Eltern und Kinder

Wie zwei streitende Schwestern zu Freundinnen wurden

Einer meiner beliebtesten Artikel ist wohl Ich liebe meine Kinder – aber ich kann sie grad nicht leiden. Von kaum einem anderen Text habt ihr euch so angesprochen gefühlt wie von diesem! Und weil mich immer mal wieder ein verzweifelter Hilferuf oder eigene, kleine Geschichten dazu erreichen, wollte ich heute einfach mal ein Update dazu geben. Wie sieht es heute aus im Hause Grummel? Wie sieht der Alltag aus mit Maus und Mäuschen?

Die Maus wird nächste Woche unglaublicherweise schon 7 Jahre alt. Die Zeit rennt vor mir her und macht mir mein eigenes Alter immer stärker deutlich. Der alte Artikel ist ziemlich genau ein Jahr her. Und meine Kinder dementsprechend ein Jahr älter. Ein Jahr weiser. Ein Jahr reifer. Jaja, nicht übertreiben, ich weiß! Aber vieles hat sich geändert. Dass beide gerade eine recht alberne Phase haben, habt ihr die Tage ja hier auf dem Blog lesen dürfen. Aber das ist ja nichts, was jetzt wirklich tragisch wäre. Im gemeinsamen Spiel haben die Mädchen wirklich gut zusammengefunden. So richtig vereint hat sie glaube ich diese eine langweilige restliche Ferienwoche, die durch Schmuddelwetter und Nachweihnachtsstress sehr öde und wohnungslastig verlief. Und als ich so da saß mit Kaffee und Zeitung (ja gut, es war keine Zeitung, es war mein Handy), fiel mir auf, dass die Kinder spielen. Zusammen. In ihrem Zimmer. Einfach so gemeinsam. Ohne zu streiten, ohne zu schreien, ohne Geheule. Und in diesen Ferien passierte, was sonst eher schwierig war: Sie wuchsen zusammen und spielten auf Augenhöhe.

IMG_0821Aus Streitmäusen werden Spielkameraden

Seit diesem Tag sieht das Kinderzimmer abends aus, als hätte eine Gruppe Erdmännchen auf Speed eine Party gefeiert, aber auch das ist okay. Denn das ist das Zeichen dafür, dass wirklich echt richtig tatsächlich gespielt wird! Mir war das vorher gar nicht aufgefallen, vielleicht auch, weil ich mich nicht über die Ordnung beschweren wollte, aber die beiden hatten nie wirklich Chaos veranstaltet. Einfach weil sie so sehr mit streiten und sich gegenseitig Dinge mopsen beschäftigt waren, dass sie gar nicht zum echten Spielen kamen. Jetzt bauen sie zusammen riesige Playmo-Landschaften auf. Oder sie bespielen gemeinsam alle Barbies. Oder sie machen das Kinderzimmer zum Paradies für Schleich-Tiere. Aber egal was, sie tauchen gemeinsam in die jeweilige Spielewelt ein und das ist wunderschön zu sehen als Mutter. Zwei Schwestern, die sich irgendwie als Spielkameraden gefunden haben. Vielleicht ist es ja auch mehr ein ABgefunden als GEfunden, aber das ist egal. Es ist schön.

Nicht perfekt, aber wer will das schon?

Natürlich gibt es Streit. Natürlich gibt es Hinterhergerenne und „DAS HAB ICH ZUERST GEHABT!“ Gebrüll. Kein Mensch würde mir abkaufen, dass die beiden von heute auf morgen ein Herz und eine Seele geworden sind. Aber das will ich ja auch gar nicht. Die beiden sind aneinander und zusammen gewachsen, aber doch nicht zu einer Person geworden. Und es ist auch klar, dass die drei Jahre und sieben Monate Altersunterschied wohl noch sehr lange zwischen ihnen stehen werden, was spielen, basteln und verstehen angeht. Aber sie werden doch spürbar unwichtiger. Es gibt nicht mehr viel, bei dem die kleine Schwester nicht mitmachen kann, weil sie es kaputtmachen könnte oder nicht kapieren würde. Und es gibt nicht mehr viel, was für die große Schwester zu kindisch ist, weil sich einfach die Spielewelten so sehr angenähert haben. Für uns Eltern vereinfacht das den ganzen Alltag gewaltig. Endlich kann man alles gemeinsam machen. Endlich muss man sich nicht mehr ständig zweiteilen! Endlich kann man in Ruhe als Familie Dinge machen und muss nicht mehr als Mutter-Kind1 und Vater-Kind2 die Freizeit aufteilen.

