Eltern und Kinder

Wie Weihnachten aus der Mode kam…

Barbie-Häuser, Playmo-Burgen, Kindertablets, iPhone, iPads, iUhren, iWasauchimmers, Konsolen, PCs, Digitalkameras, MP3Player… Fröholiche Weihnacht überall, klihingelnde Kassen in jedem Fall. Ich gehöre nicht zu einer Generation, die nur mit Nüssen, Mandelkernen und Mandarinen beschenkt wurde und die sich mordsmäßig über ein selbstgestricktes Paar Wollsocken freute, das es maximal als einziges Geschenk unter dem karg geschmückten Weihnachtsbaum gab. Nein. Und ich gehöre auch nicht zu der Art Eltern, die ihren Kindern nur eine winzige Kleinigkeit unter den Baum legt, damit sie bescheiden und sparsam aufwachsen. Aber was derzeit an „Schenken Sie doch BLABLABLA zu Weihnachten“ in mein Spam-Postfach flattert, lässt mich wirklich einmal mehr nachdenklich werden.

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Was ist Weihnachten im Jahr 2014 überhaupt noch wert?

Es ist 11 Uhr, der 15. Dezember und draußen sind beinahe 12 Grad. Gänseblümchen sprießen im Garten und die ersten zarten Knospen wagen einen Blick aus den kahlen Ästchen von Bäumen und Sträuchern. Ein Mückenstich prangt auf der Hand der Maus und juckt und beißt. Die Winterjacke habe ich wieder gegen die Herbstjacke getauscht und auf dem Weihnachtsmarkt, der mir jedes Jahr mehr und mehr auf die Weihnachtsmakronen geht mit seinen 100 gleichaussehenden Kraut-und-Schupfnudeln-Ständen, wäre ein kalter Cocktail sinnvoller als Glühwein. Sicher haben nicht unsere verwehten und verwässerten Weihnachtsbräuche und verlorenen Traditionen Schuld an dem mal wieder viel zu warmen und unweihnachtlichen Wetter. Auch wenn „früher alles besser“ war mit viel mehr Schnee und viel kälteren Temperaturen und viel mehr schlittenfahrenden Kindern – gab es auch schon „früher“ oft solche Winter. Klimaerwärmung hin oder her. Aber irgendwie passt das Wetter heute doch zu dem, was aus Weihnachten geworden ist. Oder zu dem, was aus Weihnachten zu werden droht. Ein weiteres Fest, an dem es leckeres Essen, teure Geschenke und Gründe für Besäufnisse gibt, ohne überhaupt noch so genau zu wissen, um was es geht – und vor allem: ohne es überhaupt noch so genau wissen zu wollen.

Die Kinder feiern in den Kindergärten und Grundschulen schon nur noch Lichter- oder Laternenfeste ohne den Mann auf dem Pferd, der seinen Mantel teilte. Sie warten auf Süßigkeiten, die von einem Mann gebracht werden, der aussieht wie der Kerl, der ein paar Wochen später dann wieder Geschenke bringt. Oder sieht er doch anders aus? Wie heißt er noch gleich? Nikonachtsmann? Man weiß es nicht. Ist aber auch egal. Die Kinder freuen sich, sie haben noch den Zauber in sich, der diese ganze dunkle, halbwegs kühle Vorweihnachtszeit ausmachen sollte. Ob nun mit St. Martin oder nicht, ob nun mit einem Bischof oder dem Coca Cola Typ. Was macht das schon? Was mir Sorgen macht ist aber, dass mit diesen verwaschenen Bräuchen Generationen um Generationen entstehen, die irgendwann gar nicht mehr wissen, worum es wann genau geht. Mir ist es noch wichtig, dass ich zu Hause meinen Kindern die Geschichte von Maria und Josef erzähle. Obwohl ich gar nicht gläubig bin. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder wissen, wer der Bischof von Myra war und warum man ihn heute noch feiert. Mir ist es wichtig, dass meine Kinder den Weihnachtsmann von ebendiesem Nikolaus unterscheiden können und dass sie wissen, was es mit dem Christkind auf sich hat. Denn auch wenn ich kein Christ bin, der betet und in die Kirche geht, so gehört all das zu unserer Tradition. Weihnachten hat einen Sinn. Einen Ursprung. Eine Geschichte.

