stress und Thematisierung ihre Windeln tragen dürfte. Diese Mama war super erleichtert und freute sich offensichtlich über meinen Einwurf.

Kinder müssen nicht perfekt schlafen, essen und lernen

Immer öfter bekomme ich auch in Gesprächen mit Freundinnen mit, dass viele Falschinformationen „rausgehauen“ werden. Dass viele Dinge, die nicht „perfekt“ erscheinen, einfach nicht erwähnt werden. Dass die Kinder eben immer gut schlafen, nie trotzen, nie schnullern, super früh windellos sind – kurz: Die absoluten Bilderbuchkinder zu sein scheinen. Warum ist das so? Wovor hat man als Eltern so große Angst, dass man lieber schwindelt als die Wahrheit zu sagen? Sind unsere nicht gut schlafenden, schnullernden, auch mal wütenden oder nicht perfekt rechnenden und schreibenden Kinder nicht so viel wert wie andere? Wer definiert denn überhaupt, wie ein perfektes Kind zu sein hat? Oder viel eher: Wer zum Kuckuck hat überhaupt das Recht, so eine Definition aufzustellen? Kinder sind immer perfekt unperfekt. So wie wir alle. Und genau das macht uns doch zu dem Menschen, der wir sind!

Den Kreis durchbrechen und darüber sprechen!

Leider ist es wie schon beim Thema Geburt, Stillen oder Babyschlaf – keiner sagt, wie es wirklich ist. Und somit entsteht ein schlimmer Teufelskreis aus „Stimmt etwas mit meinem Kind nicht?“ und „Bin ich die einzige Mutter, deren Kind…“ und wieder wird diese Mutter lieber nichts davon erwähnen und so tun, als wäre alles „perfekt“ und sich insgeheim ganz schlecht und alleine fühlen. Alleine mit einem unnormalen Kind. Aber warum? Meine Große fing mit 15 Monaten an zu laufen und lag vorher da wie ein süßes kleines Brot. Die Kleine schnullerte wie irre bis weit nach ihrem dritten Geburtstag und trug bis vor einem halben Jahr noch Windeln in der Nacht. Sie hat Nachtschreck und ist trotz ihrer stolzen 5 Jahre noch immer seeeeeeehr autonomisierend. Die Große hasst Mathe und tut sich sehr schwer damit. Die Kleine kann nicht gut realistisch malen und ihre Darstellungen von Menschen und Häusern sehen aus, als wären sie von einer Dreijährigen fabriziert worden. Warum das so ist? Weil es kleine Menschen und keine Roboter sind. Kleine wundervolle Menschen, die das eine noch nicht so gut beherrschen, aber dafür doch so viele andere Dinge können!

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Eure Kinder sind immer gut genug. Ihr braucht euch nicht für sie zu schämen. Sagt, wie es ist. Seid stolz auf sie. Und dann werdet ihr auch viel öfter von eurem Gegenüber hören, dass euer Kind keine aus dem perfekten Rahmen rausfallende negative Ausnahme, sondern die ganz normale Regel ist! Und ihr damit auch keine schlechteren Eltern…

6 Gedanken zu „Unsere Kinder sind nicht perfekt – zum Glück!

  1. Liebe Katja, wenn man min. zwei Kids hat merkt man es ja schon, man kann sie nicht vergleichen. Es wird immer eins geben,das etwas schneller oder besser kann als das andere. ❤ Lg Ella

    1. Ja, ganz genau! Gleiche Basis, gleiche Erziehung und doch zwei komplett unterschiedliche Menschlein mit ihrem eigenen Kopf, Tempo und mit ihren ganz einen Stärken und Interessen. Und das ist so toll. Genauso, wie es ist. <3

  2. Ich denke mal das viele nicht die Wahrheit sagen weil der Druck von der Gesellschaft da ist wie ein Kind zu sein hat ist echt schade und man wird auch immer gleich verurteilt ich denk das wollen viele nicht man will einfach nur in ruhe Mama sein ohne blöde blicke ♡

    1. Ja, leider ist das so und wird gefühlt immer anstrengender. Jeder will für alles Experte sein und weiß alles besser. Das ist schade. Und anstregend. Ich hoffe, dass die nächste Generation von Eltern wieder etwas entspannter wird und den Druck rausnimmt… Liebe Grüße!

  3. Ein wunderbarer Artikel! Schön, dass es mal jemand so schreibt und auf den Punkt bringt! Perfekt umperfekt – eben einfach Menschen und keine Roboter trifft es genau.
    Liebe Grüße,
    Kerstin

    1. Liebe Kerstin, genau das ist es. Und ich würde gar keine Roboterchen haben wollen. Das wäre doch total langweilig. Gerade das Unvorhersehbare mit Kindern ist doch so spannend und neu und aufregend. Vielen Dank für deinen Kommentar <3

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