Alles wird gut? Ja! Versprochen!

Das Mäuschen ist jetzt drei Jahre und sieben Monate alt. Genau in diesem Alter wurde die Maus große Schwester. Was ich gerade wirklich verrückt finde, weil mir das Mäuschen noch so klein vorkommt und ich die Maus als große Schwester schon so viel reifer in Erinnerung habe… Aber das macht wohl das Geschwisterchen aus. Dennoch denke ich oft, dass zwischen den beiden genau dieses Leben liegt. Ein ganzes Mäuschen-Leben.
Inzwischen ist die Maus ein Schulkind und die Kleine wächst langsam aber sicher aus der Trotzphase heraus. Mit beiden wird vieles leichter. Der ganze Alltag hat sich nochmal komplett verändert, denn ich habe kein verträumtes Wackelzähnchen mit Kleinkind-Anhang im Kinderwagen mehr, sondern ein Schulkind mit kleiner großer Schwester, die mit mir zusammen zu Fuß die Welt erkunden. Ein bisschen trauere ich der Zeit nach, weil sie einfach nie wieder kommen wird. Adieu, Kleinkind-Getrappel, mach’s gut, Kinderwagen und Geschwister-Rollbrett. Aber ich freue mich wirklich sehr über die neue Konstellation und die „großen“ Kinder an unserer Seite.

Und ich kann euch, die ihr noch in den wirklich harten Zwischenphasen steckt, sagen, dass es besser wird. Dass da noch so vieles wartet, auf dass ihr euch jetzt einfach schon freuen könnt. Versucht durchzuatmen und das Jetzt so gut es geht zu genießen, auch wenn es anstrengend ist. Speichert Erinnerungen und seht das Gute. Die Zeit geht vorbei – nur wenn sie vorbei ist, kommt sie auch nie wieder – und das ist dann manchmal DOCH ein Mamatränchen wert.

5 Gedanken zu „Wie zwei streitende Schwestern zu Freundinnen wurden

  1. Danke für den Artikel, genau diesen habe ich jetzt gebraucht. Wir stecken nämlich in der Phase mit KiWa etc. Kleine ist 1 1/2 großer Bruder 5 1/2. Und ich hoffe darauf, dass es einfacher wird, sobald die Kleine anfängt zu sprechen….

  2. Danke dir, der Zuspruch tut gut, meine Mädchen werden jetzt 5 und 3, es klappt auch schon ganz gut mit dem gemeinsamen spielen, aber es kann noch besser werden. Lustig, ich empfinde es auch so, dass die Große im Alter der Kleinen schon viel weiter war.

  3. Unser Altersunterschied zwischen Schnuppi und Knupsi beträgt 2 Jahre & 8 Monate, also ein knappes Jahr weniger. So spielen sie schon länger gemeinsam – genau all das, wovon Du schreibst 😀 Und ja, genau das genießen wir sehr – es macht wirklich so vieles soviel einfacher!
    Und auch bei uns war es gerade soweit, dass Knupsi so „alt“ war wie Schnuppi als Knupsi geboren wurde. Das war ein seltsames Gefühl. Und ja, auch hier war es so, dass sie mir soviel kleiner und jünger vorkam als Schnuppi seinerzeit. Ich denke aber auch, dass die Großen mit dem große Schwester werden, einen Schub nach vorn gemacht haben – und nun wachsen die Kleinen an den Großen

    1. All das ist ja schon einfach wunderschön mit mehreren Kindern… Ich denke da heute oft, dass ich alles richtig gemacht habe. Auch wenn man manchmal zweifelt und sich fragt, ob da jemand drunter leidet oder zu kurz kommt. <3

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