Weihnachten sollte für die Kinder eine Zeit der Wunder sein. Eine Zeit, in der die ganze Familie zusammenkommt, wenn das möglich ist. In der Liebe und Zusammenhalt großgeschrieben werden und in der man sich zusammen in eine Kissenecke kuschelt und all die Geschichten und Legenden über Weihnachten liest, die im Laufe der Zeit zusammengetragen wurden. Wir alle sollten versuchen, dass nicht eines Tages unsere Kinder selbst Kinder und Kindeskinder haben, von denen NIEMAND mehr weiß, worum es eigentlich ging – und von denen sich auch NIEMAND mehr dafür interessiert, dies rauszufinden. Irgendwie wäre das sehr traurig. Finde ich. Denn man kann auch einen Riesenspaß mit seinen Geschenken haben UND gleichzeitig wissen, was Weihnachten wirklich bedeutet.

 

6 Gedanken zu „Wie Weihnachten aus der Mode kam…

  1. Ich weiss nicht, ich finde es nicht schlimm, wenn sich die Bedeutung des Festes ändert, so lange sie sich in die „richtige“ Richtung ändert. Mir bedeutet Weihnachten auf famliärer Ebene viel, auf religiöser Ebene gar nichts. Ich glaube nicht, dass Jesus, wenn er gelebt hat, Wunder vollbracht hat, also muss ich nicht seine Geburt feiern. Das Weihnachtsfest ist ja im Endeffekt auch eine Mischung mit dem vorchristlichem Wintersonnenwendfest. Für mich bedeutet Weihnachten vor allem da pflegen von familiären Traditionen, wie dem geschmücktem Baum, gutem Essen und vor allem: Zeit für die Familie. Gerade zur Weihnachtszeit verbringt man mehr Zeit mit der Familie als zu allen anderen Zeiten im Jahr. Da kommen dann alle zusammen. Alle meine Cousins und Cousinen und Onkels und Tanten und meine Großeltern und Eltern. Da sitzen 4 Generationen zusammen und feiern. Das ist für mich die Bedeutung von Weihnachten. Man gibt uns dafür 2,5 Tage in denen nichts anderes passiert, und das finde ich herrlich. Es ist, als würde die Welt ein bischen still stehen. Und das allein reicht mir schon als Bedeutung dieses Festes. Geschenke sind da eher zweit- bis drittrangig. Es ist trotzdem schön, seiner Familie eine Freude machen zu können.

    Ich halte es auch (noch) für ein Gerücht, das in Kindergärten nur noch Lichterfeste gefeiert werden. In den Kindergärten die ich kenne gibt es sowohl den Nikolaus als auch St. Martin noch, und es macht nicht den Anschein, dass sich das ändern soll.

    1. Hey, jetzt habe ich 3 Mal versucht, vom Handy aus zu antworten. AAAAAAAAAAARGH!
      Also jetzt vom PC aus: Ich habe zwei Kinder in zwei verschiedenen Einrichtungen und in beiden wird “nur” Laternenfest gefeiert, ebenso in den Einrichtungen im Umkreis, von denen ich durch Freunde weiß. Also ich kann da nur aus meiner Erfahrung berichten.

      Und was das Weihnachtsfest angeht, da gebe ich dir vollkommen recht. Ich sprach ja im Text auch nur von MEINEN Vorstellungen. Ich will damit ja nicht missionieren 😀 Das alles ist MIR eben wichtig. Aber hauptsächlich geht es doch darum, dem Fest überhaupt eine Bedeutung zu geben, die über jeden anderen Tag hinausgeht. Ich will zum Beispiel einfach nur, dass meine Kinder die Ursprünge kennen. Auch wenn ich nicht religiös bin, will ich, dass sie es trotzdem wissen und sich selbst ein Bild machen können. Und ganz genau das, was du sagst, was die Familie angeht, darum geht es mir doch auch. Das schrieb ich auch. Familie. Das ist das wichtigste, was man hat und das sollte gefeiert werden, wenn es möglich ist. Aber ich finde es halt schade, wenn es total ohne Grund teure Geschenke gibt und dann alle wieder in ihren Zimmern verschwinden… “Es ist, als würde die Welt ein bisschen still stehen” – das hast du perfekt ausgedrückt <3

      1. Oh, das war mir tatsächlich nicht bewusst, das diese „Laternenfeste“ mehr sind als die Panikmache irgendwelcher Pegida Spinner die den Untergang des Abendlandes befürchten. Ja, das finde ich tatsächlich albern. Dann kann man das feiern auch gleich lassen. St. Martin oder gar nichts, aber Laternenfest? Naja.

        1. Jetzt musste ich laut lachen 😀 Untergang des Abendlandes 😀 Nee, das ist nicht das Ding, im Kindergarten meiner Großen wird sogar Zuckerfest und alles besprochen und gefeiert und ich finde auch toll, dass die lernen, was Ramadan und so ist. Aber ja, wie du sagst, entweder St. Martin, oder gar nichts… In manchen Liedern wird sogar sein Name durch „Leute“ oder „Mann“ ersetzt… Blöd, oder? Nee, hier heißt das „Laternenfest“ oder „Lichterfest“ – und sogar der große Stadt-Umzug heißt Laternenumzug….

  2. Naja, ich sehe das so: Weihnachten (bzw sehr ähnliche Feste genau zu dieser Jahreszeit, nämlich um die Wintersonnenwende herum) gab es schon lange bevor es das Christentum und damit Maria und Josef gab. Deswegen ist diese Geschichte für mich als Atheistin nicht das „worum es bei Weihnachten geht“. Ich erzähle die Geschichte durchaus auch meinen Kindern, aber nicht weil sie DAS bei diesem Fest vordergründig im Sinn haben sollen, sondern weil das eben zur Allgemeinbildung gehört die Geschichte schonmal gehört zu haben. Sie steht bei uns aber völlig gleichwertig neben „Pippi feiert Weihnachten“ und ähnlichem.

    „Worum es bei Weihnachten geht“ ist für mich: Sich in dieser kalten, dunklen Jahreszeit auf das zu besinnen, was einem dennoch warm (ums Herz) werden lässt, das ist für mich vor allem die Familie, aber eben auch banalere Dinge wie Kerzenschein, warmer Kakao/Tee/Glühwein, Musik… seinen Lieben eine Freude machen und Zeit zusammen verbringen mit Spielen, gutem Essen und ja, auch Geschenke auspacken. 🙂

    Und dazu fällt mir gerade wieder ein tolles Lied über Weihnachten und worum es dabei geht ein, das genau meine Sicht darauf wiederspiegelt): http://youtu.be/fCNvZqpa-7Q (Tim Minchin – White Wine in the Sun)

    1. Da gebe ich dir auch vollkommen recht. Das Problem ist ja aber nur, dass den Kindern überall so Schnipsel von allem mitgegeben werden, weißt du? Hier ein bisschen Nikolaus, hier ein bisschen Christkind, eine Prise Bethlehem an einer großen Portion Weihnachtsmann. DAS ist mein Problem. Wenn, dann gar nicht – oder richtig. Und das mit der Allgemeinbildung finde ich schon richtig, so sehe ich das auch. Es gehört einfach dazu. Aber das Weihnachten, das HIER gefeiert wird (und damit auch im Kindergarten und in den Geschäften und auf den Weihnachtsmärkten) ist eben das christliche Fest und dazu gehört nunmal auch die RICHTIGE Geschichte dahinter. Ob man das nun glaubt oder nicht. Darum geht es mir. Und ich schrieb ja auch, dass es hauptsächlich um Familie und Zeit und Gemeinsamkeit geht. Mir auch. Und auch um Geschenke 😉 Und jetzt höre ich mir das Lied an, das du gepostet hast!

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